Mittwoch, 14. September 2011

Alles unter dem Himmel einend

Angst wird verbreitet, weil mal wieder der Kurs des DAX unter die "psychologisch wichtige" Grenze von 5000 Punkten fällt, obwohl er auch schon vor Jahren unter der 4000er war, ohne dass die Welt unterging. Es wird heftig gestritten über den Euro. Träumer wollen die DM wieder und beachten dabei nicht, dass diese dann massiv aufgewertet werden würde. Und ja, es würde nicht nur die Exportwirtschaft betreffen, sondern letztendlich auch uns. Löhne würden noch mehr gesenkt, denn irgendwie würden die Unternehmen, die eben nur auf Export fixiert sind, die Lohnkosten weiter senken wollen, um sich in ihrer Lesart wettbewerbsfähiger zu machen. Und mich beschleicht das Gefühl, dass man bewusst etwas übersieht. Das betrifft nicht diejenigen, denen alles gehört, das betrifft uns.

China. China nennt sich das Reich der Mitte, ist aber von uns aus gesehen irgendwo am Rande der Welt, aber nicht in der Vorstellung der Chinesen. China nennt sich das Reicht der Mitte und fühlt sich wie das Reich der Mitte. Das ist für sie nicht nur so dahergesagt, es ist ihr geschichtliches Weltbild.

Das Reich der Mitte - Herrscher über alle unter der Sonne und das meinen sie auch so. wortwörtlich.

Und China erarbeitet sich dieses Weltbild Schritt für Schritt und der Westen lässt es ebenso Schritt für Schritt zu. Sie haben sich klammheimlich in Afrika breit gemacht, dort wo es Rohstoffe gibt. Aber eines der ersten Schritt war, dass der Westen seine Fertigung vieler Produkte nach China ausgelagert hat. Erst kamen die Produkte, dann kamen auf Forderung Chinas die Blaupausen hinterher, die unsere Konzerne nur so gerne lieferten, weil die Gier nach diesem Absatzmarkt übermächtig war. Es wurden nicht nur einfache Handarbeit nach China verlagert, sondern auch wichtige Technologie hinterher geschickt. Nun kaufen die Chinesen in Europa Staatsanleihen wie verrückt. Europa verscherbelt sich damit Stück für Stück an China. Und es bleibt nicht dabei. Sie wollen auch Stück für Stück in Europa investieren und Unternehmen kaufen. China hat einen langen Atem, ist von ihrer Mentalität nicht vergleichbar mit europäischen Investoren, die in der nächsten Stunde schon Profit noch und nöcher auf Teufel komm raus sehen wollen. China denkt langfristig und mit Programm. 

Sie haben in ihrem eigenem Land große soziale Ungleichgewichte. Sie werden sie in den Griff bekommen, indem sie unsere Technologie und unsere Arbeitsplätze - und damit meine ich hoch qualifizierte Arbeitsplätze - in ihr Land ziehen. Irgendwann, nicht heute, nicht gleich morgen, werden wir in einem deindustrialisiertem Land die Werkbank Chinas sein. 

Die Wirtschaftspolitik des Westens wollte das in ihrer Kurzsichtigkeit so. Sie konzentriert sich auf Finanzmärkte, vernachlässigt Binnenmärkte. Nur, ohne richtige Produktion, wird es auch kein Wachstum geben. Von Finanzmärkten an und für sich, kann man auf die Dauer nicht leben. Das wird Amerika und Europa über kurz oder lang spüren. Dann ist es zu spät. Heute ist schon in den USA und Großbritannien die Deindustrialisierung weit fortgeschritten. Großbritannien will sich wieder industrialisieren, aber das werden sie nicht schaffen, weil dies Ausdauer bedeuten würde. Nur, europäische Geldmagnaten habe keine Ausdauer, die wollen nur Geld sehen und zwar sofort.  Australien z.B. deindustrialisiert sich selbst und verkommt zum Rohstofflieferanten, weil das z.Z. großen Gewinn abwirft. Das ist erst der Anfang und China wird am Ende der Gewinner sein. 

Das Reich der Mitte - Herrscher über alle unter der Sonne.




Kommentare:

  1. daß die chinesen den freiraum besetzt haben, der sich nach der umstellung der westlichen welt von der produktions- zur dienstleistungsgesellschaft aufgetan hat und von den dummschwätzern aus politik und wissenschaft gefordert und bejubelt wurde,kann man ihnen kaum übel nehmen. und dem großteil der weltbevölkerung dürfte es piepegal sein ob ihre pc`s, autos etc aus china oder deutschland kommen.düster sieht es nur für die bewohner der noch "ersten welt" aus, die sich als bewohner von 2. oder 3. welt staaten wiederfinden werden.den bonzen allerdings, die dieses zu verantworten haben, wird es weiterhin an nichts mangeln. is ja logisch - in einem dorf, wo alle bauern friseure werden, werden die kartoffeln knapp.

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  2. Nun, schön, das es dem ein oder anderen Menschen auffällt. Natürlich hat das System und Programm.
    Es ist kein Geheimniss das die KPC dafür einen langfristigen, über Dekaden angelegten Plan hat und dem unbeirrt folgt. Gier macht halt blind.

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  3. @landbewohner: Nein, das kann man den Chinesen nicht vorwerfen, dass sie den freiwerdenden Platz besetzen. Die westliche Welt wollte es so, ob nun direkt oder indirekt, spielt keine Rolle. Die Bonzen in der Politik, okay, vielleicht schwimmen die wie Fettaugen oben drauf, aber China ist konfuzianisch mit der dazugehörigen Hierarchie. Ob sich die Bonzen dann in ihrer zugedachten Stufe glücklich schätzen, sei dahingestellt. Aber das soll nicht unsere Sorge sein, da sie das bekommen, was sie verdienen. Diejenigen, die alles Geld besitzen, denen ist es wirklich schnurzegal, die leben überall in Saus und Braus. Viele der Normalos werden sich die Augen putzen, wenn sie bemerken, dass sie in der 3. Welt angekommen sind, vor allem der gefühlte Mittelstand. Die Geschichte wiederholt alles, nicht genauso, aber ähnlich. Reiche kommen und vergehen und jetzt ist der Westen dran und das aufstrebende Reich ist China und es wird sich durchsetzen. Hier in Europa atmet alles nur noch Verfall.

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