Montag, 1. August 2011

Die laufen nicht rund

Angeblich gibt es mal wieder nicht genügend Schulabsolventen, die eine Lehre antreten könnten. Nun habe ich mal im Internet geblättert, wie Einstellungstests ablaufen. 

*Große Augen! Nichtverstehen! Kopfschüttel!*

Es ist schon interessant, was da gefragt wird. Dabei sollte man sich vor Augen halten, dass die Teilnahmer gerade die Schule abgeschlossen haben und noch keinerlei Lebenserfahrungen haben. Außerdem muss man sich vor Augen halten, dass Teilnehmer bei Einstellungstests aufgeregt und nervös sind, da es um ihre Ausbildung geht. 

In so einer Atmosphäre werden dann Fragen gestellt, wo ich mich wiederum frage, was hat das alles mit einer erfolgreichen Arbeitslaufbahn zu tun. Bei vielen Fragen habe ich, das gebe ich so freimütig zu, selbst Probleme. Ich habe meine Berufsausbildung, meine Weiterbildung und mein Studium damals aber sehr erfolgreich abgeschlossen und ebenso eine erfolgreiche berufliche Laufbahn hinter mir. Nur, das hätte ich niemals gekonnt, wenn es in der DDR üblich gewesen wäre, solch dämlichen Einstellungstests zu absolvieren.

Was sagt es über mich aus, wenn ich nicht die genaue Zahl der Plätze des Bundestages kenne? Und ich kenne die nicht. So genau interessiert mich das auch überhaupt nicht. Ich weiß, dass der Bundestag eine Schwatzbude ist - Punkt. 

Die Nichtkenntnis der genauen Zahl der Abgeordneten zeigt nur mein Desinteresse an dieser Einrichtung. Mehr nicht. Deshalb könnte ich sicherlich ein tolles Haus konstruieren oder auch ordentlich bauen. Ich könnte trotzdem sicherlich gut Arbeitsabläufe organisieren, mit Kunden umgehen, Kranke heilen, Kranke pflegen usw. usf. Das könnte ich alles, ohne zu wissen, wie viele Abgeordnete es im Bundestag gibt. Desinteresse am Bundestag ist kein Kriterium, welches eine Ausbildung verhindern dürfte.

Auch bestimmte Abkürzungen soll jeder wissen. Abkürzungen. Das ist so meine Schwachstelle. Ich hasse die Abkürzungswut, wo man öfters nachschlagen muss, um zu wissen, worüber überhaupt gesprochen wird. Dann wurden gängige Abkürzungen einfach geändert. Ich z.B. kenne sie dann überhaupt nicht mehr. Muss man die alle kennen, um ein guter KFZ-Mechaniker zu sein?

Nun mal eine kleine Auswahl:

Seit welchem Jahr besteht der Staat Israel? Wieso gerade Israel? Ich weiß dass auch nur, weil ich dort war.

Wie viele Sitze gibt es im Bundestag? siehe oben


Wo ist der Sitz des Bundeskartellamtes? Keine Ahnung. Ist mir auch völlig Schnuppe.

Woraus entstand der Grand Canyon? Nun was schätzt man da?

Welcher der genannten Seen ist am größten? Keine Ahnung. Ist mir auch ziemlich egal.

Was bedeuten die folgenden Abkürzungen? e) zzt. d) JArbSchG b) Zf. a) ppa. b) KGaA - ich kenne zzt. ganz anders und ppa. habe ich erst im Beruf kennengelernt. Das ist auch der richtige Zeitpunkt m.E.

Heute ist Mittwoch. Welcher Tag war 4 Tage vor vorgestern? Man stelle sich Aufregung vor und Ängstlichsein. Ich denke, dann ist es nicht so einfach die Aufgabe zu verstehen. Deshalb ist man aber noch lange nicht doof, wie suggeriert wird, da es ein Intelligenztest sein soll

Den Vogel schießt aber dieser Teil des Einstellungstests ab: Ziel Auswendig lernen!

Übungsaufgabe: Vokabeln

aber – met
blind – dall
Wand – moger
Zwanzig – ugent
Großvater – tad-kozh
furchtbar – spontus
Ohr – skouarn
Universität – skol-veur
Krach – berr
Nase – fri
verrückt – sot
Sprache : Bretonisch - Anmerkung: Da kann man noch froh sein, dass nicht Klingon abgefragt wird.

Welche Jugendlichen bekommt man dann? Sicherlich nicht unbedingt diejenigen, die ihren Beruf mit Liebe machen würden, die auch gut wären im Beruf. Da wird nach irgendwelchen dummen Kriterien gesiebt und Arbeitslose produziert. Außerdem kann man dann wunderbar darüber schwadronieren, wie wenig ausbildungsreif unsere Jugendlichen sind. Jeder Jugendliche hat seine Vorzüge, die KEIN Einstellungstest abbilden kann. Leider vergeben die Unternehmen damit massenhaft ihre Chance, gute Mitarbeiter zu bekommen. Wahrscheinlich will man auch gar keine guten Mitarbeiter.

Übrigens, ich hatte viele Kolleginnen und Kollegen, die diese Tests nie und nimmer bestanden hätten, aber tolle Leistungen auf ihrem Arbeitsgebiet hingelegt haben.

Kommentare:

  1. Wenn Einstellungstests so aussehen, frage ich mich auch, was das noch soll.
    Ich gehe einmal davon aus, dass diejenigen, die solche Tests entwickeln, die meisten Fragen selbst nicht beantworten könnten.

    Was meine Brotknödel betrifft, habe ich jetzt den Dreh raus.
    :-)

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  2. @frei-blog: http://www.einstellungstest-fragen.de/

    Schön, dass die Knödel jetzt etwas werden. Guten Appetit!

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  3. Es geht bei Eignungstests in erster Linie nicht darum den geeignetsten Bewerber zu finden. Es geht darum den Personalchef vor Vorwürfen zu schützen, er hätte einen ungeeigneten Bewerber eingestellt. In einer großen Firma hat der Personalchef Personalwesen studiert, aber keine Ahnung davon was in der Firma gemacht wird und welche besondere Eignung die Bewerber haben sollten. Da der Personalchef aber die Notwendigkeit seiner Funktion beweisen muss, kann er nicht dem Ausbildungsleiter die Überprüfung der zukünftigen Lehrlinge überlassen. Statt dessen wendet er "moderne" Testverfahren an um den geeigneten Bewerber zu finden. Stellt sich heraus, das der Kandidat in der Praxis ungeeignet ist, kann der Personalchef beweisen, dass dieser Kandidat nach den allgemein anerkannten Prüfverfahren der Beste war und er keinen Fehler gemacht hat. Und wo kommen diese hirnrissigen Tests her? Aus Instituten, die auf Staatskosten gegründet wurden, um verdienten Parteigenossen für ihr wohlfeiles Abstimmverhalten einen Druckposten in der "Wirtschaft" zu verschaffen. Ja, und da arbeiten die dann und entwickeln im geistleeren Raum Einstellungstest um die Notwendigkeit für ihre Stelle zu beweisen.
    Verschärft wird die Sache noch durch die Situation, dass auf eine freie Stelle unübersichtlich viele Bewerber kommen. Da kann man ja nicht nach Nase einen nehmen - was sagt denn da die Gleichstellungsbeauftragte? Außerdem wäre das ja ganz unprofessionell...

    ...sagt EO

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  4. Tja, EO, da ist leider nichts mehr hinzuzufügen. Du hast es ganz toll auf den Punkt gebracht.

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