Freitag, 14. Oktober 2011

Brief einer Familie - Fortsetzung

... und zwar mit dem immergleichen Gequatsche, was man schon in den Mainstream-Medien kennt, ohne Sinn und Verstand:

Sehr geehrter Herr Senninger, liebe Frau Senninger!

diesseits bestätigen wir den Eingang Ihrer Rundmail und ich darf mir erlauben mich zu Ihrem „Offenen Brief“ zu äußern bzw. diesen zu kommentieren.

Sehr wohl habe ich Ihr Anliegen verstanden und Ihre Verzweiflung zur Kenntnis genommen. Auch ich sehe gewisse Tendenzen in Richtung Abschaffung des Sozialstaates.
Gleichwohl darf ich mich aber – entgegen Ihrer allgemeinen Lebensauffassung – dahingehend äußern, das wir (die Bundesrepublik Deutschland) eine Vielzahl an unbesetzten Arbeitsplätzen bereit halten – auch in Ihrer Region.
Ich habe mich bemüht, über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, einmal in Ihrem Beruf (Bäcker) nach offenen Stellen in Ihrer Region zu suchen. Und ich bin fündig geworden!
Gern bin ich Ihnen behilflich und übergebe Ihnen meine Suchergebnisse: -à http://jobboerse.arbeitsagentur.de/vamJB/stellenangeboteFinden.html?execution=e2s5&#a358706291
Bei dieser Suche bin ich NUR von Ihrem erlernten Beruf „Bäcker“ ausgegangen. Da ich jedoch in Ihrem „Offenen Brief“ auch gelesen habe, das Sie im Besitz eines Führerscheines für LKW sein sollen, habe ich keine Bedenken das Sie auch in diesem Beruf eine Anstellung in Ihrer Region finden werden.

Lieber Herr Senninger,

es ist nur zu einfach, das man der Bundesrepublik Deutschland Versagen vorwirft. Sicher haben auch Sie sich nach Kräften bemüht – keine Frage…
Dennoch möchte ich Sie bitten NICHT aufzugeben und weiter nach geeigneten Arbeitsstellen zu suchen, damit Sie zukünftig Ihrem Nachwuchs eine sorgenfreie Zukunft bereiten können.
Bei fast 500.000 unbesetzten Stellen bundesweit, kann von Entmündigung des ALG2-Empfängers nämlich wohl kaum die Rede sein…

Es ist kein Thema, das sich gegenwärtig (oder schon geraume Zeit) der überwiegende Teil der offenen Arbeitsstellen in Form von Zeitarbeit gestaltet. Allerdings kann man hieraus nicht schlussfolgern, das es dabei generell um einen Minderlohnsektor handelt.
Persönlich sind mit Arbeitsplätze bekannt, die mit einem Stundenlohn von 12,86 Euro/Stunde entlohnt werden! Und das bei einer Personalleasing-Firma! Mehr, wie dortige Festangestellte erhalten!


Wenn auch ICH nicht der Herr Bundespräsident bin, so erlaube ich mir dennoch einen Hinweis dazu, wie auch Sie in Zukunft Ihren Nachwuchs ernähren können: Bemühen Sie sich selbständig um einen Arbeitsplatz (gleich ob in Ihrer Region oder bundesweit). Ihrem „Offenen Brief“ folgend bin ich davon überzeugt, das Sie es gern dem Staat überlassen, SIE in Arbeit zu vermitteln.
Warum sonst bin ICH fündig geworden und SIE nicht?

Mit Verlaub gesagt: Lieber Herr Senninger, DIESEN „Offenen Brief“ hätten Sie sich „sparen“ können – es wäre besser gewesen, wenn Sie inzwischen Bewerbungen an die offenen Stellen Ihrer Region verfasst hätten.

Ihr
Ralf Steinicke


Gemeinnütziger Verein „Helfer mit Herz“
Kostenlose Sach- und Kleiderspenden

04329 Leipzig, Hainveilchenweg 6
Fon: 0341-9751517 Fax: 0341-9755539
Vertretungsberechtigt: Ralf Steinicke, Babett Menzler
Konto 4673069, BLZ 830 654 08 bei der Deutschen Skatbank Altenburg
Steuernummer 232/140/12421 K07
www.helfermitherz.net
info@kinder-und-familienhilfe.de 




Und die Antwort darauf:

