Mittwoch, 15. Februar 2012

Feine Ausrede

Ach hätten wir nicht die demographische Entwicklung, was sollten wir sonst dann für Horrormeldungen verbreiten. Wir ist nicht ich oder du oder Sie, sondern Wir sind die Medien, die sogenannten Institute und deren sogenannten Professoren.

Nun ist der hohe Krankenstand vor allem auch der demographischen Entwicklung geschuldet. Ältere wären zwar nicht so oft krank, aber dafür länger. Und - das finde ich ja besonders belustigend - der Alterssdurchschnitt in den Betrieben steige. 

Okay, okay, wenn man dann die 1-Stunde-Aushilfskraft als Alibiälterer dazurechnet, mag das vielleicht - aber wirklich nur vielleicht - stimmen. 

Ich möchte die Unternehmen sehen, die zu einem Großteil ältere Menschen beschäftigen. 

Nun gut, es ist auch nicht gesagt worden, wie hoch das Durchschnittsalter in den Unternehmen nun wirklich ist, ob es nun von 25 Jahre auf 26 Jahre gestiegen ist. Da wird einfach eine Behauptung in den Ring geworfen: Friss oder stirb. 

Man baut auf die Zahlen der Bundesregierung, die meint, dass die dreifache Zahl von 60 bis 65-jährigen noch Arbeit hätten. Das kann man gern machen, sollte sich aber nicht wundern, wenn man unter einem zusammenbrechenden Lügengebäude begraben wird. 

Oder man rechnet Aushilfsbeschäftigungen, mal eine Stunde in der Woche jobben, Prospekte austragen und alles sowas als Arbeitsplatz. Dieser Rechnung kann ich nicht folgen, weil Arbeit etwas mit Werte schaffen und Berufsethos zu tun hat und der Einsatz in einem Beruf, für den man sich qualifiziert hat, worin man unendlich viele Erfahrungen hat und die so honoriert wird, dass man davon leben kann. Das ist ARBEIT. Das andere nicht. Das andere ist erzwungene Sklavenarbeit, erzwungen von einer Arbeitsagentur oder von zu niedrigen Renten.

Ach nur mal so eingeworfen: Kennen die heutigen Wirtschaftsbosse das Wort BERUFSETHOS überhaupt noch? Ich denke, dass sie es aus ihrem Wortschatz gestrichen haben, so wie der Beruf zu einem Job degradiert worden ist. Das kann niemals gut gehen.

Und dort liegt der Hase im Pfeffer. Immer mehr ältere Menschen, die noch eine wirkliche Arbeit haben, klagen über Mobbing, Ausgrenzung und Nichtanerkennung der Leistungen. 

Das trifft natürlich ebenso auf jüngere Menschen zu. Deren Arbeit wird genommen, man gaukelt denen vor, dass sie vielleicht irgendwann übernommen werden könnten, in einem Arbeitsplatz, der es ihnen gestattet, ein Leben zu planen und sie werden von Fristvertrag zu Fristvertrag verscheißert. 

Jüngere Menschen sind dann eben öfters mal krank, die gehen dann schneller zum Arzt, weil sie sich total ausgebrannt vorkommen.

Ältere Menschen schleppen sich oft noch ein paar Tage länger hin, mit ihren meist noch vorhandenem Pflichtgefühl oder alter Anhänglichkeit an das Unternehmen, was früher mal ein anderes war, was früher mal für seine Angestellten gesorgt hatte. Dann geht es auch bei ihnen nicht mehr. 

Menschen, denen tagtäglich eingeimpft wird, dass sie Asche wären, nützliche Idioten, dass sie nur dafür da wären, den Managern die Taschen zu füllen, solche Menschen lassen sich dann auch mal länger krankschreiben, weil sie es auch nicht mehr einsehen, der Abtreter der Wirtschaftsbosse zu sein. Irgendwann begreifen sie es und der Körper wehrt sich durch Krankheit. 

Menschen sind keine Maschinen und es bringt überhaupt nichts, ihnen vorzurechnen, was es dem Unternehmen kostet, wenn sie eine Pinkelpause machen oder Raucherpause. Dem Unternehmen kostet es viel mehr, wenn sie Menschen wie Maschinen arbeiten lassen, ihre Würde beschmutzen und sie vom Unternehmen geistig trennen. Dann arbeitet Mensch nicht mehr gut. Dann bringt er auch keine Ideen mehr ein, dann wehrt sich der menschliche Körper durch Krankheit. Früher wussten das die Unternehmen. Heute haben sie es in ihrem Run auf immer höhere Unternehmensgewinne und immer höheren Managergehältern vergessen, zu ihrem eigenen Schaden.