Dienstag, 19. Juli 2011

Einkaufsrausch?

Da wird mit Macht etwas schön geredet, was schlecht ist. Der sogenannte Konsumrausch. Wenn es nach den Medien gänge, wären wir jetzt im abgeschafften Sommerschlussverkauf wie die Verrückten unterwegs und kauften den Schrott ein, den fleißige Kinder- und Erwachsenenhände von ganz früh bis spät in den Abend hinein in Indien, Vietnam, China und wer weiß wo noch, gefertigt haben. 

Man mag diese Billigware beklagen und immer wieder einfordern, dass wir hier in Deutschland nicht billig, sondern Qualität einkaufen sollten.

Wovon?

Die jetzt veröffentlichten Zahlen sprechen eine andere Sprache. Diejenigen, die wenig verdienen haben in den letzten 10 Jahren 22 % ihrer Kaufkraft verloren. Die höheren Einkommen, das wird positiv vermerkt hätten dazugewonnen. Na toll knapp 1 %! Das nenne ich einen Gewinn! Die Inflation ist höher als 1 %. Und wenn man die wirkliche Inflation der Lebensmittelpreise nimmt, ist diese noch viel, viel höher als die ausgewiesene. Unter 10 % hat sich in den letzten Jahren nichts erhöht. 

Was bitteschön, soll der in Deutschland wohnende denn dann machen? Er MUSS Lebensmittel einkaufen. Alles andere ist nachfolgend und zweitrangig. Alles andere ist vom Mund abgespart. Haushalten mit dem Geld ist angesagt. Man MUSS billig kaufen, sonst geht nichts mehr.

Das ist ein toller Aufschwung, der nun endlich bei den Massen angekommen sein soll. Viele haben das sowieso nicht geglaubt, weil sie den Inhalt ihrer Geldbörse kennen, aber viele andere glauben den Müll, den die Medien uns im Auftrag der Politik immer wieder verklickern wollen.Und nun auf einmal ist es ein Schock! Also für mich ist es nur durch Zahlen untermauerte Tatsache.

Konsequenzen wird das alles nicht haben. Den Konzernen und Merkel und Co. ist der Binnenmarkt und die in Deutschland lebende Bevölkerung sowieso egal. Merkel hat dieses Rezept der massiven Lohnabsenkung gerade in Europa verkauft. Das ist einer unserer Exportschlager für willfährige andere Politiker, denen ihre Bevölkerung ebenso schnurze ist.

Nur, irgendwann hat das alles ein Ende. Ohne Moos nix los. Ohne Moos werden die Menschen den tollen Konzernen auf die Dauer nichts abkaufen können. Aber das ist denen auch egal. Dann ziehen sie in ihre Ghettos zurück, zumindest diejenigen, die noch in keinem wohnen, verbarrikadieren sich und leben in Saus und Braus weiter: Was geht uns denn die Welt an!  ... bis alles in Scherben liegt. 

Okay, das Letztere hatten wir schon einmal. Hoffen wir, dass es nicht in ähnlicherweise wieder kommt.

Was leben wir doch in einer verkommenen Welt des Eigennutzes.

Kommentare:

  1. Die Preise der Lebensmittel steigen teilweise so stark an, dass ich es nur noch als reine Abzocke bezeichnen kann. Seit der Einführung des Euro befinden wir uns dabei auf einem Höhenflug.
    Zum Beispiel 100 Gramm Fleischwurst für 99 Cent.
    1 Kilo kostet 10 Eur oder 20 DM.
    Und das ist noch harmlos.

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  2. @frei-blog: Stimmt. Das ist bei allen Lebensmitteln so, beginnt mit Brot. Ich muss zwar nicht so knappsen, aber ich unterstütze, soweit das überhaupt geht, keine Abzocke. Nur manches braucht man eben. Ich gehe z.B. schon immer auf den Markt kurz vor Ende, da gibt es das Obst und Gemüse für einen vernünftigen Preis (unter heutigem Verständnis). Bei den meisten Lebensmitteln bezahlt man ja heute den gleichen Preis wie damals den DM-Preis. Wir rechnen auch öfters in DM um, um dem Wahnsinn richtig werten zu können.

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  3. "...Konsequenzen wird das alles nicht haben..." Da bin ich mir noch gar nicht sicher. Im gleichen Atemzug mit dieser Ankündigung wurde ja einiges gefordert u.a. Mindestlohn (soweit so gut) aber vor allem auch Senkung der Sozialbeiträge für niedrige Einkommen. Was aber sind Sozialbeiträge? Es sind unsere gesetzlichen Umlageversicherungen. Eine Senkung der Sozialbeiträge bringt niedrigen Einkommen vielleicht ein paar Euro im Monat. Diese müssen dann jedoch mit Leistungseinbußen bei den gesetzlichen Versicherungen erkauft werden. Senkung der Sozialbeiträge bringt nur den Firmen einen Gewinn, deren paritätischer Beitrag sinkt und die Lücke muss dann privat ausgeglichen werden. Es wird also selbst mit dieser Nachricht eine Strategie verfolgt, die darauf aus ist die Bevölkerung weiter auszupündern.

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  4. @TaiFei: Stimmt. Das sollten sich alle hinter die Ohren schreiben. Ich denke aber, dass ein Mindestlohn so mindest sein wird, dass er keine Binnenmarktprobleme lösen wird.

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