Freitag, 30. Dezember 2011

Die Iden des März




Der deutsche Titel ist nicht ganz so hintergründig: Tage des Verrats. Ich denke, dass man den englischen Titel so eindeutschte, da viele, vor allem jüngere Deutsche nichts mehr mit den Iden des März anzufangen wissen. Diesen Eindruck habe ich jedenfalls auf youtube erhalten. 

Die Iden des März. 

Georges Clooney machte den intelligenten Film der sich wieder einmal (nach Ansicht von Kommentatoren auf youtube) mit dem schmutzigen Geschäft der Politik auseinandersetzt. Und nach Ansicht jugendlicher Spaßhelden deshalb so öde wäre.

Die Iden des März.

Ein Film der Versatzstücke eines Clinton und eines Obama verarbeitet. Die Hauptfigur, der Gouverneur Morris, ist voller Tatendrang, will sein Land ein bisschen verbessern, moderne Industrien aufbauen, moderne Technologien IM Land ausbauen, damit die Menschen wieder Perspektiven bekommen. 

Wahlkampf pur wird in diesem Film geliefert. Wahlkampf wie er in den USA abläuft und wie er hier ablaufen soll. Kampagnen werden gefahren, Wahlkampfleiter installiert, Zahlen stündlich eingeholt, über Erfolge oder angebliche Erfolge diskutiert, im Schmutz gewühlt und Intrigen gesponnen.

Die Iden des März.

Wer bekommt den Dolchstoß? 

Nicht nur einer. Zu allererst der junge smarte Wahlkampfmanager, der alles hat, Charme, Wissen, der an die Sache des Gouverneurs glaubt. Nur ist er nicht ganz so gläubig. Er will nach oben, ganz nach oben, will nicht in irgendeiner Consulting-Firma versauern. Er will unbedingt ins Weiße Haus. Sein Karierrismus lässt ihn mit den "Teufel" flirrten, dem gegenerischen Wahlkampfleiter. Sein Flirt mit dem Teufel wird ihm zum Verhängnis. Oder nicht?

Das Messer wird weitergereicht an den Gouverneur persönlich, der über eine Affäre stolpert und seine Vorsätze für eine andere Politik im Weißen Haus umwerfen muss. Er wird erpresst, muss seinen Wahlkampfleiter entlassen und Politiker mit ins Boot holen, die er verabscheut, die andere Ansichten als die seinen vertreten, die Ämter bekommen müssen, damit er ins höchste Amt kommen kann. Das ist der große Dolchstoß. Gouverneur Morris, so wie er war, stirbt - im übertragenen Sinne. Er wird nicht das verwirklichen können, was er eigentlich wollte. Das Messer hat ihn einer an die Kehle gesetzt, den er eigentlich schon gefeuert hatte. Der Preis für das Weiße Haus ist hoch, zu hoch. Aber wer an die Macht will, bezahlt ihn.

Und dieser Teil erinnert mich an Obama. Entgegen vieler Meinungen denke ich, dass er vieles besser machen wollte und an der harten Realität der amerikanischen Verhältnisse gescheitert ist. Er war ein Außenseiter, so wie auch Morris im Film, und er wollte die Kräfte der Amerikaner wieder auf ein neues Amerika ausrichten, wie im Film. Und er scheiterte. Beide scheitern. Obama und Morris.

Ein Film der leisen Töne, ein Film über Anstand (?) und Verrat, Verrat auf allen Ebenen, jeder gegen jeden. 

Ein Film, den es sich lohnt anzuschauen. Gespielt wird er in den Arthouse-Kinos.

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