Samstag, 26. November 2011

Ich wünsche allen ein glückliches neues Jahr 2012 ...

... und nicht zu vergessen: ein marktkonformes.

Endlich bin ich mal die Erste, die jemanden etwas wünscht. Weihnachten war gestern. Ich gehöre zu den flexiblen Menschen, die die Nase vorn haben werden.

Adventskalender gab es dieses Jahr schon seit Ende August. Und ich habe mein Zimmer damit zugepflastert. Steht etwa auf den Kalendern 1.12., 2.12. ... 24.12.? Nein, es stehen nur die Zahlen 1 bis 24 drauf. Warum nicht das 1. Kalendertürchen am 1. September öffnen, sozusagen am Weltfriedenstag? Und warum soll ich nicht Christus' Geburtstag am 24. September feiern. Stolle gibt es da schon, ebenso wie Pfefferkuchen, Dominosteine, Weihnachtsmänner ... Man kann schon Weihnachtsdeko kaufen und Geschenke sowieso. 

Ja Geschenke. Warum also bis 24. Dezember warten? Anfang Herbst ist sowieso vieles billiger. Jesus ist ja auch nicht am 24. Dezember geboren worden. 

Und überhaupt: Jesus' Geburtstag. Wir feiern den Geburtstag eines Palästinensers mit schwarzem Haar, dunklen Augen, dunklem Teint. Heutzutage müsste Jesus aufpassen nicht auf Steckbriefen zu erscheinen, so als Aufrührer und noch aus dieser Gegend, Migrant also. Hatte er nicht die Banker vom Tempelplatz gejagt? Auch das Christentum kannte das Zinsverbot.

Er sagte, dass wir alles Gottes Kinder wären, die Herde Gottes, das Lamm Gottes, die Herde Lämmer. Er sagte, dass man sich besonders um die schwarzen Schafe der Herde kümmern sollte. Dafür kennen wir das Gleichnis des verlorenen Sohnes. 

Seien wir doch einfach alle schwarze Schafe, keine braven Lämmer, keine, die geduldig auf ihr Ende warten im Fron anderer, lammgetarnter Wölfe. Seien wir schwarze Schafe und reißen den Wölfen den Schafspelz vom Körper.

Die orthodoxe Kirche kennt dafür den Christus Pantokrator, den Weltenbeherrscher. Das ist derjenige, der bestimmt, wer in das Paradies eintreten darf. Sind wir beides, schwarze Schafe UND Pantokratoren! Wir wollen schon heute ins Paradies eintreten. Aber bitte nicht in das des alten Testaments. Wer will schon den ganzen Tag herumtänzeln ohne Sinn und Verstand? Wir sind froh darüber, dass Eva den Apfel Adam gereicht hat. Und wir haben es in der Hand, Technologien zum Vorteil aller einsetzbar zu machen, aber nur, wenn wir aufmüpfige schwarze Schafe sind.

Wie bin ich denn jetzt vom vorzeitigen Weihnachtsfest auf die schwarzen Schafe gekommen. Ich sehe kaum eins. Wir lassen uns mehr oder weniger von "Fröhliche Weihnachtszeit" einlullen. An der Tür eines Friseurs habe ich jetzt schon gelesen: Frohe Weihnachten - obwohl wir noch nicht mal den 1. Advent gefeiert haben. Ich war versucht darunter zu schreiben Ein frohes Osterfest.

Wieso kaufen wir eigentlich? Wieso meinen wir Handys verschenken zu müssen? Weihnachten kennen wir erst seit dem 12. Jahrhundert. Und die 4 Adventssonntage wurden bestimmten Ereignissen zugeordnet:

1. Advent: Einzug Jesus' in Jerusalem
2. Advent: Er steht für die erhoffte Wiederkehr des Herrn
3. Advent: Erinnerung an den Täufer Johannes
4. Advent: Das ist der Lobgesang Mariäs

Steht da bitteschön irgend etwas von Öffnungszeiten während der Adventssonntage? Steht da irgend etwas von Kaufrausch, eilen durch die Geschäfte, ergattern irgendeines Schnäppchens?

Am 24.12. 1170 sprach man so: Die Gnade Gottes kam zu uns in dieser Nacht; deshalb heißt diese nunmehr Weihnacht. Man sprach von geweihter Nacht!

