Samstag, 9. Juli 2011

Menschenrechtsverletzung

Man hat der DDR immer vorgeworfen, dass sie ihre Menschen einsperren würde, dass das ganze Staatsgebiet des kleinen Landes ein Quasi-Gefängnis wäre. Alles gut und schön und nicht ganz falsch. Mein Traum war, dass ich einmal in Paris vor dem Louvre stehen könnte. Das war ein ganz starker Traum und ich habe immer geflucht, dass ich mir den nicht erfüllen konnte. Heut kann ich es und war noch nie in Paris, weil es mich irgendwie doch nicht interessiert. Aber ich könnte, wenn ich wollte.

Nun leben wir alle in einer schönen Freiheit und können uns vor Freude kaum noch einbekommen. 

Freiheit?

Freiheit nach dem Gesetz gilt eigentlich nur für diejenigen, die Einwohner oder Besucher dieses Landes sind. 

Die Freiheit wurde für diejenigen abgeschafft, die in unserem Land Asyl suchen, aus welchen Grund auch immer. Das ist nicht meine Sache, sondern die Sache von Gerichten.

Meine Sache ist es aber, überall den Gefängnischarakter Deutschlands anzuprangern, den diese Asylsuchenden unterworfen sind. Da kommen sie voller Vertrauen nach Deutschland. 

Deutschland! Das ist ihre Wunderdroge. Sie können nichts von Rassismus und faschistischen Tendenzen in diesem Land wissen. Sie meinen, sie kommen zu uns, sind frei und können ihr Leben mit eigenen Händen gestalten.

Nichts dergleichen. Sie werden in ein Gebäude eingewiesen, was meist noch umzäunt ist und sich meist außerhalb einer Stadt befindet oder an derem Rand. 

Ihnen ist es verboten, diese Stadt, wo das Gebäude steht, zu verlassen. Wenn sie diese Stadt verlassen wollen, müssen sie um Erlaubnis fragen. Das heißt, sie müssen vor den Bürokratenbonzen kriechen, sich erniedrigen. Und wenn sie einfach nur so wegfahren, werden sie strafrechtlich verfolgt.

Die Krone des Ganzen ist es, dass - natürlich wieder mal im Osten - ein Bürokratenhaufen für diese Erlaubnis noch 10 Euro haben will, obwohl das ein Gericht als rechtswidrig verurteilt hat. Den Bürokraten interessiert nicht mal ein Gerichtsurteil!

Man stelle sich mal vor: Das Grundgesetz gilt für Asylsuchenden nicht. Es existiert einfach nicht für sie. Sie werden in gefängnisähnlichen Gebäuden untergebracht und wie im Gefängnis auch an dem Ort gehalten, wo sie sind. Wenn sie "Urlaub" von ihrem Gefängnis haben möchten, dann müssen sie den beantragen UND extra noch bezahlen. 

Aber, dass sind doch MENSCHEN. Es sind MENSCHEN, die weder gestohlen, geraubt, gemordet oder sonst irgendetwas gemacht haben. Es sind MENSCHEN wie du und ich. Oft wurden sie in ihren Ländern verfolgt oder gefoltert, oder sie wollen eigentlich nur überleben. Na und? 

Wieso behandelt Deutschland diese MENSCHEN wie Schwerstverbrecher?

Wieso sperrt Deutschland unschuldige Menschen ein, nur weil sie nicht so sind wie wir, weil sie meist schwarz sind und aus Afrika kommen? Sind das etwa minderwertige Menschen, die man wie Tiere wegsperren muss?

Und wieso engagieren sich eine Menge Leute für den Feldhamster, für den sibirischen Tiger, für Tiere in Zoos und Zirkussen, weinen um Eisbären, aber interessieren sich nicht die Bohne für gedemütigte und eingesperrte Menschen? 

Wieso hätscheln wir Hunde und Katzen, sehen uns Sendungen über sie am laufenden Band bei VOX oder dem ÖR an? Wieso lieben wir die schielende Heidi und kümmern uns einen Dreck um Menschen, die voller Vertrauen zu uns gekommen sind? 

