Dienstag, 19. April 2011

Arbeitsdienst

Nun sollen wieder mal H4-Empfänger in Krankenhäuser und bei Sozialdiensten aushelfen. AUSHELFEN! Sie sollen nicht etwa umgeschult werden und eine neue Arbeitsstelle erhalten. Nein, sie sollen nur aushelfen.

Es mag ja sein, dass es H4-Empfänger gibt, die das gern machen wollen. Warum nicht? Dann sollen sie es machen. Die Frage sei nur erlaubt, warum dann nicht mit einem ordentlichen Lohn und einer Festanstellung. 

Weiterhin muss die Frage erlaubt sein, in welchen Krankenhäusern denn? Viele Krankenhäuser und soziale Dienste wurden im Laufe der letzten Zeit privatisiert? Sollen nun private Konzerne den Luxus genießen, Arbeitskräfte zu ordern, die sie für'n Appel und Ei so einfach mal beschäftigen, auszutschen und dann wieder wegzuschmeißen können?

Die nächste Frage schließt sich daran an. Werden Menschen dazu gezwungen, in Krankenhäusern als Hilfskräfte zu arbeiten. Wird deren Alternative dann sein, Sanktionen über sich ergehen lassen zu müssen, wenn sie das nicht wollen?

Das erinnert mich an die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Ich habe mich wegen eines Artikels für die Leipziger Straßenzeitung mit jüdischem Leben in Leipzig beschäftigt. Als nach 1933 die jüdischen Mitbüger Berufsverbote auferlegt bekamen, wurden sie im Arbeitsdienst zusammengefasst. Sie wurden dazu gezwungen, bestimmte Arbeiten zu erledigen, wie bei der Stadreinigung u.a. Es gab bei der Stadtverwaltung von Leipzig eine Abteilung, die sich mit den Arbeitsdienst für Juden beschäftigte, die sie einsetzte, wo sie gerade dachten. Es war egal, ob sie Ärzte, Wissenschaftler, Büroangestellte oder was auch immer waren. Sie waren vom Wohl und Wehe der Leipziger Stadtverwaltung abhängig. 

Der einzige Unterschied zu damals: Verweigerer werden nicht mehr in ein KZ deportiert und dort ermordet. 

Nur die Anfänge gleichen sich auf frappierende und angstmachende Weise. Ich frage mich dabei, fällt uns Menschen nicht mal etwas anderes ein? Haben wir nicht nach dem Krieg geschworen humaner zu sein? 

Wieso klinken sich immer mehr Menschen aus der Humanität aus?


Kommentare:

  1. Wer solches entscheidet, weiß nicht, wie es den Menschen in Hartz 4 wirklich geht. Sie haben keine Ahnung, was es bedeutet in Armut zu leben und sich dazu noch als Freiwild zu fühlen. Es scheint sie auch nicht wirklich zu interessieren.
    Um Leben zu zerstören, dafür benötigen wir kein KZ mehr.

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  2. Zitat:
    Der einzige Unterschied zu damals: Verweigerer werden nicht mehr in ein KZ deportiert und dort ermordet.

    Ich füge hinzu: Noch nicht!

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  3. Ins KZ oder Arbeitslager kommen die H4ler wahrscheinlich nicht. Noch nicht. Sie werden nur ausgehungert, wenn sie nicht so spuren, wie das Arbeitsamt es will.

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  4. Und vor allem beim "aushelfen" bleibt´s dann oft auch nicht. Ich kenne FSJler, die wurden zur Krankenvertretung von festangestellten Mitarbeitern heran gezogen. Die mussten die kompletten Arbeiten übernehmen und bekamen dann sogar noch einen Ansch...., wenn etwas nicht korrekt erledigt wurde.

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  5. @Taifei:Ich hoffe, dass es dabei bleibt, dass Menschen nicht mehr in die Gaskammern geschickt werden.

    @Frei-blog: nun die Gaskammern sind doch wohl schon eine andere Dimension oder wenn man stundenlang in der Kälte stehen muss, dass einen die Gliedmaßen erfrieren und abfaulen. Dass man Menschen psychisch klein bekommt, steht auf einen anderen Blatt. Das wird hier und jetzt gemacht.

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  6. @valli: Ja aushungern, dass scheint ein Ziel zu sein. Wie sagte doch mal so ein Gnom aus der SPD, der sich Müntefering nennt: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Leider teilen viele Deutsche diese Meinung.

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