Donnerstag, 9. Juni 2011

Und wieder Griechenland

Rainer Brüderle heute früh im Moma. Er bemerkte, dass "die" Griechen noch nicht sehr weit gekommen wären mit der Privatisierung von ihrem - mein Begriff - Tafelsilber. 

Ich glaube, dass, auch wenn ganz Griechenland privatisiert werden würde, das Land so nicht auf seinen eigenen Beinen stehen könnte. Nicht in der EU. Nicht bei dieser Gesellschaftsform.

Er fabuliert über eine Treuhandanstalt mit "Experten" aus dem Ausland für Griechenland. Sein Vorbild: Ostdeutschland. Also sollen dort auch "blühende Landschaften" wie in Ostdeutschland entstehen. Wir Ostdeutschen wurden bis aufs Hemd von der Treuhandanstalt ausgeplündert, dann hat man uns fallen lassen. Ja, es gibt in Ostdeutschland blühende Landschaften, wie Helmut Kohl sie beschwor. Nur blühen die Landschaften nicht mittels Industrien, sondern die Wildkräuter breiten einen Blütenteppich über die Ruinen, die hinterlassen wurden. In Griechenland, dank des milderen Klimas würden sich dann die Blumenteppiche noch interessanter und üppiger ausbreiten können.

Interessant ist es auch, dass in Zeiten, wo der Staat im weitesten Sinne, privatisiertes Eigentum zurückkauft, weil er bemerkt hat, dass viele Privatisierungen ein Irrweg sind, schwafelt die FDP über diesen Weg und will ihn als Königsweg verkaufen. Was sage ich FDP, die ganze Regierung. Ach was, sagte ich Regierung: Die grauen Herren im Hintergrund sind es. 

Meine Fernsehzeitung - ich habe nur den letzten Absatz des Artikels gelesen - schwadroniert über die Vorteile der Griechen. Im letzten Absatz stand, dass die Höchstrenten in Griechenland 2.500 EUR betragen würden. Da könne man gut und gerne etwas machen. Und - Leser sei jetzt geschockt und empört - 14 fette Raten bekämen die Griechen an Rente im Jahr. Ich möchte mal wissen, wer in Griechenland überhaupt die Höchstrente bekommt. Unsere Rentner konnten früher auch diese Beträge erhalten, wenn sie gut verdienten, bevor die Rente bei uns zur Armutsrente herabgestuft wurde. Und das soll ein vernünftiger Weg sein?

Interessant ist es auch, dass man sagt, dass Griechenland kaum Einnahmen habe, weil es wenig exportieren würde. Also soll die Exportkarte wieder gezogen werden. 

Was macht es, wenn ein Land reich erscheint, weil es wie verrückt exportiert? Deutschland ist auch nur den Namen nach reich. 

Reich sind nur ein paar Wenige bei der "tollen" Exportleistung Deutschlands geworden. 

Auf der anderen Seite verarmt Deutschland rasant und genau an den Stellen, was ein entwickeltes Land ausmacht. Die Infrastruktur zerfällt, der Bildungsbereich verdient nicht mehr den Namen, eine Bevölkerung die mehrheitlich nicht mehr in der Lage ist, einen Notgroschen zurückzulegen, Städte und Gemeinden, die keine öffentlichen Einrichtungen mehr bezahlen können. All das, was wir von unseren Steuern erwarten. Der Binnenmarkt zerfällt (bei uns im Einkaufscenter schließen wieder Läden), obwohl der gerade für kleine Handwerker und kleine mittelständische Betriebe unersetzlich ist.  Die Liste könnte unendlich fortgesetzt werden. Und das nennt sich dann ein reiches Land?

Ganz zu schweigen davon, dass wir Menschen aussortieren, sie diffamieren und ihren gerade soviel Geld in die Hand geben, dass sie gerade noch so existieren können. Ganz schlimm dabei ist, dass wir das auch Millionen von Kindern zumuten. Dort wird das Potenzial rechter Gewalt in der Zukunft herkommen.

Und das soll ein reiches Land sein? Also ich habe eine völlig andere Vorstellung von einem reichen Land. 

Eine arme Bevölkerung generiert ein armes Land! Beides geht Hand in Hand. 

Aber zurück zu Griechenland, aber auch nur mittelbar. Wir stecken allesamt in der Krise. Griechenland, Spanien, Portugal sind nur die äußeren Anzeichen. Mir kommt das so vor, wie Anfang 2000 als die IT-Blase platzte. Damals dachte man auch, dass Industrien, die ganz konventionell Tassen, Teller, Maschinen usw. herstellen, nicht mehr erforderlich wären für entwickelte Staaten. Man irrte sich damals.

Heute meint man, dass nur noch die Finanz"industrie" ein wirkliches Standbein für ein entwickeltes Land wäre. Man irrt sich wieder, hat es aber bis heute noch nicht zugegeben. Wir werden diesen Irrglauben bitter bezahlen müssen.

Ein gesundes Gemeinwesen fußt auf die ganz normale Herstellung von Produkten für das täglich Leben. Die Banken sind dem zwingend untergeordnet. Was sonst geschieht, erleben wir gerade. 

Ein gesundes Gemeinwesen, was sich entwickelt und reich nennt, lässt ALLE seine Bürger am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Es entwickelt Kunst, Kultur und Wissenschaft für alle. Denn nur das und nichts anderes zeigt, ob ein Land wirklich reich ist, wie uns die Geschichte lehrt.

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