Freitag, 17. Februar 2012

Der Endpunkt

Er hat den Rücktritt erklärt - Bundespräsident Wulff. Er hat das einzig Richtige getan, was er hatte tun können. Der Rücktritt war überfällig.

Für mich war Wulff eine recht unbekannte Größe als er Bundespräsident wurde. Er kam mir ruhig vor und nachdenklich. Seine Glamourseite habe ich nicht mitbekommen, weil ich keine Illustrierten oder Frauenzeitschriften lese und noch weniger BILD.

Sicherlich, seine Verfehlungen waren menschlich. Er hatte aber vergessen, dass er nicht Hans Jedermann ist. Hans Jedermann kann sich bei reichen Freunden einfach so einladen lassen und gratis Urlaube in deren Häusern verleben. Hans Jedermann ist es locker erlaubt, Kredite von Millionären anzunehmen. 

Ein Bundespräsident - auch ein Ministerpräsident - muss ich vorher überlegen, welche Signale sende ich aus. Das gehört auch zum Geschäft eines Politikers. Ein Bundespräsident muss sich auch vorher überlegen, wenn er sich ein Hotelzimmer bezahlen lässt, welchen Eindruck das machen könnte? Könnte es sein, dass man mir Korruption anhäng, wäre so eine Überlegung gewesen? Das gehört zu einer integeren Persönlichkeit, dass sie sich nicht durch Handlungen diskreditieren lässt. Es gehört zu einer integeren Persönlichkeit, dass man sich vorher überlegt, was man tut und was man lässt und nicht - wie der italienische Kapitän des Unglückskreuzfahrtschiffes - ganz ohne eigenes Zutun in ein Rettungsboot fällt. 

In meinen Augen, begann der Niedergang von Wulff bei seiner Äußerung, dass der Islam jetzt auch zu Deutschland gehöre. Und Wulff sagt jetzt auch, obwohl das immer verkürzt dargestellt worden ist. 

Die Mehrheit der Deutschen leidet an Islamophobie und ist nationalistisch eingestellt. Diese nationalistische Karte wurde ja von der Politik und ihrer Hampelmänner reichlich ausgespielt. Man redete den deutschen Michel ein, dass die Türken einen aufsaugen und was weiß ich nicht noch alles für Müll. Man suggerierte fast, dass Morgen in Deutschland die Sharia auf alle angewandt werden würde und jede deutsche Frau mit dem Kopftuch herumlaufen müsse (was sie übrigens bis in die 60er Jahre hinein tat). 

Und nun kam ein Bundespräsident, der sich für eine Vielfalt der Nationalitäten in Deutschland aussprach. Er erntete wütende Proteste nicht nur vom rechten Rand, sondern bis weit hinein in die Mitte der Bevölkerung. Eine große Mehrheit fühlte sich auf einmal angegriffen und tat so, als ob sie nun statt Pflaumenkuchen jeden Tag Baklava essen müsste. Dann kam Sarrazin, der dem ganzen noch die Krone aufsetzte und den deutschen Spießer den Bauch kitzelte. Um Himmelswillen, lieber Gott, mach, dass wir keinen Kebab essen müssen. Okay, wir essen Kebab, weil der auch zur deutschen Küche gehört, nur heißt er anders, aber das spielt ja keine Rolle für Lieschen Müller. Man erschrak. Diese sollen zu Deutschland gehören, diese vermaledeiten, die 5 x am Tage zu Gott beteten? Und den Gott auch noch anders nannten? Man stelle sich vor 5 x am Tag, wo doch eine deutsche Seele, das, wenn überhaupt, nur sonntags tut. Nein, die gehören nicht zu uns. Dann reden die so laut, haben andere Vorstellungen vom Leben als wir und wollen nicht mal so werden wie ein anständiger Deutscher zu sein hat. Und das will unser Bundespräsident?

Unsere Lei(d)tmedien wie BILD wollten das natürlich auch nicht. Und so grub man, ließ graben und fand. Fand das Verdrängte, fand das Unbedarfte einer nicht gefestigten Persönlichkeit, die in Hannover Ministerpräsident gewesen war. Fand die allzugroße Nähe zu Millionärsfreunden, die auch die Wirtschaft lenkten. Was konnte es besseres geben, als das gegen den Bundespräsidenten zu verwenden.

Und der unbedarfte oder überhebliche Wulff, machte dann einen Fehler nach dem anderen. Er verschleppte, gab nur zu, was sowieso schon feststand, verniedlichte, gab sich wütend auf die Presse, sprach auf Anrufbeantworter (!) und wandte sich sogar an die Klientel, zu der er sich hingezogen gefühlt hatte und die einen kleinen Aufsteiger niemals in ihre Kreise wirklich aufnehmen würden. Pech für ihn, dass er das nicht bedacht hatte. Nun hat er seine Quittung dafür bekommen. 

In einer Gesprächsrunde in Phönix wurde ausdrücklich festgestellt, dass er - der Wulff - linke Positionen vertreten hätte. 

Das ist schon recht merkwürdig, dass die Achtung vor Menschen, egal an was sie glauben, als linke Position gilt. Ich denke, das gehört zum Grundgesetz unserer Republik und steht schon in dessen Artikel 1 und 4 drinnen.

Ich denke, dass er vor allem über das Anerkenntnis, dass auch Türken, Araber und andere Menschen, die aus anderen Kulturen zu uns gekommen sind, gestolpert ist. Das andere war seine Dummheit, die es seinen Gegner leicht gemacht hat, ihn zu stürzen.

Nun, wir müssen nicht um einen Wulff weinen. Er war ein farbloser Bundespräsident, auch nicht modern, wie Merkel meinte, sondern eben ein Nichts, der einmal eine Sternenstunde hatte. Okay, Sternenstunde ist vielleicht zu hoch gegriffen. Er hat ein einziges Mal die wahren Verhältnisse in Deutschland kundgetan und damit nur ausgesprochen, was das Grundgesetz für Deutschland vorschreibt und was eine Mehrheit der Bevölkerung nicht sehen will. 


Artikel 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


Artikel 4

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.