Dienstag, 2. August 2011

Professor?

Letzte Woche säuselte wieder mal ein hallescher Wirtschaftsprofessor Schlaues in die Mikros des Morgenmagazins. Es ging wieder mal um Staatsschulden, worum auch sonst. Der Abbau der Staatsschulden ist ja das Highlight-Thema sämtlicher Nachrichtensendungen und Magazine. Sicherlich ist das nicht unwichtig, aber wichtiger wäre es, zu analysieren, warum sie entstanden sind. Da gibt es keine einfachen Antworten wie "Man hätte über die Verhältnisse gelebt" und solch ein Müll. Da sollte man vor allem auch die Einnahmenseite betrachten und fragen: Wieso ist die eingebrochen? Dabei sollte auch der Binnenmarkt betrachtet werden: Warum ist er faktisch ausgehebelt worden? Es gibt sicherlich noch viele Fragen die dann gestellt werden müssten und zwar von wirklichen Fachleuten, die keine ideologischen Scheuklappen aufgesetzt haben.

Nun der liebe, gute Professor aus Halle. Ich weiß nicht, wie er hieß, ist aber auch unerheblich, weil ein deutscher Wirtschaftsprofessor, der im Fernsehen etwas sagen darf, immer so etwas sagt, egal wie er heißt und woher er kommt.

Also, er meinte, dass der Staat so sparen müsse, dass letztendlich nicht mehr ausgegeben werden dürfte, wie eingenommen wird.

Da reibt man sich doch wohl die Augen bzw. zwickt sich ins Ohr, ob man richtig gehört hat. Also soll plus/minus Null herauskommen. Ich habe 20 Euronen eingenommen und darf also nur 20 Euronen ausgeben.

Und das nennt der liebe, gute Professor dann Wirtschaftssachverstand? Ich nenne es dummes Gequatsche und frage mich, wofür der gute Mann sein Geld erhält.

Schließlich funktionieren seine Aussagen nicht mal bei der schwäb'schen Hausfrau. Die hat sicherlich ein Auto oder ein Häuschen durch die Banken finanziert. Somit hat sie mehr ausgegeben, als sie eingenommen hat. Ohje, die arme Hausfrau. Hat sich nicht an die Maßstäbe eines Wirtschaftsprofessors gehalten. 

Und nehmen wir mal an, die würde das machen können. Dann gilt meine Sorge den Banken. Diese armen Banken. Die leben nunmal von Krediten ausgeben und verdienen damit. Was sollen die jetzt machen, wenn sie durch die schwäb'sche Hausfrau boykottiert werden?

Und was macht nun ein Staat? Ein Staat hat andere Aufgaben als eine schwäb'sche Hausfrau. Die könnte unter Umständen auch ein Auto bar bezahlen oder auf ein eigenes Häuschen verzichten. Ein Staat kann das nicht. Da will die Infrastruktur bezahlt werden. Da müssen Schulen instand gesetzt werden. Da gilt es (hoffentlich) gezielte Zuschüsse für dieses und jenes zu leisten, damit sinnvolles Wirtschaften zustande kommen kann. Und noch vieles mehr.

Und wie soll es dann gehen, dass man nicht mehr ausgeben kann, als man einnimmt? Schulden sind auch nicht gleich Schulden. 

Wenn wir unsere Handyrechnung nicht bezahlen können, ist das etwas völlig anderes, als wenn wir ein Auto finanzieren lassen. Beides reißt Löcher in unsere Geldbörse. Beides ist aber sehr unterschiedlich in der Bewertung. 

Und wieso sollte das bei Staaten nicht auch so sein? Wasserleitungsrohre haben eine ellenlange Abschreibungsdauer von vielen Jahrzehnten. Aber man muss sie finanzieren. Und dann hat man nach der primitiven Lesart heutiger Professoren Schulden. Sicherlich hat man die, aber es stehen Werte dahinter, gesellschaftliche Werte. Straßen, Schulen andere Gebäude, Wasseraufbereitung und, und, und ... Man ist erst wirklich in Schwierigkeiten, wenn man die für 'nen Appel und 'nen Ei verscherbelt. 

Auch wenn man kein Wirtschaftsfachmann ist, so führen kleine Überlegungen schon in eine andere als die durch jetzige Wirtschaftsprofessoren vorgegebenen Richtung.

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