Donnerstag, 21. Juli 2011

Was soll ich davon halten

Der Chefanalyst der Bremer Landesbank wehte heute Morgen durch das Morgenmagazin und sollte uns die Krise erklären. Das konnte er natürlich nicht. Er verklausulierte alles so, dass man als Nichtfachmann auch nichts verstehen konnte, was er da so von sich gab. 

Was mich stutzig machte, war das Schwärmen von ihm davon, dass Griechenland ja alle Auflagen so gut erfüllt hätte und seine Wirtschaft verschlankt hätte und .... dann kam irgend so ein fachchinesischer Ausdruck, mit dem ich nichts anfangen konnte.

Also, Griechenland hat seine Wirtschaft verschlankt. Das hört sich prima an. 

Schlank sein - das Ideal des Westens! Schlanke Frauen, auch schlanke Männer (noch nicht ganz so gefragt), also auch eine verschlankte Wirtschaft.

Schlank sein heißt, gesund sein!

Wenn man nicht von Natur aus schlank ist, bedeutet dies, dass man sich schlank hungern muss.

Also hat sich Griechenland schlank gehungert. Und die Verarmung der griechischen Bevölkerung, der Zusammenbruch des griechischen Binnenmarktes und der griechischen Wirtschaft ist also toll. Verschlankt - sozusagen! Verhungert - auf gut Deutsch ausgedrückt.

Das zweite Mal schluckte ich, als von neuen GESCHÄFTSMODELLEN DER STAATEN gesprochen wurde. Solch ein Staat, wie Griechenland z.B., muss sich ein neues Geschäftsmodell zulegen.

Ups. Staaten und Geschäftsmodelle?

Also, ich bin als Rentnerin so froh, dass ich jetzt in keinem unternehmerischen Geschäftsmodell mehr gefangen bin. Ich scheine mich getäuscht zu haben. 

Die Euroländer AG! Den Vorstandsvorsitz hat Deutschland inne. Zum Vorstand gehört nur noch Frankreich. 

Der Aufsichtsrat wird von - ich sage es mal ganz lax - von den Bilderbergern gebildet. 

Die Angestellten im unteren Leitungsbereich sind die restlichen Euro-Staaten. In der unteren Leitungsebene wurde Griechenland schon ein Verweis in die Personalakte eingetragen. Irland, Spanien, Portugal und Italien zittern schon vor ihren Verweisen, die zwar geschrieben worden sind, sich aber noch nicht in ihrer Personalakte befinden. 

Die Verwaltungsherren der verlängerten Werkbänke im Osten sind die Gruppenleiter der EU, total abhängig, nicht nur von dem Aufsichtsrat und vom Vorstand, sondern auch von der unteren Leitungsebene. Sie müssen sich besonders wohlverhalten und dürfen den Mund nicht aufmachen. 

Die Indianer der Euroländer AG sind wir. Wir müssen stramm stehen, arbeiten, sollen den Mund halten, sollen unseren Gürtel immer enger schnallen und wenn wir nicht mehr arbeiten können oder brauchen oder dürfen, haben wir gefälligst demütig zu sein und uns darüber zu freuen, dass man uns Brosamen hinwirft.

Aber, wir sind modern, schlank und haben ein tolles Geschäftsmodell!

Kommentare:

  1. Nicht zu vergessen: schlanke Regelsätze für ausgemerkelte Hartis in schlanker Wohneinheit.
    :-)

    Was das Geschäftsmodell betrifft:
    Da fehlen noch die Spezialisten für nasse Angelegenheiten. Militär, Geheimdienste, Polizei.
    Damit der Laden auch brummt wie er soll.
    :-)

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