Donnerstag, 16. Juni 2011

Sie rebellierten ...

... am 17. Juni 1953. Die Arbeiter in den Fabriken. Sie wollten keine Normerhöhungen, nicht unter den misslichen Bedingungen. Sie wollten ein einheitliches Deutschland. Sie wollten weder Ulbricht noch Adenauer. Sie wollten ... Ja, was wollten sie eigentlich?

Ich schwanke zwischen mehreren Auffassungen. Welches ist die richtige? In der DDR waren sie Konterrevolutionäre, die die Grundlagen einer neuen sozialistischen Gesellschaft rückgängig machen wollten.

Im Westen war es ein Volksaufstand gegen eine SED-Diktatur. Erst jetzt sagt man stalinistisch dazu. 

Was wollten sie?

Sie wollten kein höheres Arbeitstempo. Hatte man ihnen nicht erklärt, dass man nur das essen konnte, was auch gesät wurde? Vielleicht hat man es ihnen erklärt, aber so, dass einem die Galle hochkam. Das konnten sie damals in der DDR gut, einen etwas so erklären, dass Wahrheiten unglaubwürdig wurden. 

Wahrscheinlich konnten sie die geforderten Normen unter den damalig herrschenden Arbeitsbedingungen nicht schaffen. Das wäre möglich. Vielleicht waren sie auch "nur" davon fasziniert, dass es endlich eine Regierung geben sollte, die für die Arbeiter da sein wollte? Und gerade diese Regierung verlangte unendlich hohe Arbeitsnormen. Dachten sie nicht, dass sie dann auch in der letzten Gesellschaft hätten leben können. War es ihnen vielleicht egal für wen sie schuften sollten? Sicherlich! Das Wort: Erst kommt das Fressen, dann die Moral - kommt nicht von ungefähr. Wer lebt schon gern mit Geldeinbußen?

Haben sich nicht vielleicht doch die USA, Frankreich und Großbritannien und die westdeutschen Konzerne für den Sturz der DDR-Regierung stark gemacht? Sind auf das goldene Ross gehüpft, was gerade vor einem Streitwagen gespannt worden war? Waren die Arbeiter, die rebellierten, vielleicht nützliche Idioten für sie?

Waren die vollen Geschäfte im Westen und die etwas leeren im Osten die Haupttriebkraft für die Rebellion der Arbeiter? Meinten sie vielleicht, dass sie es endlich verdient hätten, genauso zu schlemmen, wie ihre westdeutschen Klassenbrüder? Lockte die Schokolade? Die Bananen?

Die richtige Antwort war sicherlich nicht Adolf Hennecke oder Frieda Hockauf, die als Vorzeigearbeiter die Normen übererfüllten. Eine ganze Bewegung wurde nach Adolf Hennecke benannt. Der Aktivist war geboren.

Was wollten sie eigentlich damals? Ich verstehe es nicht. Nicht die einen und nicht die anderen. Jeder legt diesen Tag in seinem Sinne aus. 

Nach dem 17. Juni wurden viele Menschen in die SED gezwungen. Mein Vater auch. Ich war 3 und weiß das nur aus Erzählungen. Er war Industriemeister und in seiner Abteilung wurde gestreikt. Er hätte seinen Posten verloren, wenn er nicht Genosse geworden wäre, wegen der Ideologie, dem Vorbild.

Hatten sie Recht, damals die Arbeiter? Oder waren sie nur nicht bereit, sich nach der Decke zu strecken. Das klingt provokativ, aber man bedenke, wer arbeitet schon gerne härter und das noch mit wahrscheinlich weniger Geld am Ende der Woche? Damals zahlte man wochenweise aus.

Wenn ich es mir überlege, dann könnte man meinen, dass wir Dazugekommenen nun das erreicht hätten, was die Arbeiter 1953 wollten. 

Wirklich? Formal vielleicht.

Ehemalige DDR-Arbeiter bekamen eine SPD-Regierung mit grünen Wurmfortsatz. Was brachte es ihnen? Verordnete Armut!  Verrat an ihnen.

Wenn sie wirklich noch einen Arbeitsplatz hatten, dann für immer weniger Geld für immer mehr Arbeit und nicht nur mehr Stunden, sondern auch immer intensivere Arbeit. 

Damals hatten sie dagegen rebelliert. Und heute?

Und wenn sie keinen Arbeitsplatz mehr haben, früher undenkbar, dann hat die SPD ihnen den Spitzelstaat und den Drangsalierungsstaat in die Familie gebracht. 

Damals hatten sie dagegen rebelliert. Und heute?

Heute haben sich die Arbeiter ruhig stellen lassen, mit T-Shirts en masse, mit Autos, Zucchini zu jeder Tages- oder Nachtzeit, mit Handys, mit Bananen, mit vollen Geschäften, gut dekorierten Schaufenstern, mit Klo-Papier weich wie Watte. 

Sie verpfänden dafür ihren Stolz,  ihre Ehre, die Bildung ihrer Kinder - alles für irgendwelchen Plunder. In Afrika waren es Glasperlen. 

Damals hatten sie rebelliert, obwohl es ihr Vermögen war, obwohl es ihr Gewinn war. Und sie haben diesen Gewinn im Laufe der Zeit zurückerhalten: durch billige Mieten, billiges Brot und Kuchen, billige Straßenbahnfahrscheine, durch Bildungsangebote ohne Blick auf den Geldbeutel für sich und eine gute Bildung für die Kinder, Stipendien für Studenten und noch vieles mehr.

Heute schuften sie für einen Ackermann, eine Frau Mohn, einen Herrn Henkel und wie sie alle noch heißen und freuen sich darüber, dass sie es tun dürfen.

Warum? Wann rebellieren sie endlich wieder?

Kommentare:

  1. ich denke, damals haben sich viele gegen "den sozialismus" der ja nun neu war und den arbeitern haus und hof, ja sogar frau und kind wegnehmen wollte - so wie es rias und co damals verbreiteten -, gewehrt, weil ja nun auch die besatzung durch den bruderstaat udssr nicht ohnenegative begleiterscheinungen verlief und verlaufen war.
    und dann war da glaub ich auch eine gehörige portion cia und bnd am wirken.
    und das es heutzutage so ruhig ist: seitdem haben 50 bzw. 20 jahre massive volksverdummung gewirkt.

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  2. @landbewohner: So stelle ich mir das auch vor und so klingt es irgendwie auch logisch. Ich kenne leider keine wissenschaftlichen Forschungen darüber. Habe kürzlich von "Arbeitermacht" etwas darüber gelesen, was mich auch nicht ganz überzeugte.

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