Montag, 4. April 2011

Kaputte Welt

Herr, schmeiß mit Hirn
Millionenstädte wie Berlin weisen bekanntlich eine recht hohe Neurotikerdichte auf. Doch auch extrem tolerante Beobachter werden manchmal vor harte Prüfungen gestellt. Z.B. wenn sich wie am Sonnabend vor dem Zoo im Westteil der Hauptstadt rund 70 Menschen versammeln, um gegen die Ausstopfung eines kürzlich ertrunkenen Eisbären zu protestieren. Selbst eine in anderen Fragen manchmal recht vernünftig wirkende Politikerin wie die Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling fühlte sich bemüßigt, von einem »ganz besonderen Geschöpf«, mit dem »nicht so verfahren werden kann« zu faseln. Vorschlag: Wie wär’s mit einem Volksentscheid über die geplante Präparation?
 (jW)

 ... aber schmeiß nicht daneben!

Sie wählen CDU, sie wählen FDP. Sie schauen mit Abscheu auf Muslime. Sie hetzen gegen Türken, gegen Arbeitslose. Sie finden, dass jeder selbst schuld an seinem Schicksal ist. Arme Kinder könnten vor ihren Füßen tot umfallen. Warum sind sie denn arm? Deren Eltern sind sicherlich faul, versoffen und schreien nur nach Unterstützung, wollen alles haben, ohne dafür etwas zu leisten. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme. Die Habenichtse haben Flachbildfernseher und Playstation und weigern sich ihrer Brut ein warmes Mittagessen zu kochen und ihren Kindern den Klavierunterricht zu bezahlen, kaufen dafür lieber ein Körnchen in der Flasche. Fett sind deren Kinder, weil sie nur Pommes, Big Mac und Döner konsumieren. Was will man auch von denen erwarten, wenn schon deren Eltern von Früh bis Abend vor dem Fernseher sitzen. 

Wie anders war dagegen unser Knut. Weiß wie die Unschuld. Süß und tappsig war er. Gespielt hat mit seinem Pfleger und der hat ihn an Kindes statt angenommen. Eisbären muss man einfach lieben. Sie bedürfen unseres Schutzes. Wir lieben Eisbären. Wir pilgerten in den Zoo zu Hauf, nur um das weiße Wunder bestaunen zu können. Knut war nicht vorlaut, hat niemanden einen Streich gespielt, er war so lieb und treu. Ach der Arme, gemobbt wurde er - von bösen Eisbären-Weibern - unser Knut. Wir hätten ihn beschützen sollen, diesen Engel in Eisbärengestalt. Diesen Inbegriff für alles Gute und Schöne. Wir trauern um ihn, wie man um ein wirklich wertvolles Wesen nur trauern kann. Er war unser ein und alles. Es ist ein Sakrileg unsere lichte Hoffnungsgestalt ausstopfen zu wollen. Der, der zehnmal, hundertemal, nein millionenmal wertvoller war, als jedes arme Kinde.



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