Mittwoch, 13. Juli 2011

Wo lebt der denn

Wieder mal ein Superschlauer, der Prof. Gerke mit Namen. Heute im Morgenmagazin darüber befragt, was er von der Herabstufung Italiens durch die Ratingagentur Moodys hält, dachte ich, dass ich mich verhört hätte.

So ein schlauer Professor meint doch, dass Italien nicht mit Griechenland vergleichbar wäre. Das mag sein. Seine Begründung ließ mich aber an seinem Verstand zweifeln. Er meinte, dass die - also das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen - dass die italienische Bevölkerung sparsamer als die griechische Bevölkerung sei. 

Ich finde das schlicht und ergreifend einfach nur frech!

Begründet wird das mit der Sparrate. Wenn wir unsere Sparrate, die veröffentlichte, anschauen, sehen wir ja, dass man daran für die deutsche Bevölkerung nichts ablesen kann. Es sei denn man meint, dass wir besonders sparsam wären, weil wir pro Kopf einen großen Betrag auf der hohen Kante hätten. Das das anders ist, weiß eigentlich jeder, wenn er es wissen will.

Was müssen also die griechischen Arbeiter, Angestellten und Bauern für ein asoziales, schmarotzendes Leben bis jetzt geführt haben? Denn nichts anderes sagt Prof. Gehrke mit seinem dämlichen Gequatsche. 

Daraus folgt die Frage, ob er denn überhaupt schon mal griechische Angestellte, Arbeiter oder Bauern erlebt hat? 

Ob er denn überhaupt mal mit offenen Augen durch griechische Dörfer gelaufen ist? Gesehen hat, wie ärmlich viele Häuser sind, wie ärmlich viele Menschen angezogen sind. 

Hat er sich schon einmal in einem kleine Dorf außerhalb von 5-Sterne-Hotels in ein Gasthaus oder ein Kaffeehaus gesetzt? Sich die Menschen betrachtet? Haben sie mit Geld um sich geworfen? 

Hat er schon mal mit eigenen Augen gesehen, dass man in einem einfachen Landgasthaus nur ganz einfache Speisen erhält, eben das, was so in den Gärten und auf den Feldern der Gegend wächst. Da ist nichts mit Hummer oder Kaviar. 

Und hat er gesehen, dass die griechische Bevölkerung ihre Restaurants stürmt und dort schlemmert?

Wieso kommt er auf die Idee, dass der Italiener mehr spart als der Griechen? Beide kommen sicherlich gerade mehr schlecht als recht monatlich über die Runden. Beide können wohl sicherlich, wenn überhaupt, nur Kleinbeträge sparen.

Zeigt die Sparrate nicht eher, dass Griechenland noch ärmer als Italien ist?

Lieber Herr Professor Gehrke, tauchen Sie bitte mal ins wirkliche Leben ein ehe Sie Ihren Mund aufmachen und klug daherschwätzen!

Kommentare:

  1. Schade nur das dieser Professor Gehrke das nicht liest oder ist es nur ein geklauter Titel?

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  2. Es ist schlimm, dass solche Typen immer wieder von den Medien eingeladen werden. Man unterstellt ihnen ganz einfach ein hohes Wissen, weil Professor oder "Doktor". In Wirklichkeit ist es doch so, dass diese Schreibtischtäter nicht wirklich wissen, nur wichtig tun. Und das zählt bei den Medien. Vom Ausland betrachtet, ist dieses derzeitige Deutschland so auf den Hund gekommen, dass es jeder Beschreibung spottet. Und man fühlt sich als gebürtiger Deutscher so schlecht und möchte am liebsten mit Gewalt ändern.

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  3. an beide anonym: Professor Dr. Wolfgang Gerke, geboren am 03.02.1944 in Cuxhaven, ist Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums in München sowie Honorarprofessor an der European Business School EBS. Nach dem Studium in Saarbrücken, Promotion (1972) und Habilitation (1978) an der Universität Frankfurt, war Gerke Ordinarius für Bank- und Börsenwesen an den Universitäten Passau (1978-1981), Mannheim (1981-1992) sowie Erlangen-Nürnberg (1992-2006) und wissenschaftlicher Leiter der Frankfurt School of Finance & Management/ Bankakademie/ HfB. Er erhielt außerdem Rufe an die Universitäten Saarbrücken, Linz, Münster und Frankfurt. Seine Forschungs- und Veröffentlichungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten des Geld-, Bank- und Börsenwesens, der Altersvorsorge und der Mittelstandsforschung. Er ist Mitglied der Börsensachverständigenkommission und des Börsenrates der Frankfurter Börse.

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  4. Danke für die Information über Promotion, Habitation, Professur und alle weiteren Titel und Spezialisierungen des Herrn Professor Doktor Wolfgang Gerke, PeWi. Das beweist einmal mehr, dass auch eine noch so leidenschaftlich betriebene Ausbildung nicht vor Nonsens-Aussagen schützt.
    Danke auch für den Artikel - und viele Grüße von einer Deutschen, die seit 12 Jahren in der griechischen Realität lebt und hautnah mitbekommen hat (und noch immer mitbekommt), was das Wort SPAREN bedeutet. Wenn wir nämlich anfangs an Telefon- und Stromkosten sowie an Ausgaben für Bekleidung gespart hatten, so geht´s jetzt an die ersten Sparmaßnahmen beim Haushaltgeld. Und bei Benzinkosten von um 1 Euro 70 macht man auch so manchen Weg zu Fuß, sei er auch ein bisschen weiter ...
    M. G. Efthimiadis aus Nordgriechenland

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  5. @Efthimiadis: Danke für die Zuschrift. Ich würde mich freuen, Näheres über die Lebensumstände im jetzigen Griechenland zu erfahren.

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