Dienstag, 27. September 2011

Ein Gespräch ...

... geführt in einem Wartezimmer: Ein ca. Mitte 30 alter Mann, will gerade eine Anzeige machen, weil ihm seine Geldbörse gestohlen worden ist. Wir kommen ins Gespräch. 

"Da muss ich nun wieder fahren. Es ist schlimm, dass meine Geldbörse gestohlen worden ist und dann hat der Chef noch schlechte Laune."

Pause. Ein verständnisvolles Nicken meinerseits.

"Und dann, stellen Sie sich das mal vor. Da arbeite ich den ganzen Tag und mein Nachbar lacht mich aus. Der bekommt H4, schläft länger als ich. Ich muss schon um 5 aufstehen, der dreht sich auf die andere Seite und schläft 4 Stunden länger als ich. Dann pfuscht der noch nebenher. Er ist Bauarbeiter, zwar hat er eine Wirbelsäulenverletzung, aber warum reißt der sein Mund mir gegenüber so auf. Der bekommt genauso viel Geld wie ich und ich muss von früh bis abend arbeiten."

"Da müssen sie sich bei der Gewerkschaft bedanken. Die hat Ihre Interessen nicht vertreten."

"Wir haben nicht mal 'ne Gewerkschaft und der Chef zahlt zwar nach Tarif, aber das ist zu wenig. Eine Bekannte von mir ist Friseuse mit 2 kleinen Kindern, die muss sogar noch H4 beantragen, weil sie nicht über die Runden kommt, dabei arbeitet die 8 (!) Stunden."

"Sie können die Menschen auf H4 doch nicht verhungern lassen. Soviel bekommen die nun auch wieder nicht. Ich wüsste jetzt nicht, ob ich damit auskommen könnte."

"Da haben Sie auch wieder Recht. Aber muss mein Nachbar so den Mund aufreißen?"

"Viele arbeitslose Menschen würden gern wieder eine vernünftige Arbeit aufnehmen."

"Da haben sie Recht. Nur, muss ich genauso wenig erhalten, wie mein Nachbar? Und warum hält er nicht wenigstens den Mund und prahlt nicht damit, dass er nicht so dumm wäre, wie ich."

"Ja, das verstehe ich. Dieser Nachbar trägt dazu bei, dass alle anderen Menschen, die arbeitslos sind, einen schlechten Ruf bekommen."

"Das stimmt. Da haben Sie Recht. Wenn er doch wenigstens mir das nicht immer vorhalten würde."

"Es wird doch generell zu wenig verdient."

"Es ist alles nicht mehr so wie es war und es wird immer schlechter."

Ende des Dialogs, da ich vorgelassen wurde.

Dazu fällt mir noch ein, was ich heute in der "Jungen Welt" gelesen habe:

Doch die 35 Jahre seit dem Ende der Franco-Diktatur haben gezeigt, daß der Parlamentarismus nicht fähig ist, die Arbeiter angemessen zu vertreten. Alles lesen

Wirklich eine ganz gefährliche Zeit, wenn Menschen zu dieser Schlussfolgerung kommen, wenn Regierungen ihre Länder unter Kuratel des Marktes stellen, ihren Handlungsspielraum aufgeben und die Zukunft der Länder verspielen - verspielen im wahrsten Sinne des Wortes.






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