Donnerstag, 17. März 2011

Ganz eigenartiger Stolz

„Ich bin stolz, ein Mitglied von Tepco zu sein.“ 
„Ich begebe mich auf eine Art Mission“
„Die Leute fallen über Tepco her, aber die Belegschaft hat sich geweigert aufzugeben. Die Kollegen kämpfen und riskieren ihr Leben. Bitte hört auf, uns zu attackieren!“ 

Ist man ein Held, wenn man sich für seine Firma opfert? 

Ist man ein Held, wenn man sich für das Weiterbestehen von Atomenergie opfert?

Ist man ein Held, wenn man sich für Profite opfert?


Ich glaube, es sind zweierlei Dinge. Der Einsatz der Arbeiter vor Ort, der tödliche Einsatz, ist etwas ganz anderes, als das bewusste Verschweigen und Tricksen des Konzerns, dem die Sicherheit des Werkes nicht so nahe gegangen zu sein scheint.

Und ja, es muss nachgefragt werden, bestimmt und unermütlich. Es müssen sich die Manager, die Investoren sowie Aktienbesitzer von Tepco die Frage schon gefallen lassen, was ihne wichtiger war: die Sicherheit oder ihre Profite.

Es wird noch viel Zeit ins Land gehen, ehe Japaner gelernt haben, sich von ihrem hierarchischen Denken zu lösen, selbst zu denken und nicht denken zu lassen. Meine Hoffnungen liegen bei den jungen Japanern.

Als ich in Japan war, habe ich in der sehr kurzen Zeit dort feststellen müssen, dass schon bei kleinsten Alltagsdingen in der japanischen Gesellschaft nur gehorcht wird. Sie haben bestimmte Sachen eingeübt und nichts durfte an der Reihenfolge geändert werden, sie wurde roboterhaft eingehalten, komme was  wollte. Das Verhalten war sehr fremd für mich und kam mir vor, als ob die Vorbilder für die Borg bei Star Trek in Japan zu finden sind. Nirgendwo auf der Welt - auch nicht in anderen asiatischen Ländern - habe ich soviel Selbstverleugnung feststellen müssen. Die Gruppe ist alles, der Gruppe opfert man alles, sich selbst auch. Wer eigenes Denken an den Tag legt, was nicht gruppenkonform ist, wird als Außenseiter gebranntmarkt und ist ausgestoßen. 

Nur so ist es zu verstehen, dass Japaner sich einfach in den Tod stürzen, für ihr Unternehmen und zwar nur für ihr Unternehmen. Dort im Unternehmen, wo sie zu Hause sind, wo sie zwar auch aussortiert werden ab einem bestimmten Alter, aber nicht weggeworfen werden, wie das bei uns so üblich ist. Sie werden "nur" gehaltlich herabgestuft (durch Versetzungen in kleinere Unternehmen des Konzerns), aber man will trotzdem auf ihre Erfahrungen zurückgreifen können. Der Unternehmerboss ist der Vater, die Mutter, die Familie. Puh, das klingt nach Psicorps von Babylon 5, ist aber so.

1 Kommentar:

  1. ->das klingt nach Psicorps von Babylon 5

    Nun, das klingt nicht sondern ist ziemlich exakt so, die Firma ist ein Stück weit Familie bei den Jungens. Und wenn man sich die Bedingungen und Geschichte ansieht, ist dies sogar nachvollziehbar, wenn auch sehr anders.

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