Dienstag, 12. April 2011

Mich darf niemand sehen

Mich persönlich schon. Und vorweg gesagt, ich finde Burka oder Nikab dämlich. Soviel Selbstbewusstsein sollte Frau schon haben, um nicht vor der Welt verborgen auf die Straße zu gehen. Ihr männliches Pendant macht es doch auch nicht. Warum sie und nicht er? Ich ließe mir das nicht gefallen. Und, wie kann Gott verlangen, wenn es ihn gäbe, dass Frau ein wandelnder Kleiderständer ohne Kopf, Körper, Hände und Beine sein soll - und Gott hat es auch nie verlangt.

Die andere Seite ist die, wenn ich ein demokratischer Staat sein will, ein Staat, in dem es Religionsfreiheit gibt, ein Staat, der die Rechte seiner Bürger achten sollte, dann ist ein Verhüllungsverbot nicht einzusehen. Wieso mischt Staat sich ein, was Frau anzieht und wenn es noch so idiotisch ist. Auf der Straße, wenn man nicht gerade nackig rumläuft, hat keiner irgend jemanden etwas zu sagen, wie er auszusehen hat. Ein demokratischer Staat stellt sich damit auf eine Stufe mit islamischen Diktaturen nur andersherum.Will Frankreich wie Saudi Arabien sein oder der Iran, wo sogar Touristinnen ein Kopftuch und in Saudi Arabien dazu noch einen Mantel oder Überwurf oder was auch immer tragen müssen (aus Reisekatalogen entnommen), nur eben im anderen Extrem?

Was bringt es, Frauen die Burka zu verbieten? Sie wird in der Regel zu Hause bleiben. Sie wird mehr in die Isolation getrieben. Und wie will man den Herrn des Hauses nachweisen, dass er seine Frau gezwungen hat, sich zu verhüllen - gegen den Willen seiner Frau? Wie soll das funktionieren? Glaubt jemand ernsthaft, dass sich Frauen, die in solchen Verhältnissen leben, der französischen Polizei offenbaren?

Kommen wir zum Anfang wieder zurück. Ich glaube nicht, dass durch Verbote ein Selbstbewusstsein dieser Frauen entwickelt wird. Sie sind tief verstrickt in ihrer Religion. Die paar, die sich so verhüllen, tun das in der Regel nicht gezwungenermaßen. Die meisten wollen das so. Wir müssen deren Gründe nicht verstehen, aber sie respektieren. Und die, die gezwungenermaßen die Verhüllung tragen müssen, was ist mit denen? Wie soll diesen Frauen damit geholfen sein, dass sie nun kriminalisiert werden? Gottesfürchtigen Frauen - aus deren Perspektive.

Ich weiß nicht, wie man den - aus unserer Sicht - unterdrückten Frauen helfen kann. So jedenfalls nicht. Diese Frauen müssen erst ein Bewusstsein für ihre Unterdrückung entwickeln. Das geschieht nicht durch Gesetze. Das funktioniert auch bei uns nicht, wo wir uns so fortschrittlich wähnen. Auch bei uns hat Frau nicht begriffen, wie sie eingeengt wird mit Themen: Anti-Anging, Modelfigur, Diäten, Haushalt, Kochen, Küche, Kinder, Kirche, Schönheit, Haarfrisuren, Werbung usw. usf. In unserem System wird das nur etwas geschickter gehandhabt. Schließlich braucht das System Frauen für niedere Tätigkeiten.

Und ob es so einfach ist, wenn das Ausbeutungssystem irgendwann beseitigt sein sollte? Wird die Religion, die uns trennt, uns zu gegenseitigen Feinden stilisiert, dann auch weg sein? Ich bezweifle das.

Das französische Gesetz jedenfalls, wird nichts bewirken können. Es ist für die Stammtische gedacht, für die französischen Lieschen Müllers und Hans Jedermanns, die nicht begreifen wollen, dass eine pluralistische Gesellschaft ein Geschenk ist, auch wenn sie in vielen Facetten durchaus ätzend sein kann. Ich habe in einer einseitigen Gesellschaft gelebt und möchte das so nie wieder. Ich hoffe, dass Deutschland nicht genau so ein Gesetz auf den Weg bringt.


