Donnerstag, 21. Juli 2011

Schule und Medikamente

Es scheint mittlerweile so zu sein, dass hierzulande nahezu in jedem Klassenzimmer mindestes ein Kind sitzt, das unter dem Einfluss eines Betäubungsmittels steht. Es soll Klassen geben, in denen der Anteil von Schülern, die für die "reibungslose Lehrstoffaufnahme" mit Medikamenten gedopt werden, weit über fünfzig Prozent liegt. Weiterlesen

Sollte man sich darüber wundern, wenn Kinder "Mittelchen" erhalten, damit sie aufmerksamer dem Unterricht folgen können?

Bildung lohnt sich in diesem Land nicht, aber ohne Bildung ist man total aufgeschmissen. Bildung lohnt sich nur für eine kleine Minderheit, die dann entsprechend ihrer Abschlüsse auch wirklich einen Beruf erlernen kann. 

Viele Eltern treibt einfach die Angst um, dass ihre Kinder den Anschluss verpassen könnten. HartzIV steht als große Lettern der Angst vor ihren Augen. 

Da wird über Schulformen diskutiert. Es wird darüber gestritten, wielange die Kinder gemeinsam lernen sollten. X-Formen von irgendwelchen Schulen werden diskutiert. Das ist ja alles ganz gut und schön, aber es wird nicht funktionieren. Keine Schulform wird funktionieren, wenn man nur an die Form denkt und den Inhalt total vernachlässigt.

Der Inhalt! Das sind die Lehrer! Solange Lehrern egal ist, ob Kinder den Unterricht folgen können oder nicht, ist es müßig darüber zu diskutieren, wielange Kinder gemeinsam lernen sollten. 

Damit Lehrern nicht egal ist, ob die Kinder den Unterricht folgen können, sollte der Beruf des Lehrers endlich wieder aufgewertet werden. Es ist ein Unding, Lehrer als Verfügungsmasse zu behandeln, die man mal dorthin steckt und mal dorthin. Die man oft nur stundenweise beschäftigt, weil man nicht bereit ist, Geld in das Bildungswesen, heißt auch in die Lehrergehälter zu stecken. Es kann nicht sein, dass Lehrer an mehrern Schulen Unterricht zu leisten haben. Es kann auch nicht sein, dass Lehrer am Schuljahresende entlassen werden und beim Neubeginn wieder eingestellt werden. Wird das dann mit dem gleichen Gehalt geschehen? Ich weiß es nicht, aber die Rückstufung traue ich durchaus dieser oder jener Schulbehörde zu.

Lehrer wurden durch das Schulsystem gebrochen. Sie leisten ihre Schulstunden ab. Schicht. Vielen ist es völlig egal geworden, ob Kinder Lerndefizite haben. Da haben die eben Pech gehabt. Und sie sind dabei in guter Gesellschaft. 

Wie werden doch Eltern abqualifiziert, denen es nicht mehr möglich ist, den Matheunterricht, den Physik- oder Chemieunterricht mit ihren Kinder aufzuarbeiten. Man beschimpft sie als bildungsferne Schicht, als unwillig, ihren Kindern eine gute Bildung anzugedeihen lassen. Es ist aber nicht Sache der Eltern, die Arbeit der Lehrer zu vollenden. Eltern haben ihre Kinder in die Schule zu schicken und aufzupassen, dass sie die Hausaufgaben erledigen. Sie haben nicht die Pflicht Nachhilfeunterricht zu geben. Es ist Pflicht der Lehrer, Kinder an den Lehrstoff so heranzuführen, damit sie den auch verstehen, damit ihn auch der Letzte versteht. 

So war es bei mir in der Schule. So war es bis 1989. Jetzt wurde uns das westdeutsche Bildungssystem übergestülpt. Toll. Ein mießes System. Was auch manche Eltern dazu veranlasst, ihren Kindern Medikamente einzuflößen. Toll. 

Wirklich, es ist müßig, darüber zu diskutieren, welche Schulform die angesagtere ist. Der Punkt ist: dass wieder ein Lehrethos etabliert wird.

Nur wo soll der herkommen? In diesem Land? 

