Montag, 6. Februar 2012

Menschenrecht?

Wir haben ein neues Menschenrecht entdeckt. Das Menschenrecht auf Profit. Monte-Carlo-Spieler, genannt Hedge-Fonds, wollen an den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof ihr Recht auf Profite einklagen. Das ist so absurd, dass man sich kichernd auf die Schenkel klopfen könnte. Menschenrecht auf Profit.

Ist es so absurd in unserer Gesellschaft, die jedes Maß an Vernunft verloren hat? Ich glaube nicht. An der Stelle, wo Menschen Kostenfaktoren sind, wo alte Menschen am besten in die Grube gehen sollten, weil  angeblich zu teuer, an der Stelle, wo Kranke doch bitteschön nicht mehr zum Arzt gehen sollten, sondern am besten gleich ins Grab, weil Krankheit viel zu teuer wäre, an der Stelle wird Profit auch zum Menschenrecht. 

Eine kleine Schicht völlig abgehobenener Geldjunkies diktieren allen Menschen ihre Existenzberechtigung oder auch ihre Nichtexistenzberechtigung. Sie reißen sich alle gesellschaftlichen Werte unter ihre Grapschhand, obwohl sie gar nichts damit anfangen können, weil sie schon viel zu viel haben. Es gibt nichts mehr, was sie haben könnten. Sie sind wir Drogenabhängige. Ihre Droge ist Geld. Nein Geld auch nicht, weil es gar nicht soviel Geld gibt, als dass es ihre Droge sein könnte. Ihre Droge sind Nullen hinter einer Zahl auf ihrem Bankkonto. Nutzlose Zahlen, die wie Fresssucht wirken. Nutzlose Zahlen, die nichts mehr aussagen, als das, dass man auch das letzte Stück Schokolade nicht liegenlassen kann, sondern in seinen Gipsmagen stecken muss, auch wenn man platzen könnte.

Menschenrecht auf Profit. Nur weil auf ihren Konten vielleicht - aber auch wirklich nur vielleicht - ein paar Kleckerbeträge weniger landen könnten, wenn sie sich bei einem griechenländischen Schuldenschnitt beteiligen müssten?

Menschenrecht auf Profit - wahrscheinlich eins der wichtigsten Menschenrechte in heutiger Zeit. Dabei muss das Wort Mensch definiert werden. Wer gehört zu diesen sogenannten Menschen? 

Ich nicht, du nicht, wir nicht ... Diese Menschen haben nur das 1% der Menschen in der Welt im Blickfeld, zu denen sie selbst gehören und ihre Handlanger. Alle anderen sind uninteressant. Existieren nicht. Gibt es nicht.

Wie wäre es dem entgegen mit einem Menschenrecht auf warme Wohnung? Der Gefrierschrankwinter ist wohl nicht daran schuld, dass Menschen auf der Straße erfrieren. Einfach sterben. Dass Menschen erfrorene Glieder abgenommen werden müssen, weil sie keine warme Wohnung haben. Der Winter ist nicht daran schuld, nur eine Gesellschaft, die sich lieber um ihre Profite kümmert und Regierungen, die ihre Verantwortungen nicht wahrnehmen wollen, weil sie zu den 1% gehören, überall in Europa, überall in der Welt.

Wie wäre es denn mit einem Menschenrecht auf Gesundheit. Der medizinische Fortschritt ist sehr groß. Warum ernten deren Früchte aber nur das 1% der Menschen? Wieso sterben in Griechenland Menschen, weil sie - dank vor allem auch der Merkel - keine Medizin mehr bezahlen können? Sich z.B. nicht mehr am Herzen operieren lassen können, weil sie das nicht bezahlen können? Hier - inmitten von Europa? 

