Donnerstag, 8. März 2012

Internationaler Frauentag

Ein Parlament, welches nur gering besetzt ist - ist nicht neu - und eine Blubberaussprache zwischen den Politikern.

Renate Künast macht Gleichberechtigung darin aus, dass es eine Frauenquote in den Vorständen der DAX-Unternehmen gäbe. Sicherlich ist das auch notwendig, aber eigentlich mehr eine Nebensächlichkeit. Es gibt Dringenderes.

Lustig war, als Frau Künast einen Satz aus einem Brief eines Energie"versorgers" vorlas, dem sie eine Frage bezüglich Frauenquote/Vorstand gestellt hatte, der sinngemäß so beantwortete wurde, dass es doch Damen nicht zumutbar wäre, auf einen Platz gesetzt zu werden, den sie nicht ausfüllen könnten. Dabei schwenkte - gewollt oder zufällig - die Kamera auf unsere "formidable" Frauenministerin Schröder. Dieser Kameraschwenk zeigte genau das Problem.

Okay, DAMEN wäre es nicht zumutbar. Ich denke, dass hochqualifizierte FRAUEN dennoch im wirklichen Leben das Recht haben, in Vorständen zu sitzen.

Frauen haben vielfach die besseren Abschlüsse - und wo landen viele? An den Kassen der Supermärkte. In unseren Supermärkten sitzen viele studierte Frauen. Das ist das Jobwunder Deutschlands. Wir verschleudern Wissen und Können, nur weil Deutschland nicht gewillt ist, Menschen anständig zu bezahlen und ihnen eine Perspektive zu geben. Deutschland ist nicht gewillt Arbeitsplätze zu schaffen. Jobs sind einfacher zu generieren!

Wunderjobs! Ja, über die kann man sich wirklich wundern.

Aber zwischen einem Arbeitsplatz und einem Job liegen Welten. Jobs sind Gelderwerb auf niedrigstem Niveau. Ein unbefristeter Arbeitsplatz, der gut bezahlt wird, wo man geachtet wird - auch so ein Thema - wo man sich entwickeln kann, so etwas ist in Deutschland kaum noch vorgesehen. Wir jobben! Machen Arbeiten, die wir nicht wollen, die uns frustrieren, lassen uns von blöden Chefs anmachen, mobben und sollen dann noch motiviert sein. Wie soll das zusammengehen?

Frauen sind dann noch doppelt ausgebeutet. Sie sind diejenigen, die mehrheitlich in Jobs arbeiten, in Minijobs, und dafür noch weniger Geld erhalten, wie ihr männliches Pendant.

Frauen werden in diesem Land nicht ganz für voll genommen, wenn sie in Werkstätten ihr Auto abgeben wollen, werden in Arztpraxen schneller abgewiesen, werden in Geldangelegenheiten ignoriert. Gehe man mal mit seinem Mann zur Bank und wolle man dort sein Geld anlegen. Die/der Berater(in) sprechen zum Mann, seltener zur Frau. Ich freue mich dann immer wieder, wenn ich zum Abschluss des Gespräches das Wort ergreife ... und ablehne. Gebe man mal als Frau in einer Gaststätte zum Bezahlen die Kreditkarte dem Kellner. Er wird mehr oder weniger irretiert sein.

In der DDR gab es keinen Haushaltvorstand mehr. Hier in diesem tollen Staat schon. Das ist im Prinzip der Mann. Der steht der Familie vor.