Also ich kann nicht erkennen, dass man vom iPad sprach, vom neuesten iPhone oder vom neuesten Fernseher mit allem pipapo. Es wurde von geistiger Einkehr gesprochen. Und die kann man halten, ob man nun an Gott glaubt oder auch nicht. Das ist so ziemlich egal. 

Jesus sagte: Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! 

Erwarten wir von anderen, dass sie uns die neuesten Klamotten von irgendeinen selbsternannten Modezaren kaufen? Wollen sie auch das Neueste und Modernste von uns haben? Erwarten wir so wenig von anderen? Sind wir nicht bereit, etwas anderes als Materielles zu geben? Materielles geben und nehmen und wieder erhalten? Sind wir so tief gesunken? Wenn wir das sind, können wir Weihnachten auch im September feiern, an jedem Schlussverkauf, bei jeder Ladenschließung mit vorherigem Schnäppchenverkauf. Dann können wir auch jetzt Frohe Ostern wünschen. Dann sind wir beliebig. Wir erwarten nichts, wir geben nichts. Nichts, was uns Menschen vor allem ausmacht.

Wurde uns nicht Solidarität mitgegeben? Gegenseitiges Helfen? Haben wir als Menschheit nicht überlebt, weil wir keinen zurückließen, keinen verhungern ließen? Haben wir nicht auch Künstler gefördert, weil wir wussten, dass wir sie brauchen? Haben wir nicht auch diejenigen nicht verhungern lassen, die nicht säten, die kein Handwerk beherrschten, aber uns die Welt erklären konnten? Lieder sangen? Uns Gedichte vortrugen? Hat die Menschheit damals schon nach den ökonomischen Nutzen vom Rolandlied geforscht? Oder von der Ilias? Der Odyssee? Sie haben keinen ökonomischen Nutzen, sie dienen unserem geistigen Fortschritt, der nicht mit Geld bezifferbar ist.

Wann haben wir begonnen, Geld als unseren Gott anzusehen? Alles ihm unterzuordnen. Nur nach ökonomischen Kennziffern zu fragen? 

War der Beginn dort, als Kaiser Konstantin den größten Coup der Geschichte landete? Als er das was das frühe Christentum ausmachte aufsog und zum Machtinstrument machte? An dieser Stelle wurde der christliche Glauben verraten. An dieser Stelle begann das Christentum Waffe zu werden, gegen die eigene Bevölkerung, gegenüber anderen Völkern.  Der Kapitalismus verfeinerte alles und macht das Geld endgültig zum neuen Gott und wurde gottlos.

Seien wir doch endlich schwarze Schafe! Oder adaptieren wir Masada in die Gegenwart. Lassen wir uns nicht aufsaugen von irgend etwas, was wir gar nicht sind.

In diesem Sinne: Ein frohes Pfingstfest.

Kommentare:

  1. Ja, genau PeWi! Aber um Himmels Willen, reg dich bloß nicht so auf! ;o)
    ... und frohe Ostern!
    LG Holger

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  2. @H.B.: Ach ich rege mich nicht auf, ich stelle bloß mal fest und finde, dass es äußerst wichtig wäre, sich mal wieder rückzubesinnen und nicht die Pfeffersäcke zu füttern. Ich habe nämlich keine Lust, meine Enkel in Hoffnungslosigkeit zu sehen. Ich denke da nicht mehr an mich, ich laviere mich noch so durch die restlichen +/- 20 Jahre, aber wir haben ja auch Enkel und Urenkel usw. usf. Wenn wir alle nichts mehr ansprechen, bleibt es totenstill und wir werden ganz sicher auf die Schlachtbank geführt - und zwar ohne Gegenwehr.

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  3. Das Wünschen einer "fröhlichen Weinacht" oder eines "frohen neuen Jahres" geht mir schon lange nicht mehr über die Lippen. Besser gesagt: Diese Fröhlichkeit auf Knopfdruck geht mir auf den Keks, da sie schamlos vermarktet wird und gleichzeitig zerbrechen unsere Lebensgrundlagen.
    Wir sollten unsere guten Wünsche täglich leben und mehr Achtung vor unseren Mitmenschen zeigen.

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  4. @frei-blog: Du sprichst mir aus der Seele.

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