Wo es keine Menschen mehr gibt, sondern nur HumanKAPITAL! 

Wo systematisch jeder Beruf niedergemacht worden ist. 

Wo Menschen mit Erfahrung rausgeschmissen werden. 

Wo es wichtiger ist, jung zu sein, als Wissen zu haben. 

Wo jeder Blender mit Kusshand genommen wird und viele, die wirklich etwas können, das Nachsehen haben.

Wo nur Ja-Sager und Schleimer eine Chance haben.

Wo nur Söhnchen und Töchterchen einer priveligierten Schicht an gute Arbeitsstellen kommen, egal wie schlau oder wie dumm sie sind.

Wo Jugendlichen einfach keine Chancen mehr gegeben werden. Wo man lieber über Fachkräftemangel schwadroniert.

Wo bitte schön, soll hier ein Lehr- oder Arbeitsethos herkommen?

Kommentare:

  1. Das ist ein schwieriges Thema.
    Nein, eigentlich sollte es kein Thema sein, wenn Kinder sich auch als Kinder langsam entwickeln dürften.
    Während meiner Arbeit mit Heranwachsenden hatte ich immer wieder festgestellt, dass ihnen mehr abverlangt wird, als sie verkraften können.
    Wobei - gerade Eltern - alles dafür tun, um ihre Kinder zu überfordern.
    In der Familie wird der "geforderte" Leistungsdruck übernommen, und oft mit Medikamenten nachgeholfen.
    Ein Kind, das nicht funktioniert, wird unter Drogen gestellt, was Mediziner auch noch unterstützen.
    Die Frage nach den Ursachen stellen wir uns nicht mehr, obwohl sie offensichtlich sind.
    Ich drücke es einmal so aus:
    Unsere Gesellschaft bietet ihrer Kindern nicht mehr die Möglichkeit, sich darin zu verwurzeln, um sich somit einen ausreichenden Nährboden suchen zu können.
    Das ist verantwortungslos, bedenkt man der Folgen.
    Was sogenannte Pädagogen betrifft, darüber habe ich meine eigene spezielle Meinung.

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  2. Die Arbeitssklaven müssen nur das wissen, was zu ihrer Tätigkeitsausübung nötig ist, würde man sie mehr lehren, dann würden sie Revolution machen!
    Die Revolution ist eigentlich jedoch schon lange überfällig, aber wie soll sie denn zu stande kommen mit all den Schlafschafen und den vielen, die immer noch der Meinung sind, dass es ihnen prächtig geht und das Drumherum schon von unseren Leithammeln gerichtet würde.
    ... glaube, das passt da ganz gut http://youtu.be/9suQbCH1DwY

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  3. Der Songtext ist gut. Danke für den Link

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  4. normalerweise lernen kinder gerne und freiwillig.
    das endet meist während der schulzeit.
    und da müsste angesetzt werden. konzepte, lehrkörper etc.
    nur wer kein interesse hat,jungen menschen wissen zu vermitteln, zu eigenen denken anzuregen, sie jeden tag aufs neue neugierig zu machen, sondern nachwachsendes humankapital zu effizient vermarktbaren fachidioten umgestalten will, der hat interesse an dieser art von bildung, die hierzulande angeboten wird.
    und zu eltern, die ihren kindern drogen einflößen, damit sie dereinst mit dem notendurchschnitt 1,2 von der schule in die arbeitslosigkeit entlassen werden können, fällt mir nix mehr ein.

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  5. Demokratische Schulen á la Summerhill.
    Genügend junge motivierte Lehrer stehen in den Startlöchern.

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  6. @anonym: Ohnee, das ist ja nur für Streber. Ich war zwar eine gute Schülerin, aber meine besten Lehrer, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind, waren sehr strenge, aber gerechte Lehrer, die mich gezwungen haben, wirklich zu lernen. Für mich hätte der Schulalltag da erst gegen 10 begonnen und spätestens 14 Uhr aufgehört und die Naturwissenschaften hätte ich überhaupt nicht besucht. Wenn ich von meinem Wissensstand jetzt ausgehe, hätte ich da viel versäumt und mich freiwillig beschnitten. Gottseidank hatte ich ein anderes Schulsystem.

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