Kommentare:

  1. wieder eine typische Ossi-Klugsc***

    in D gibt es sogar seit 1985 ein Vermummungsverbot, ( §17a Versammlungsgesetz) das zwar nur bei Demonstrationen, aber immerhin..
    schon mal nachgedacht das hinter so'ner Burka sich auch eine potentielle Gefahr verstecken könnte .. Selbstmordattentäter o.ä ... ?!
    also ich würde mich "unwohl" fühlen, wenn z.B. in einer U-Bahn Station voller Menschen so eine vollständig verhüllte Gestalt neben mir stehen würde.
    Wenn diese "Frauen" unbedingt sowas anziehen müssen (ob gewollt oder ungewollt) dann sollen die wieder besser mit Sack und Pack! in ihr eigens Land zurückkehren !!
    Integration fängt - zumindest für mich - auch hier schon an. punkt

    na ja .. eigenständiges Denken wurde im Osten nicht gerade gefördert :-)

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  2. Also so stimmt das nicht. Auf der Straße kann jeder sich so anziehen, wie er will. Wir reden hier nicht von Demos, obwohl auch dieses Gesetz nun nicht gerade vor Demokratie strotzt. Bei mir im Stadtviertel gibt es auch Burka-Frauen, ganz wenige, aber ich habe mich noch nie von denen, in meinen Augen "armen Dingern", bedroht gefühlt. Übrigens es sind keine Frauen in Anführungszeichen, sondern Menschen! Sie meinen übrigens nicht Integration, sondern Assimilation. Danke übrigens, für den Ehrennamen Ossi-Klugscheißerin, weil ich dann ganz genau weiß, wenn es von solchen wie Sie kommt, dass ich für Demokratie einstehe und für Pluralität, so wie es unser GG vorsieht und ich weiß dann auch ganz genau, warum. Und ich freue mich immer wieder, dass das berufen auf das GG bei anderen Schaum vor den Mund hervorruft.

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  3. Ach übrigens, gibt es auch Deutsche, die in der Burka herumlaufen. Wo sollen die dann hin?

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  4. Auf die Fascho-Sch... von Anonym will ich ja gar nicht eingehen. Aber mal noch ein interessanter Verweis zum Vermummungsverbot.
    Die dt. Polizei weigert sich bis heute strikt gegen eine eindeutige Identifizierung ihrer Beamten. Gerade bei Demonstrationen ist es für Opfer daher kaum möglich eine Anklage zu erheben, da sich diese ja nur gegen direkt Personen beziehen darf.
    Als Argument gegen die Identifizierung (eine Nummer würde ja schon reichen) wird gerne genannt, dass diese Beamten dann eine höheren Gefahr von Übergriffen ausgesetzt wären. Dieses Argument wird jedoch von jeder Polizei der Welt, in welcher solche ID-Merkmale üblich sind (teilweise sogar mit Namen), widerlegt.
    Soviel zum demokr. Charakter des Vermummungsverbotes.

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  5. Ich freue mich immer wieder über Kommentare, die sich unter einer Anonymität verstecken.
    Der Kleingeist geistert durch unser Land, unfähig, sich dem eigenen Kleinsein zu stellen.
    :-)

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  6. Anonym herumzugeifern ist einfach, am besten den Troll nicht beachten.
    Was mich an dieser ganzen Burka-Diskussion wundert ist die Frage: Haben wir wirklich keine anderen Probleme? Es gibt in Europa einen kleinen Promilleanteil an verhüllten Frauen - wo ist da eine Gefahr für wen? Anstatt sich um die wirlichen Probleme zu kümmern wie Arbeitslosigkeit, Armut, Steuerhinterziehung, Bildungsmisere, Rechte Gewalt, Umweltzerstörung, Sozialabbau oder nur um kaputte Straßen usw... wird solch ein Popanz aufgebaut um die Lufthoheit über die Stammtische zurück zu erobern. Darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Armes Deutschland.

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  7. @TaiFei: ganz so ist es wiederum nicht. Ich glaube in Hamburg ist's, da tragen die Polizisten ihre Namen auf der Uniform. Jedenfalls im Norden oben. Habe das im Fernsehen gesehen.

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  8. @Drahtwerker: Stimmt. Aber das Burka-Verbot zielt - obwohl es nur einen verschwindet geringen Teil von Menschen tangiert - auf die weitere Zerstörung der Demokratie ab. Was kommt als Nächstes?

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  9. @PeWi Die Kennzeichnungspflicht gilt jedoch auch in Hamburg (und NUR dort) nur für Vorgesetzte, Zugführer etc. Die unteren Dienstgrade sind von der Pflicht ausgenommen. Stellt sich die Frage wie das in der Praxis bei dem martialischem Auftreten bei Demos funktioniert. Vor allem dort wird es aber relevant. Laut aI ist Polizeigewalt ja auch in DE kein Ausnahmedelikt.

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