Schauen wir mal die Waschmittelwerbung an. Frauen waschen in der Regel. Wenn das Männer machen (Spee Black), dann zeigen sie der Frau, wo die Harke hängt. Medizinwerbung. Wenn irgendjemand in der Familie eine kleine Erkältung hat, dann ist Frau die heilige Samariterin und reicht Meditonsin mit verzücktem Lächeln. Und wer spült das Geschirr? Frau spült das Geschirr. Ehe man sich dem heiteren Leben widmet, muss Frau noch das Geschirr in den Geschirrspüler "werfen" und hinterher ist sie total befriedigt, wenn sogar Plastikteile keine Trockenflecken mehr haben, sondern glasklar funkeln. Unter zwanzigjährige Frauen jubeln gestandenen Frauen Antifaltencremes unter. Die Haut einer Frau MUSS straff sein und ohne Falten (Okay, Männer sollen höchstens getunt daherkommen). Zeigt mir mal eine Frau im Fernsehen, die nicht mit ihren langen Haaren allen Frauen unterjubelt, dass sie so auszusehen habe: Haar lang, mit Reflexen gefärbt und mit asiatischer Haarstruktur, die kaum eine europäische Frau vorweisen kann. So und nicht anders soll Frau aussehen. Dass Frau auch im Alter noch dünn wie Twiggy zu sein hat - ist eine Selbstverständlichkeit. Frau hat busenfrei zu tragen oder verhüllt zu sein, Frau hat lila zu tragen, Frau hat Bauchnabel zu zeigen, Frau hat keinen Bauchnabel zu zeigen, Frau muss Hetäre sein, meist nur billiges Rotlichtflittchen, weil zur Hetäre bei vielen die Bildung nicht mehr ausreicht. Frau spüle duftend weich, so dass ihre Töchter vor Verzücken die Augen verdrehen. Frau kocht, möglichst mit Knorr oder Maggi.

Wenn "richtig hochwertig" gekocht werden soll, dann ist es ein vorwiegend ein Mann.

Und Frau wischt Staub. Frau verzweifelt, wenn der Staub nicht aus ihrer Wohnung gehen will.

Und warum lässt sich das Frau gefallen? Warum strebt sie nach diesem Bild? Warum will Frau Model werden? Warum ist es das, wonach sie strebt? Ein Kleiderständer zu sein? Warum spielt sie das Rollenspiel der Putzteufelin mit? Warum weiß Frau oft nicht, was sie wert ist? Warum zwängt sie sich in beängstigend hohe Hackenschuhe? Nur weil dann die Beine länger wirken? Wem interessiert es, dass die Beine länger wirken? Sie selbst kann es nur im Spiegel sehen. Sie will sexy sein. Für wen? Doch nicht für sich selbst oder für andere Frauen, höchstens gegen andere Frauen.  Wenn sie dann später nicht mehr hutschen kann, weil sie sich Füße, Rücken und sonstwas damit kaputt gemacht hat, interessiert es auch niemanden mehr. Man schaut sie mitleidig an und stellt die Frage, die man hätte vorher stellen sollen: Warum.

Teile und herrsche kann man auch hier sagen.

Erst wenn Frau beginnt, sich ihrem Wert bewusst zu werden, erst dann können wir davon sprechen, Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern verwirklichen zu beginnen. Und das ist nicht nur eine Aufgabe der Frau aus den gehobenen Mittelschichten, der Bildungsfrau. Das ist Aufgabe für alle Frauen, egal, aus welcher Schicht sie stammen. Gleichberechtigung durch den Einsatz von  Sex und Erotik zu erreichen, ist keine Gleichberechtigung, sondern ist letztendlich Selbstausbeutung. Frauen dürfen nicht ducken, sie müssen ihre Gleichberechtigung einfordern. Das ist heutzutage gar nicht so einfach, da selbst eine Schwarzer nicht mehr für Gleichberechtigung eintritt.

Armut heißt - vor allem Frau.
Minijobs heißt - vor allem Frau.
Diskriminierung im Alltag - heißt oft Frau. 
Ungleicher Lohn für gleiche Arbeit - heißt Frau.

In einer Zeit, wo Menschenwürde gaaanz klein geschrieben wird, kommt vor allem Frau unter die Räder. Erst kommt Mann, dann Frau, dann Ausländer, dann alleinerziehende Frau, dann Frau anderer Nationalität - das ist die Rangfolge. Und man spiele alle gegeneinander aus. Das ist Deutschland!

Sie muss sich dessen bewusst werden und darf nicht zulassen, dass Mann gegen Frau ausgespielt wird. Nur gemeinsam kann man das Ziel Gleichberechtigung erreichen. Nicht gegen - sondern mit Mann wird ein Schuh daraus.

Frauen in Chefetagen - auch das ist wichtig, aber ist nur ein winziger Teil des Problems, ein Problem von Frauen in einer bestimmten Schicht. Unternehmen werden dadurch nicht freundlicher, nicht besser, nicht menschenwürdiger. Die Frau an der Spitze unseres Landes führt es uns jeden Tag vor  Augen. Frau in Leitungsfunktion bedeutet kein besseres System.

Unser Problem ist: Menschenwürde für alle.

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