Montag, 12. September 2011

Fremdschämen

Ich beginne mit einer Filmritik bei Amazon von:

 Gordon Gelszinnis

Dieser Film verspricht mehr als man sich wohl je hätte vorstellen können. 

Er ist packend und lässt einen keine Minute los. Sehr bewegend und emotional. Gute historische Verarbeitung tolle Regie und Spitzenbesetzungen machen diesen Film einzigartig! Selten so guten Film gesehen...nicht in Worte zu fassen!!! Einfach nur schauen und begreifen. 



Genauso ging es mir gestern Abend, als ich den Film sah. Ich habe mich dafür geschämt, dass ich Europäerin bin. Ich habe mich dafür geschämt, dass westliche Regierungen zugesehen haben, wie Menschen bestialisch abgeschlachtet worden sind, wie Frauen vergewaltigt wurden und diese Mörderbestien nicht einmal vor Kindern halt machten. Die nächste Generation der Tutsi sollte gleich mit ausgelöscht werden. Gut, dass in diesem Film auch Europäer gezeigt wurden, die ihre Regierungen auch nicht verstanden und etwas für die Tutsi taten, soweit es in ihrer sehr beschränkten Macht lag. Zur Ehrenrettung der Hutu: Es waren nicht alles Mörder! Es gab auch anständige Hutus.

Samuel Meffire schrieb in seinem Buch "Unsere Feinde", dass Niggerleben nur für Nigger interessant sei. 

Genau das brachte der Film rüber und der UN- Offizier - von Nick Nolte gespielt - sagte das auch so, sinngemäß: Ihr seid Afrikaner und niemand in der Welt interessiert sich für Afrikaner.

Wie wahr. Wir erleben es jeden Tag wieder. Banditen in afrikanischen Regierungen werden gehätschelt, nur weil ihr Land z.B. seltene Erden oder Öl zu bieten hat. Menschenrechte müssen hinter den Profitinteressen des Westens zurückstehen. 

Wir erleben es immer wieder, die Jagd auf Menschen, ob nun in Afrika in seiner schlimmsten Form oder damals in Srebrenica und auch anderswo auf der Welt. Wir erleben die Jagd auf Menschen in der Tschechischen Republik und auch in Deutschland. Deutsche Soldaten beteiligen sich selbst an der Menschenjagd und werden dafür nicht einmal bestraft. Ich denke da an die Bombardierung des Tanklastzuges in Afghanistan.

Es sind ja nur ... so heißt es immer wieder. Mal waren es Juden, mal Serben, mal Bosnier, mal Tutsi, mal Schwarzafrikaner, mal sind es Christen, mal Moslems, mal Sinti und Roma. Alles Menschen, über die andere entscheiden, dass sie Kakerlaken wären und totgequetscht werden müssten. Im günstigsten Fall, will man sie "nur" aus der eigenen Stadt verjagen.

Warum?

Wir sind alle Menschen, haben die gleiche Statur, haben alle rotes Blut und sind alle gleichwertig, egal woran wir glauben oder wie wir aussehen. Wir entstammen den gleichen Wurzeln. Wir sind alle miteinander verwandt, auch wenn uns das nicht passt. Wir müssen einander nicht lieben, nicht Freund miteinander sein, aber wir müssen den anderen bestenfalls achten, minimal in Ruhe lassen.

Wenn wir uns gegen andere Menschen aufhetzen lassen, könnten wir selbst irgendwann mal in die Lage kommen, dass gegen uns gehetzt wird und dass wir zu Kakerlaken degradiert werden.

Übrigens möchte ich dazu das Buch "Handschlag mit dem Teufel" allen ans Herz legen. 

Hier der Klappentext: Als Kommandant der UN-Blauhelme wurde General Romeo Dallaire 1993 nach Ruanda geschickt. Er sollte einen wackeligen Frieden zwischen den verfeindeten Volksgruppen der Hutu und Tutsi sichern. Extremisten in der ruandischen Regierung hatten jedoch längst einen Völkermord geplant und dabei das Zaudern der Vereinten Nationen einkalkuliert. Verzweifelt versuchte Dallaire, den Völkermord zu verhindern. Vergeblich. Mit einem zahnlosen UN-Mandat, einer viel zu kleinen Truppe und miserabler Ausrüstung versehen, von der UNO und den Westmächten im Stich gelassen, blieb ihm und seinen Soldaten kaum mehr übrig, als sich selbst zu verteidigen und dem Abschlachten ohnmächtig zuzuschauen. Obwohl es Dallaire gelang über 30.000 Menschen das Leben zu retten, erlebte er das Scheitern der UN-Mission als eigenes Scheitern und wäre daran fast zerbrochen."Handschlag mit dem Teufel"ist der verstörende Augenzeugenbericht eines tragischen Helden.

Romeo Dallaire (im Film Nick Nolte) sagte: „Ich weiß, dass es einen Gott gibt,[…], weil ich in Ruanda dem Teufel die Hand geschüttelt habe. Ich habe ihn gesehen, gerochen und berührt. Ich weiß, dass es den Teufel gibt, und deshalb weiß ich, dass es einen Gott gibt.

Wir Europäer sind nicht unsere Regierungen. Gottseidank. Übermitteln wir das allen Verfolgten.


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