Samstag, 24. März 2012

Die Tür im Dorfe lassen

Man sagt, Gauck habe jetzt schon mehr Akzente gesetzt als Wulff.

Ja, ja, die Medien ... bescheiden sind sie. Da plaudert einer etwas zusammen, will mit Worthülsen jeden befriedigen und schon setzt er Akzente. So einfach ist das, aber auch nicht verwunderlich. Worthülsen - das ist schließlich das einzige, was diese Regierung und - ich würde mich gern eines Besseren belehren lassen - dieser Präsident auf Lager haben. Worthülsen. Mehr nicht.

Was steckt hinter seiner Freiheit?
Was steckt hinter seiner angeblich sozialen Ader?
Was steckt hinter seiner Liebe zu den Migranten?

Konkretes?

Was hat er denn gesagt, was mehr als Schlagworte gewesen wären?

Nichts!

Gestern noch wollte er am liebsten nicht in Stadtviertel gehen, wo die Altdeutschen (ich habe bis heute nicht verstanden, wen er da meinte) in der Minderheit waren und heute sind plötzlich die Migranten Teil von Deutschland. Wirklich? Meint er dasselbe wie ich? Oder vielleicht eher das, was am rechten Rand gerade noch so opportun ist?

Hat er etwas gegen die unsägliche Verfolgungsbetreuung der Arbeitslosen gesagt? Über die Kleinrechnung des Bedarfs der Kinder von Arbeitslosen?

Was versteht er unter "sozial"?

Eigenverantwortung - davon quatscht er. Eigenverantwortung kann man nur haben, wenn die materiellen Voraussetzung passen. Ohne Moos nix los - auch keine Eigenverantwortung.

Und manche können nicht eigenverantwortlich mit sich umgehen. Solche Menschen gibt es auch. Sind die deshalb schlechter als andere? Muss ich diesen Menschen dann auch noch das letzte Ehrgefühl nehmen?

Was hat er dazu so tolles gesagt - außer Worthülsen.

Hat er etwa richtig gestellt, dass er mitnichten ein Rebell in der DDR war? Sich angepasst hatte? Interessante Gespräche mit der Stasi führte? Hat er darüber gesprochen? Warum? Weshalb? Wieso lässt er sich immer noch als Feiheitskämpfer feiern?

Was ich mit Verwunderung festgestellt habe, ist, dass auch die von mir sehr geschätzten Nachdenkenseiten sich etwas haben einwickeln lassen. Unter anderen wird dort gesagt: Anders als in seinem jüngsten (dürftigen) Büchlein, wo er nahezu ausschließlich auf die individuelle Freiheit und die persönliche Verantwortung des Einzelnen in der Gesellschaft abhob, hat Gauck dieses Paradigma des individualistischen Liberalismus „ergänzt“ um Werte wie „soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufstiegschancen“. Sprechen Konservative üblicherweise eher von „Chancengerechtigkeit“ reklamierte der neue Bundespräsident eine eher von der fortschrittlich, emanzipatorischen Seite geforderte „Chancengleichheit“:

Sie geben ihm ein Vertrauensvorschuss. Hören auf sein Wortgeklingel. Von mir bekommt er den Vertrauensvorschuss nicht - der Gauck.

Für mich ist er das, was er ist: Ein Mensch ohne eigene Meinung, ein Opportunist, der weiß, was er wann und wo zu sagen hat. Davon habe ich gerade in der DDR viel zu viele kennengelernt. Er ist in dieser Hinsicht geradezu DER gelernte DDR-Bürger.

Eine Konstante gibt es bei ihm: Antikommunismus.

Reicht das?