Sehr geehrter Herr Steinicke, wir bedanken uns für ihre Worte. Auch bedanken wir uns für ihr Hilfsangebot, nach einer passenden Stelle zu suchen. Beim von ihnen angesprochenen Stellenangebot, dürfte es sich um das Angebot eines Arbeitsvermittlers aus dem März 2010 handeln, das bis heute, wie viele andere Angebote von anderen Arbeitsvermittlern und Zeitarbeitsunternehmen immer wieder nach oben "gepusht" wird, um augenscheinlich Eigenwerbung zu machen. Gut erkennbar daran, das man sich bis heute keine Mühe gemacht, selbiges Angebot neu auszuschreiben. Diese Art der Selbstpräsentation, erfolgt gerade für den Raum Pritzwalk in fast täglicher Regelmäßigkeit. Gleichzeitig impliziert dieses Verhalten natürlich ein Vorhandensein von Stellen und erhöht damt, das angebliche Vorhandensein von Stellen in der Anzahl. Dies wurde auch bei Gesprächen mit Sachbearbeitern der Arbeitsämter nie geleugnet, die stets darauf verweisen, das sie darauf angewiesen sind, das solche Stellenangebote durch die Arbeitgeber, Zeitarbeitsunternehmen oder Arbeitsvermittler gemeldet werden, wenn diese vergeben sind bzw. nicht mehr aktuell im Geschehen stehen. Insbesondere bei Zeitarbeitsunternehmen und Arbeitsvermittlern, die ja auf den Handel mit der Ware Mensch angewiesen sind, bieten solche Stellenangebotsplattformen, wie die der Arbeitsagentur eine gute Möglichkeit, kostenlos Werbung für ihr Unternehmen zu machen. Die Arbeitsagenturen haben den Vorteil, den Druck auf die Arbeitssuchenden zu erhöhen, in dem ihnen Stellen vorgehalten werden, von denen die Sachbearbeiter selbst nicht wissen, ob sie noch aktuell sind. Bis auf die Arbeitssuchenden, haben als alle Vorteile von dieser Praxis

Ihnen ist sicherlich auch nicht bekannt, das die Gehaltszahlungen für gelernte Bäcker in Brandenburg, bei einer Vollzeitstelle so gering sind, das ein alleinverdienender Ehemann und Vater, trotz harter Arbeit in Vollzeit, nicht aus dem Bezug staatlicher Leistungen herauskommt und zusätzlich gezwungen ist, sich des sogenannten Aufstockens zu bedienen. Also weiterhin der staatlichen Unterstützung unterworfen ist. In anderen Bundesländern ist dies nicht anders!

Wie wir auch auch in unserem offenen Brief berichtet haben, sah unsere Familie sich gezwungen, sehr viel Geld in einen Lkw Füherschein zu investieren. Insbesondere, da selbst in Baden-Württemberg praktisch keine Stelle als Bäckergeselle zu finden war. Sicherlich ist ihnen nich bekannt, das immer mehr kleine Bäckereien gezwungen sind, ihre Geschäfte aufzugeben. Das der Konkurrenzdruck durch Großbäckereien, die mit weitaus geringerem Personalaufwand arbeiten, diese kleinen Bäckereien dazu zwingt, in die Insolvenz zu gehen, oder die Löhne ihrer Mitarbeiter zu drücken. Ja, Handwerk hat goldenen Boden. Nur steht leider nicht Jeder auf selbigem. Und auch die Tatsache, das einem Bäckergesellen, der jahrelang nicht mehr in seinem Beruf gearbeitet hat, die Berufserfahrung praktisch abgesprochen wird, findet sich natürlich nicht in der Öffentlichkeit. Was zu einer noch geringeren Entlohnung führt. Kaufen sie auch regelmäßig beim Bäcker ihres Vertrauens ein? Oder nutzen sie die Gelegenheit, günstigere Produkte in Supermärkten oder selbst Tankstellen zu erwerben, die dort durch die Verkäufer aus industriell produzierten Teiglingen aufgebacken werden. Wieviele Empfänger von Sozialleistungen, können sich denn die teureren Produkte der Bäckereien noch leisten, die ja schließlich weitesgehend noch in Handarbeit arbeiten?

