Mittwoch, 31. August 2011

Also ich hätte das nicht gewusst!

Sie etwa? Da schlage doch einer mir das Nudelholz über den Kopf, denn ein Knuff auf den Kopf soll das Denkvermögen angeblich erhöhen.  Aua. Trotzdem kann ich aus 1+1 nicht 5 machen. 

Nur gut, dass es die Jünger der Neuen Sozialen Marktwirtschaft gibt. Ich würde doch total dumm sterben, wenn die mich am laufenden Bande nicht immer aufklären würden.

Nun weiß ich es ganz genau! Gesegnet sei der Niedriglohn. Stopp! Zurück! Niedriglohn. Pah, welch unanständiges Wort auch - viel besser: Einstiegslohn! 

Was haben die Malocher doch für ein Glück. Sie putzen für 3,50 EUR die Kloschüssel. Nicht das jemand jetzt denkt, die müssten nun jahrelang für 3,50 EUR putzen. Nein, nicht doch! Ich glaube den Jüngern der Neuen Sozialen Marktwirtschaft aufs Wort. Nein, die haben einen wunderbaren Aufstieg vor sich: von den Kloschüsselputzern zum Millionär oder zumindest zur gut bezahlten Fachkraft. So ähnlich verhieß doch diese neumodische Sekte den Malochern ihr Glück. Man arbeite nur kurz für den Einstiegslohn und dann hätte man jede Chance aufzusteigen.

Nun aber mal ran ihre Faulpelze. Ich denke ihr wollt Fachkräfte, Diplomierte oder gar Akademiker mit mindestens einem Doktorgrad sein? Los, zum Aufstieg! Vorwärts marsch! Jeder fängt mal klein an. Jeder sammelt mal Herbstblätter im Park auf. Dann werdet ihr wie Phönix aus der Asche steigen, immer der Sonne entgegen. 

Leiharbeiter! Kopf hoch! Es werden in rauen Mengen Fachkräfte gesucht. Eure Stunde hat geschlagen. Nur kurz mal ein kleines Einstiegsgehalt, dann stehen die Chefs Schlange bei euch und bieten euch Jobs an. Nein keine Jobs, sondern richtig gut bezahlte Arbeit, die außerdem noch Spaß macht. Na, ist das nichts?

Glaubt ihr mir nicht? Überall wird doch von sinkenden Arbeitslosenzahlen gesprochen. Und, ist das nichts, wenn rund ein Viertel der Einstiegsgehaltsbezieher ihr Entgeld steigern können? 3 Cent ist auch eine Steigerung! Oder nicht?

Jauchzet frohlocket. Weihnachten steht bald vor der Tür. In einigen Geschäften bietet man schon Adventskalender zum Kauf an. Also hören wir doch auch die frohe Botschaft des Institutes Neue Soziale Marktwirtschaft. 

Wer könnte schon im Angesicht von lächelnde Engeln auf Adventskalendern lügen?


Kommentare:

  1. Da zeigt sich wieder einmal das wahre Gesicht aus den Reihen der Politik.
    Ich empfand die Argumentation gegen Mindestlöhne ebenfalls wie ein Schlag ins Gesicht.
    Schlimmer noch: Es ist eine Verhöhnung der Menschen, die täglich um ihre Existenz bangen müssen.
    Dieser alltägliche Zynismus derjenigen, die es sich herausnehmen, ihre Allmachtsansprüche freien Lauf zu lassen, ist nicht mehr zu ertragen.
    Was die NSM betrifft: Deutlicher kann man es nicht mehr sagen.
    "Wir da oben, ihr da unten".
    Die Bezeichnung "Neue Soziale Marktwirtschaft" ist eine Wortschöpfung der Verachtung.
    Das Volk finanziert seine Peiniger ...

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  2. @frei-blog: Also ich habe mich gestern Abend auf der Couch vor Lachen gebogen über soviel Unsinn von hochbezahlten Leuten geseiert. Aber sicherlich gibt es wieder viele, die diesen Mist glauben. Ansonsten sehe ich das so wie du. Und es ist doch "lustig" in diese Wortschöpfung noch "sozial" zu setzen. Verdummung hoch xte Potenz.

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  3. Die Lobbyorganisation der Arbeitgeber "Neue Soziale Marktwirtschaft" hat natürlich auch kein Interesse an einem Mindestlohn. Der Begriff "Einstiegslohn" zeichnet dass was sie wollen. Einen gefügigen Arbeitnehmer, der in dem glauben an dem materiellen Aufstieg "über seinen arbeitsvertragsmäßigen Leistungen hinausgeht". Diese INSM keine unabhängige Organisation ist, sondern eine Organisation, die insbesondere die Interessen von Gesamtmetall vertritt. Der Arbeitgeberverband war in der Gründungsphase der Hauptsponsor dieser Lobbyorganisation. Ich nahm an, dass dieses auch mittlerweile bekannt ist.....Bei vielen Mainstream-Medien ist das bis heute augenscheinlich nicht angekommen. Oder sie wollen die nähe zu den Arbeitgeberverbänden bewusst ihren Leser/Innen vorenthalten.

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  4. @marty: Aber ja, die Mainstream-Medien sagen das auch dazu, dass INSM arbeitgebernah ist, wie man das so schön ausdrückt. Aber viele Menschen sind eben der Meinung, was dem Arbeitgeber nützt, nützt auch ihnen, in Verkennung der wirklichen Sachlage.

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  5. Du hast recht. Viele verkennen die wirkliche Sachlage. Aber unsere markktführende Lokalzeitungen hier im Ruhrgebiet vergessen diesen Zusatz "arbeitgebernah" doch auffällig oft ;)

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  6. @marty: okay, ich lese keine Zeitung, habe das nur über die öff.-rechtl.Fernsehsender gehört/gesehen.

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