Montag, 23. Januar 2012

Rückwärts gewandt

Wir befinden uns in der Periode der Restauration, zumindest empfinde ich es so. Das ist eine Zeit, wo eine Revolution gescheitert ist und die alten Verhältnisse wieder aufgebaut worden sind. 

Warum die Revolution für eine andere Gesellschaft gescheitert ist, hat viele Ursachen. Eine davon war, dass wir die neue Gesellschaft nicht mit den Herzen wollten und nichts dafür taten, dass sie erfolgreich werden konnte. Wir haben es zugelassen, dass Kleingeister - genau wie heute - das Feld beherrschten. Vorbei ist vorbei. Jetzt werden die letzten Reste der Erinnerung an eine andere Zeit weggewischt, zertrümmert, abgerissen, auf den Müll geschmissen und diskreditiert. Und noch mehr, es wird gnadenlos die nationale Karte gespielt in einer Welt, die sich globalisiert hat, gezwungen wurde, sich zu globalisieren.

Ich kann verstehen, dass man seiner Heimat, seiner Region verpflichtet ist. Ich verstehe mich als Sachse vor allem. Hier bin ich aufgewachsen, hier wurden meine Traditionen geprägt, die etwas anders sind als z.B. in der Pfalz, wo ich längere Zeit gelebt habe. Das Sachsen in Deutschland liegt, ist Zufall. Das Land hätte auch anders heißen können, je nachdem es zu irgendeiner Zeit irgendwem zugeschlagen worden wäre. Der König von Sachsen war mal König von Polen z.B.

Was ich total ätzend finde, ist diese Rückwärtsgewandtheit zu den Zeiten, die schon eine ganze Weile vergangen sind. Ich zähle dazu die Wiedererrichtung von Bauwerken, die mal früher gestanden haben, die z.B. durch den 2. Weltkrieg zerstört worden sind oder auch gesprengt wurden, weil man sie nicht mehr haben wollte. Dazu gehört auch der geplante Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Preußens Zeit zu huldigen, naja, da könnte ich mir schon etwas Besseres vorstellen.

Und da sind wir zwangsläufig beim Alten Fritz. Zwar bezeichnete er sich als 1. Diener im Staat. Wir sollten aber niemals vergessen, für wen er das war. Nicht für die kleinen Leute, nicht für die Bauern. Er war es für die bessere Gesellschaft, für die Junker, für die Adligen. Er wollte Preußen zu einer Großmacht führen und hat Preußen zu einer Großmacht geführt.

Er hat die Söhne der kleinen Leute zu Soldaten gemacht. Er hat Kriege angezettelt, Kriege verloren und gewonnen. Er war ein Machtpolitiker seiner Zeit. Politische Äußerungen wurden auch zu seiner Zeit unter Zensur gestellt. Das verstehe ich nicht unter einen aufgeklärten Monarchen. Dass er die Folter abschaffen ließ, war richtig, nur, sie war zu allen Zeiten schon ein untaugliches Mittel, Wahrheiten zu ergründen.  Er ließ Hugenotten nach Preußen. Das war eine Tat, die auch schon seine Vorgänger machten und hatte vor allem wirtschaftliche Gründe. Einer, der sein Ländle zu einer Großmacht machen wollte, musste auch wirtschaftlich auf der Höhe der Zeit sein.

Gut, er korrespondierte mit Voltaire. Er war ja ein gebildeter Mann. Warum sollte er nicht mit Voltaire kommunizieren? Das macht ihn noch lange nicht für den Heilsbringer der kleinen Leute, als der er in den Medien so gern dargestellt wird. Kleine Verbesserungen auch für Hinz und Kunz steigerten die Wirtschaftskraft Preußens, nicht mehr und nicht weniger.

Wir müssen deshalb kein Halleluja auf den Alten Fritz singen. Wir sollten zurückhaltend und so objektiv wie möglich seine Verdienste und seine Grenzen zeigen. Er ist kein Beispiel für uns. Wieso sollten wir seine Gloria hervorheben? Die Gloria eines Haudegens, der sehr viel Leid über die Menschen gebracht hat mit seinen Kriegen?

Was nützte es einem Bauern in Preußen, wenn er zu einer Weltmacht gehörte? Was einem Handwerker?

Wieso mögen wir einen König? Könige sind so überflüssig wie ein Kropf!

Könige sind Überbleibsel einer vergangenen Welt. Sie gehören zu unserer Geschichte und wir sollten sie uns nicht aus einem verklärten Blickwinkel ansehen, sondern so, wie sie sind. 

Wir sollten vorwärts schauen und uns nicht am Gestern orientieren. Wer will schon in einem neuen Preußen leben?