Sie verweisen auch darauf, das Stellenangebote auch bundesweit angenommen werden können. Selbstverständlich! Wie wir berichtet haben, haben wir an genau solchen Tagelöhnerwanderungen teilgenommen.Allerdings sind uns solch hervorragende Stelleangebote, von denen sie berichten, noch nicht begegnet. Wobei wir darauf verweisen, das auch wir schon zu Stellenangeboten anfragten, die ähnliche Konditionen anboten. Wir allerdings erleben durften, das dies nur zum sammeln von Lebensläufen und Adressdaten diente, die man wahrscheinlich werbewirksam, den Kunden als Stammkartei präsntieren kann. Auch die Tatsache, das wir uns schon lange keinen Pkw mehr leisten können und der tatsächliche Aktionsradius dadurch eingeschränkt wurde, insbesondere in einer Zeit, in der Flexibilität auf Mobilität beruht. Darauf verweisen sie leider nicht. Selbstverständlich könnten wir einen Kredit auf einen Pkw aufnehmen. Sofern wir denn als Empfänger von Sozialleistungen, einen Kredit erhalten. Aber eine Garantie, das wir diesen Kredit auch wieder auslösen können, wird uns wohl keiner geben. Wenn wir also wieder auf Arbeitgeber hereinfallen, denen Gesetze ein Fremdwort sind, säßen wir in einer Schuldenfalle, aus der wir uns bislang erfolgreich heraushalten konnten. Darüber hinaus sind wir als Arbeitssuchende sogar dazu verpflichtet, uns um Arbeit zu bemühen. Eine Tatsache, die in Mindestbewerbungsanzahlen, innerhalb von sogenannten Eingliederungsvereinbarungen festgeschrieben wird. Ist ihnen dies denn bekannt?

Wir verstehen ihre Argumente im Ansatz. Allerdings müssen wir darauf verweisen, das die Realität nicht dem entspricht, was Stellenbörsen, Politik und leider auch Sie, vorgaukeln. Wie heißt es so schön; "Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast. Wir können nur hoffen, das sie nicht mit ähnlichen Plattitüden die Hilfsbedürftigen unter Druck setzen, die auf die Verteilung der Spenden angewiesen sind, welche sie verteilen. Und so, eventuell viele Opfer in die Fänge von vermeintlichen "Menschenhändlern" treiben. Dies ist kein Vorwurf, sondern eine durch uns geäußerte Hoffnung.

Mit freundlichen Grüßen

Maria und Maik Senninger

Kommentare:

  1. Nicht zu fassen.

    Es bedarf auch keiner weiteren Moderation.
    Doch, es macht mich wütend.

    "...wie auch Sie in Zukunft Ihren Nachwuchs ernähren können: Bemühen Sie sich selbständig um einen Arbeitsplatz..."

    "Nachwuchs" ist somit als das Zeugen unwerten Lebens anzusehen?

    "Helfer mit Herz", eine faschistoide Glaubensbekennung, die sich im Gedankengut der Nazis wiederfinden lässt.

    Wir brennen alles ab.

    Mit welcher Verachtung definieren sie Leben?
    Mit welcher Verachtung sind sie bereit, Leben zu zerstören?

    Mit welcher Verachtung verachten sie sich selbst?

    Weil sie nicht dazu in der Lage sind, in ihrem kümmerlichen Leben noch eine "persönliche" Achtung zu sehen, da sie sich selbst hassen?

    Psychopathen-Glück, mit der kleinsten Erektion nach "Ötzi", weil der eigene IQ dafür nicht ausreicht

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  2. @frei-blog: Mir kamen ähnliche Gedanken. Aber solches Gesockse, was sich dann noch "Helfer mit Herz" nennt, macht uns allen das Leben schwer. Ich hoffe, dieser Sülzer erhält auch seine gerechte Strafe. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass jede mieße Tat auf einen zurückfällt. Habe das schon sehr, sehr oft erleben dürfen.

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  3. @frei-blog: Ach ich las gerade auf der Webseite "Helfer mit Herz", dass es Leipziger sind. Das erklärt Vieles. Gerade hier in Sachsen befinden sich m.E. die größten Idioten, die noch nichts gerafft haben. Ich schreibe doch bei der Straßenzeitung mit und da sagte eine Mitschreibfrau, warum sie das mache, dass doch heutzutage jeder freiwillig und immer mehr Bürgerarbeit leisten solle, weil der Staat eben nicht mehr kann. Und das Schönste, der Staat kann ja nicht mehr, nach ihrer lesart und was macht sie, sie lässt sich ihre paar Artikel, die sie verfasst hat, noch beglaubigen, um sie als Spenden von der Steuer absetzen zu können. Ich sage nur: Verlogenes Pack.

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