Donnerstag, 26. Januar 2012

Der Komödienstadel beginnt

100 Wissenschaftler sind dabei. Tja wo denn? Da unsere BAM die USA so liebt, werden die vielleicht in Debattierklubs zusammengefasst. Wer, was wo? Keine Ahnung. Aber es klingt gut. Sie sollen Visionen absondern. Dazu kommen noch Tausende von Online-Bürgern. Die dürfen auch daran teilnehmen: „Wie wollen wir zusammenleben?“, „Wovon wollen wir leben?“ und „Wie wollen wir lernen?“.


Interessant finde ich ja schon die Fragestellung: Wovon wollen wir leben? Das fragen sich Tausende von Bürgern in diesem Land schon lange. Wovon wollen wir leben? Von Dumpinglöhnen, von Minirenten?

Und die Frage: Wie wollen wir lernen? ist auch recht interessant. Die ist eigentlich auch schon beantwortet. Mit gut ausgebildeten Lehrern, die endlich mal wieder Lust bekommen, Kinder zu schulen, weil sie geachtet werden in dieser Republik und weil genügend da sind, so dass sie nicht vorzeitig ausbrennen. 

Die Frage Wie sollen wir zusammenleben? ist eben so ein alter Hut. Gebt den Menschen eine Chance. Lasst sie überleben und nicht nur am Existenzminimum herumkräpeln. Spielt sie nicht gegeneinander aus. Und lasst sie doch endlich mal ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen. Übt endlich Demokratie!

Aber Nachtigall ick hör dir trapsen. 2013 wird gewählt. Und diese Wissenschaftler und Online-Bürger sollen dann sicherlich irgendwann 2013, so kurz vor der Wahl, so richtig publikumswirksam vermarktet werden: Unser Engel ist doch die Beste!

Ja, sie thront über allem, unser etwas missratener Engel. Und wenn wir genauer hinschauen, werden wir sehen, dass es mitnichten Engelsflügel sind, die uns so warm einlullen sollen, sondern, die Flügel einer Gans, nicht ganz schlau, aber höchst wachsam.  Schließlich muss man seine Machtposition halten. Andere neben sich? BAM - weg iss er. Männer, Frauen mit Rückgrat? Fehlanzeige. Etwas unterbelichtete Typen oder Typen, die Dreck am Stecken haben und deshalb ihr Maul halten müssen. Das liebt sie! BAM! BAM! Koalitionspartner, die sie in der Pfeife rauchen kann! BAM. In die Tasche damit. Sie dürfen nur mal ganz frech unter dem Kabinettstisch hervorlugen. Nur nicht weiter, sonst gibt es eine drauf. BAM!

Aber wir lieben sie. Die Beliebtheitswerte steigen und steigen ... Warum? Keiner weiß es. Sie schaut halt so lieb. Und ... dann ... das muss man ja auch sehen ... sie macht uns wieder zu jemanden ... wir ... die immer zu kurz gekommene Nation ... erst wird die Welt verteilt ... und was bekommen wir ... einen sandigen Flecken in Afrika Südwest ... u.a. ehrlichhalber ... dann forschen wir und forschen ... und nee ... die anderen machen Geld drauß ... dann wollen wir Raum ... und was gibt es ... weniger statt mehr ... das soll nun einer noch verstehen ... nur Autobahnen, die gibt es nicht ... kann man aber verschmerzen ... Schlaglöcher sind auch ganz nett ... kurbelt die Wirtschaft an ... schließlich Wachstum ... Wachstum ... Wachstum ...

Ohje, da sind mir aber die Pferde durchgegangen.

Was lieben wir sie. Sie der Halt der Welt. Auf Griechenland kann sie verzichten, griechisch essen mag sie sowieso nicht. Weg damit. BAM!

Die Iren legen ihren Haushaltsplan ihr vor. Sie kann dann ihren Stempel drauf plazieren. BAM! BAM! Nun dürfen die Iren noch westliche Kultur spielen, etwas Demokratie. Sie dürfen ihre Hand heben und ja dazu sagen, nach dem BAM!

Facebook-Freund zusammencrowlen. BAM. Und das Größte. Man stelle sich die Ehre vor. Die Ehre, die so einem kleinen braven Bundesbürger zuteil werden soll. Er darf .. man stelle sich vor ... er darf dann irgendwann sogar mit BAM diskutieren, wenn er denn ausgewählt wird aus den Tausenden von Online-Bürgern. Er darf diskutieren, seine Vorstellung, wovon er leben möchte darlegen. Toll. Einfach nur toll.

Ob das BAM interessiert? Es geht in einem Ohr rein und aus dem anderen wieder raus. Wie wir leben wollen, das könnte sie schon lange wissen. Wozu gibt es Umfragen? Wozu gibt es Berichte von Sozialverbänden? Wozu gibt es ungefälschte Statistiken? Wozu gibt es stundenlange Debatten im Bundestag, bei denen sie auch mal den anderen zuhören könnte, als immer nur süffisant zu lächeln, wie ein etwas debiler Engel? Wozu also der Aufwand? Nur um PR zu machen? Ich bin die Beste, die Schönste, die Größte? Alle sollten glücklich sein, mich zu haben? BAM! 

Sogar die Herren des Wirtschaftsforums Davos grausen sich vor Deutschland, weil sie ihre Felle wegschwimmen sehen. 

Natürlich nur diejenigen, die wirklich Produkte herstellen. Solche, die man anfassen kann, solche, mit denen man etwas anfangen kann, die man sich in die Wohnung stellen kann, auf die Straße, die man essen kann oder mit denen man seine Blöße bedeckt. Die haben Angst, dass sie in bitterste Armut fallen, weil BAM ihre hirnverbrannten Ideen ganz Europa aufzwingt. Denn die Unternehmer sind dringendst auf uns angewiesen, auf Krethi und Plethi, um ihre Produkte in Geld umsetzen zu können. Die haben es nicht so gut, wie andere, die ihre Produkte Produkte nennen, obwohl es keine Produkte sind, nur Produktgespinste, ausgedacht in einer wirren Nacht.

Rufen wir uns mal ins Gedächtnis, was Produktion ist: Der vom Menschen (Produzent) bewirkte Prozess der Transformation, der aus natürlichen wie bereits produzierten Ausgangsstoffen (Material) unter Einsatz von Energie, Arbeitskraft und bestimmten Produktionsmitteln lagerbare Wirtschafts- oder Gebrauchsgüter (Ökonomisches Gut) erzeugt. 

Kann das ein Herr Ackermann von seinen angeblichen Produkten sagen? Nur, der muss keine Angst davor haben, dass er ins Bodenlose stürzt, der wird von uns bezahlt, falls er Pleite ist. 

Der Bäcker um die Ecke hat nicht das Glück oder z.B. jetzt Schlecker. 

Also sie könnte alles wissen, wenn sie denn wollte, aber sie will nicht. Sie will nur wieder gewählt werden und da macht sich so ein angeblicher Dialog mit den Staatsbürgern doch recht gut. BAM!