Frau Merkel, das sind IHRE TOTEN!!! Sie haben sie mit zu verantworten! Und wieso soll das zusammengebrochene Gesundheitssystem in Griechenland noch mehr sparen? Woher sollen die Milliarden kommen? Frau Merkel? Wollen sie das ganze Volk Griechenlands töten? So ganz allmählich durch Krankheit und Hunger? Ist das der Probelauf für uns alle? Wissen Sie, wie es ist, wenn man - wenn es einen gerade noch so gut geht und monatlich 1.500 EUR verdient, aber 3000 EUR monatlich für seine Medikamente auf den Tisch legen soll? 3000 EUR oder man stirbt? Guten Tag im Europa des 19. Jahrhunderts!

Wie wäre es mit einem Menschenrecht auf Arbeit und deren Entlohnung in der Gestalt, dass man am Leben der Gesellschaft teilhaben kann? Wie wäre es damit? Mal ganz davon abgesehen, dass der Bäcker um die Ecke, glücklich darüber wäre, wenn es das gäbe, weil es ihm auch zu Gute käme, der Friseurin ebenso. Endlich könnten sich die Menschen Handwerksleistungen leisten. Wie wäre es damit? Wie wäre es damit, finanzielle Leistungen als Solidarität der Gesellschaft gegenüber anderen einzuordnen und nicht als Mitleidshandlung, wo man tiefe Bücklinge des Entgegennehmenden erwartet und dessen völlige Unterwerfung an die gebende Hand? Na, wie wäre es damit? Unser Land und andere Länder könnten endlich ihre Wirtschaft gesunden lassen.

Wie wäre es mit einem Menschenrecht auf Solidarität? Solidarität der Unternehmer mit seiner Region, in der er lebt? Solidarität mit den Menschen, die ihnen ein gutes Leben gewährleisten?  Wer will ihm schon sein Geld wegnehmen. Er ein bisschen weniger, wir ein bisschen mehr. Das wäre doch ein Anfang.

Wie wäre es auf mit dem Menschenrecht auf ein gutes Leben? Gutes Leben, darunter vestehe ich nicht, dass der neueste Konsummüll erstanden werden sollte. Für mich ist ein Sinnbild des Konsummülls das iPhone. Nichts gegen Apple. Mir ist Apple egal, wie mir jede andere Marke egal ist. Wir plündern unseren Planeten aus, für Pippifax. Für jeden normalen Menschen ist es doch egal, wann er seine eMails checkt. Die reißen nicht aus, die liegen still im Postfach ohne zu rufen: Lies mich ... lies mich! Wieso machen das viele mit? Man muss auch nicht immer und überall erreichbar sein? Wieso? Die Welt geht davon nicht unter, wenn man später erreichbar ist, es sei denn wir sind als Menschen nicht mehr in der Lage ohne diesen Quatsch unser Leben zu organisieren. Dann sollten wir mal ganz ernsthaft überlegen, was wir an Menschlichkeit wegwerfen, nur um up to date zu sein. Ist es das wert? Unsere Müllberge wachsen, wir entsorgen sie in Afrika. Sollen die doch in unserem Müll ertrinken. Soll deren Land doch mit unserem elektronischen Schrott verseucht werden. 

Menschenrecht auf gutes Leben. Das heißt, Trinkwasser zu haben, jeden Tag essen zu können und nicht nur z.B. einen Maisbrei, sondern gesundes Essen, was jeder von uns darunter verstehen mag.

Menschenrecht auf gutes Leben heißt für mich, dass jeder zum Funktionieren der Gesellschaft im Rahmen seiner Möglichkeiten betragen sollte. Wir sind mit unserer Arbeitsproduktivität so weit, dass niemand mehr von uns 40 Stunden und mehr in der Woche gezwungenermaßen arbeiten müsste. 

Und hier kollodieren Menschenrecht auf ein gutes Leben mit dem sogenannten Menschenrecht auf Profite.

Nur, wenn wir alle nur noch auf unserem Hintern sitzen, der BILD glauben, der Merkel glauben, diese Person noch als erfolgreich definieren, wird es sicherlich das Menschenrecht auf Profite schaffen ganz oben als Menschenrecht definiert zu stehen und einklagbar zu sein. Dann wird das Menschenrecht auf ein gutes Leben überhaupt nicht angedacht werden.

Wir stehen am Scheideweg.