Donnerstag, 29. Dezember 2011

Aufgelesen und abgeschrieben zum sogenannten Mindestlohn

Zum Mindestlohn ein Leserbrief in der Jungen Welt, den ich hier veröffentlichen möchte und hoffe, dass der Schreiber nichts dagegen hat.

Um über die Höhe eines Mindestlohnes zu entscheiden, sollten alle politisch Verantwortlichen ein Praktikum durchführen. In der DDR hieß das UTP, Unterricht in der Produktion. Die Bundesregierung würde z.B. erleben, wie Leiharbeiter zu Menschen dritter Klasse erniedrigt werden. Anschließend könnten die »Praktikanten« der Bundesregierung dann lernen, Miete zu zahlen, beim Einkaufen auf den Preis zu achten oder das Auto nur noch zu betanken, um auf Arbeit zu kommen. Menschenwürde sieht anders aus und wir haben uns 1989 unter Freiheit etwas anderes vorgestellt! Zeitarbeiter tragen das Risiko, nicht nur ihre Arbeit ständig zu verlieren, sondern auch ihren Mut und ihre Hoffnung. Was nutzt ein Mindestlohn, wenn z.B. die Fensterputzer Objektlohn bekommen, ohne Bezahlung der zusätzlichen Stunden? Wir können praktisch nicht einmal mehr Schwarzarbeit verdammen, wenn Menschen so in die Ausweglosigkeit getrieben werden. Mit welchem Recht soll der Mindestlohn im Westen 7,56 Euro und im Osten 7,01 Euro sein?

Warum soll man im Osten acht Prozent weniger Mindestlohn bekommen? Sind etwa die Spritpreise, Mieten, Versicherungen oder Lebensmittel im Osten niedriger? Mit welchem Recht wird 20 Jahre nach der »Wiedervereinigung« mit zweierlei Maß gemessen?

Die Krönung dabei ist, daß die Gewerkschaften diese »Schweinerei« mit unterschrieben haben. Ich bin als Gewerkschaftsmitglied bitter enttäuscht, schäme mich und weiß nicht, wie ich das Betroffenen erklären soll. Es entsteht leider der Eindruck, daß führende Gewerkschaftsfunktionäre zu nah an der jetzigen oder zukünftigen Regierung sind.

Wann endlich gibt es keinen Unterschied mehr zwischen West und Ost oder zwischen Leiharbeiter und Stammarbeitskräften? Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, wie es z.B. Frankreich vormacht, muß das Ziel sein! Vor allem müssen Löhne gezahlt werden, daß unsere Menschen nicht überleben, sondern davon leben können, daß sie eine Familie gründen und ernähren können oder eine Rente ansparen können, von der man im Alter leben kann. (...)

Wolfgang Kleindienst, Pößneck

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