Freitag, 16. September 2011

Scheinheilig wie nichts


Am Samstag veranstalten Abtreibungsgegner wieder einen »Marsch für das Leben« durch Berlins Mitte. Bündnis feministischer und antifaschistischer Gruppen plant Proteste

Der Schweigemarsch am morgigen Samstag, bei dem christliche Abtreibungsgegner große weiße Holzkreuze mit sich führen, wird vom »Bundesverband Lebensrecht« (BVL) bereits zum siebten Mal in der Hauptstadt veranstaltet. Seit 2008 wird er jedes Jahr durchgeführt. Bis zu 1000 Abtreibungsgegner reisen dafür aus ganz Deutschland an. Sie fordern ein generelles Verbot von Abtreibungen, die sie als »vorgeburtliche Kindstötung« bezeichnen. Gerahmt wird der »Trauermarsch« von einer Auftaktkundgebung vor dem Bundeskanzleramt und einem Abschlußgottesdienst in der St.-Hedwigs-Kathedrale. An beiden Orten sind Gegenkundgebungen angemeldet. Weiterlesen

 Das ist mehr als scheinheilig. Da marschieren Menschen, die anderen Menschen ihre Meinung diktieren wollen. Da werden Menschen von anderen kriminalisiert, nur weil sie andere Vorstellungen übers Kinder kriegen haben. 

Eine Zellballung, die nach Ansicht der Abtreibungsgegner schützenswerter ist, als ein fertiger Mensch, der dann geboren wurde.

Sie weinen um eine Zellballung und hetzen gegen Kinder, die aus armen Familien kommen. Wo ist dort ihr Mitgefühl? Wo setzen sich diese sogenannten Christen ein, damit Familien menschenwürdig leben können - auch hier in Deutschland.

Es werden türkische Kinder verunglimpft. Ihre Geburt wird als etwas dargestellt, was wir einfach nicht wollen,  nämlich kopftuchtragende Mädchen. 

Aber die Zellballung ist uns hochwillkommen! Nur in dieser Phase der Menschwerdung und in keiner anderen. 

Der Deutsche Kinderschutzbund verordet knapp 20 % der Kinder in Deutschland als arm.

Wenn Kinder auf der Welt sind, verweigern wir ihnen Spielzeug, das Schwimmbad, das Kindertheater. Wenn sie sportlich und musisch begabt sind, müssen sie sich entscheiden, ob sie Sport treiben wollen oder in die Musikschule gehen wollen. Die Eltern und die Schulen werden gezwungen X Formulare auszufüllen, Expertisen einzuholen und Bankverbindungen. Es werden "Entscheidungsträger" dazwischen geschaltet, damit die Gnaden-10-Euro von einer Frau aus sattem, bevorzugtem Elternhaus auch ja nicht zahlen muss.

Es gibt Kinder, die kein warmes Mittagessen haben, die sich die Nase an Schaufenster platt drücken und sehnsüchtig das anschauen, was die 7 Kinder dieser bewussten Frau von Gottes Gnaden ihren Kindern immer bieten konnte.

Kinder werden dafür bestraft, dass ihre Eltern keinen Arbeitsplatz mehr finden, in dem ihnen nur ein prozentualer Lebensunterhalt ihrer Eltern zugebilligt wird. 

Nun frage ich die "Lebensretter", wo sind sie da? Was tun sie gegen Kinderarmut in Deutschland? Gibt es nichts mehr für sie zu retten, wenn die Zellballung ein fertiger Mensch ist? Kümmern sie sich nur um die Zellballung, weil die nicht essen, spielen, lernen muss? Weil die Zellballung keine kulturellen Bedürfnisse hat, nicht Straßenbahn oder Bus fahren kann?

Wo sind sie, diese scheinheiligen Christen, wenn es um lebende Menschen geht? Haben nicht auch viele Christen einen Sarrazin zugejubelt? Hat er nicht ihren Abscheu gegenüber armen Kindern Ausdruck verliehen? Diesen Christen? 

Welche Christen kümmern sich um die armen Kinder? Und nicht nur almosenhaft, sondern berücksichtigen ihre Menschenwürde und kämpfen für ein gerechtes Leben für alle?

Gott, wenn es ihm gäbe, würde vor Scham in den Erdboden verschwinden oder sich angewidert abwenden und in die weiten des Weltraums verschwinden, nur um nicht diese Scheinheiligkeit länger mit ansehen bzw. anhören zu müssen.

Es ist einfach nur widerlich. Punkt.




Kommentare:

  1. Volle Zustimmung!
    Weiter ist dazu nichts zu sagen.
    Aber wie so oft wird auch hier mit zweierlei Maßstäben gemessen. Man müßte mal unter den Protestierenden eine Umfrage machen, wie viele denn HartzIV beziehen, die Wohnung verloren haben und nicht wissen, wo sie was zu beißen herbekommen. Das Ergebnis dieser Umfrage wäre bestimmt interessant...
    Schönes Wochenende!

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  2. Auch ein schönes Wochenende. Stimmt. So eine Umfrage wäre mal interessant.

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