Ist der hilfesuchende Mensch einfach nicht so kuschelig? Ist der gedemütigte Mensch für Schützer von Bäumen, Gräsern, Blumen, Wiesen, Tieren nur ein ungeliebtes Etwas? Völlig uninteressant, weil er vielleicht nicht so ist, wie dieser oder jener Spießer? Oder hat er nur die falsche Hautfarbe? Geld nimmt er uns nicht weg. Er erhält nur 40 EUR im Monat. Hundefutter ist oft teurer. 

Wieso nur?

Da werden bei uns Menschen eingesperrt, der Behördenwillkür preisgegeben und wir schauen weg.

Achja, die BILD hat sich noch nie für diese Menschen eingesetzt. Also existieren sie auch nicht.

Kommentare:

  1. Menschenrechte wo?
    Dieser Begriff verblasst auf dem Papier, wo er niedergeschrieben wurde. Gleich einer Gebrauchsanweisung für Menschen die keiner beachtet.
    Die Rüge der UN an die BRD ist doch schon mehr als deutlich. Menschenrechtsverletzungen an der eigenen Bevölkerung, die wir, wenn wir wachen Auges sind, jeden Tag erfahren können.
    Es wird keinen interessieren. Dies zuzugeben wäre eine Bankrotterklärung unseres Staates.

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  2. Stimmt. Der mediale Aufschrei wegen des UN-Papiers ist beredt genug.

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  3. und vergiß die hartzer nicht. abgesehen von den fahlenden mitteln, die ihnen nicht mal eine reise an den balaton oder die ostseeküste erlauben, ohne erlaubnis ihrer arge dürfen auch diese ihren wohnort nicht verlassen.
    menschenrechte, freiheit -- alles vergangenheit.

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  4. @landbewohner: Ja, das stimmt. Mir ging es aber mal um diejenigen, die voller Hoffnung in dieses Land kamen und jetzt wie Gefangene gehalten werden. Wer schaut schon auf Asylsuchende?

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  5. Frei ist z. B., wer die Fehler, die ihn am anderen stören, zuerst bei sich selbst erkennt und bereinigt - weil er keine Angst vor der Auseinandersetzung mit seinen Fehlern hat. Er fühlt sich nicht minderwertig und muß andere nicht in ein schlechtes Licht rücken, um selbst scheinbar besser dazustehen. Denn er kennt seinen inneren Wert und braucht sich nicht verbiegen, um von anderen Bestätigung zu erhalten.


    Wer unter "Freiheit" jedoch versteht, daß er nicht auf seinen Nächsten Rücksicht zu nehmen braucht, der ist nicht frei. Er missbraucht das Wort und kapselt sich in Wirklichkeit von anderen ab. Der wirklich Freie aber ist frei, seinen Nächsten in seiner momentanen Lebenssituation an- und aufzunehmen, weil er nicht von eigenen Problemen oder Erwartungen an ihn umwölkt und befangen ist. Er ist offen dafür, was sein Nächster ihm mitteilen möchte und kann entsprechend darauf reagieren. Wer frei ist, spricht auch nicht gehässig über andere. Er traut sich, mit seiner Kritik auf den Betroffenen selbst zuzugehen anstatt aus Angst vor dessen Reaktion nur mit Dritten darüber zu sprechen.

    Frei ist auch, wer seinen Nächsten zu nichts zwingt und ihn auch nicht unter Druck setzt. Warum sollte der Nächste auch unbedingt das tun, was einem selbst richtig erscheint? Sollte derjenige nicht viel eher das tun, was ihm selbst richtig erscheint?

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  6. @Schnakenhascher: Das ist der totale Rückzug ins Private, den die Machtausübenden so gern hätten. Diese Begriffsbestimmung spielt ihnen total in die Hände. Was scheren uns Menschenrechte, wenn wir vor allem lieb zu unserem Nachbarn sind. Dann wäre man auch in einer Diktatur frei. Wenn die universellen Menschenrechte beschnitten werden, ist man nicht frei, auch wenn man seinen nächsten achtet und seine eigenen Fehler sich selbst eingesteht. Beides ist bitte nicht zu vermengen! Freiheit ist ein höheres Gut. Man kann in einer freiheitlichen Gesellschaft leben, in dem die universellen Menschenrechte geachtet werden und trotzdem seinem Nachbarn nicht das Gelbe unterm Fingernagel zu gönnen und seine Nachbarn verteufeln.

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