Mittwoch, 18. Januar 2012

Kein Nationalismus mehr

Als wir noch in Stämmen lebten, hatten wir einen Stammeshäuptling. Er musste für das Wohl seines Stammes sorgen und alle ordneten sich ihm unter. Er musste stark sein, sonst konnte es passieren, dass er kein Stammeshäuptling mehr war.

Dann kamen die Adligen, die sich aus den Stammeshäuptlingen ableiteten. Sie mussten sich nicht mehr wirklich um ihre Leutchen kümmern, um ihre Dörfer, ihre Städte. Sie kümmerten sich nur um sich und um ein paar Spezies. Sie verlangten bedingungslosen Gehorsam ihnen gegenüber oder derjenige, der ihn verweigerte, wurde getötet.

Die Methoden verfeinerten sich. Der kleine Mann starb für seinen Herren. Er musste ihre Kriege führen, ihren Reichtum vermehren.

Mit dem Kapitalismus verfeinerte sich diese Ausbeutungsmethode noch mehr. Demokratie wurde eingeführt. Die Menschen lebten an einer längeren Kette, mit oft unsichtbaren Gliedern. Der Arbeiter musste nun seinem Unternehmer gehorchen und dessen Reichtum mehren. Damit er das machte, wurde ihm erzählt, dass er für seine Nation das Beste erbringen müsse, da seine Nation die Auserwählte sei. Im Namen seiner Nation, seines Vaterlandes zog er in den Krieg und füllte den Unternehmern die Tasche. 

Der Lehnsherr, der Herzog zog am Anfang noch an der Spitze seines Heeres mit in den Krieg. Das verflüchtigte sich später und die Staatenregierungen führten im Namen der Unternehmer Krieg mit ihren Nachbarn, um Märkte, Einfluss und, und, und ... Dazu war es äußerst praktisch, die kleinen Leute auf ein Vaterland einzuschwören. So meinten diese, dass sie für sich selbst in den Krieg zogen. Da der Kriegsgegner auch auf sein Vaterland eingeschworen wurde, schlugen sich die kleinen Leute gegenseitig die Köpfe für eine Unternehmerschicht ein, die nur neue Märkte gewinnen wollte. Nichts anderes, also ihren Reichtum mehren wollte.

Nationalstaaten sind praktisch für den Kapitalismus. Er verdient und muss sich nicht mehr die Hände schmutzig machen, denn jeder (?) meint, dass er für sein Vaterland kämpft, leidet oder was auch immer. Und für das Vaterland zu leiden, hat doch etwas heroisches an sich. 

Heutzutage wird diese Karte immer noch gezogen und wir kleinen Leute lassen uns immer noch mit dieser Karte bestechen. Die Unternehmer, das Kapital hat sich zwischenzeitlich weitgehend internationalisiert. Für sie existiert kein Vaterland mehr. Geld hat kein Vaterland. Damit sind sie sehr erfolgreich. Und sie spielen immer noch die Vaterlandkarte aus, um ihre Geldangelegenheit in aller Ruhe im Hintergrund regeln zu können. Derweil wird der kleine Mann/Frau in den Nationalfarben gewiegt, damit er nicht aufbegehrt, damit er nicht sieht, dass es mehr als sein eigenes Land gibt. Damit lassen wir uns gegeneinander ausspielen - mit dieser nationalen Karte. Und wir sind so dumm, dass zuzulassen. Mit "wir" meine ich alle in der Welt, die den Reichtum einiger Weniger mehren. 

Wir bleiben schön national und ziehen über die faulen Südländer her. Sie haben das gleiche Problem wie wir. Sie werden zur Kasse für einige Wenige gebeten. Wir retten andere Staaten nicht. Uns wird das Geld weggenommen, um es dem internationalen Geldadel in die Taschen zu spülen. 

Das geht ganz einfach, weil wir von Nationen träumen: wir Deutschen, wir Franzosen, wir Engländer ... Keine andere Nation ist besser als wir. Wir sind die schlauen Köpfe, die anderen nicht. Wir entdecken, erfinden, die anderen klauen uns das und machen es zu Geld. Wir, nicht die anderen.

Kopernikus der Deutsche, Kopernikus der Pole. Jeder reklamiert ihn für sich ...

Dabei übersehen wir, dass wir nur eine Chance habe, wenn wir ein besseres Leben in Würde anstreben, auch wir kleinen Leute müssen uns internationalisieren. Mit unseren Nationenbegriff sind wir hoffnungslos den 1 % unterlegen. Mit unseren Nationenbegriff sind wir zu langsam zu träge. Wir kämpfen nur für uns, obwohl alle anderen in der Welt den gleichen Kampf kämpfen. Die Zersplitterung kostet uns den Sieg und die Demokratie. 

Der Geldadel weiß das, deshalb spielt er diese nationale Karte. Das ist sehr einfach. Kleine Gruppen - und die Menschen in ihren Ländern sind kleine Gruppen - sind besser beherrschbar. 

Wir sind nicht besser als alle anderen Menschen, die den Reichtum der Welt generieren. Wir sind ein Teil von ihnen, egal ob sie in China, in Frankreich, in Brasilien oder den USA leben. Solange wir uns dessen nicht bewusst werden, solange werden wir nur ein Spielball der 1% sein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.