Samstag, 21. April 2012

Gelobtes Land



Hier der Trailer zu dieser 4-teiligen Fernsehserie auf arte.

"Gelobtes Land" erzählt die Geschichte der 18-jährigen Londonerin Erin (Claire Foy), die zum ersten Mal nach Israel kommt, und ihres Großvaters Len (Christian Cooke), der in den 1940er-Jahren als Soldat der britischen Mandatsmacht in Palästina stationiert war.

Erst dachte ich: Ohje, wieder mal ein Schinken, wie man ihn öfters sieht, langweilig und trashig, wieder mal aus der Sicht von den ach so verfolgten jüdischen Siedlern. 

Nein! "Gelobtes Land" ist ein sehr interessanter Fernsehfilm, der das Nahost-Problem aus der Sicht vieler Menschen zeigt. Man versteht auch das Palästinenser-Problem viel besser.

Peter Kosminsky, der den Film schuf, hat sehr lange recherchiert und sagt dazu:

"Ich zeichne keine Karikaturen, jede Figur basiert auf einem Menschen, den wir interviewt oder über den wir gelesen haben."

Und gerade das merkt man dem Film an. 

Besonders berührte mich eine kleine Episode, als Erin auf der Suche nach einem ehemaligen arabischen Freund ihres Opas auf einen alten Palästinenser trifft. Erin sucht gerade das Haus, wo der ehemalige Freund ihres Opas gelebt hatte. Sie - Erin, ein arabischer Freund, der sie unterstützt, und der alte Palästinenser - fahren durch das Dorf, halten an einem Haus und die Augen des alten Mannes werden feucht. Es war sein Haus. Nachdem der Staat Israel gegründet worden war, wurde er und alle anderen Dorfbewohner aus ihren Häusern vertrieben, dann zusammengetrieben und deportiert. Ja, man kann schon dieses Wort benutzen. Die Häuser wurden von jüdischen Siedlern übernommen. Der alte Mann kam zurück, fand sein Haus von anderen Menschen besetzt und er - und einige andere Vertriebene - gingen auf ihre Felder, campierten auf den nackten Boden, solange, bis sie Häuser bauen konnten. In ihr Dorf getrauten sie sich nicht zurück. Sie waren nicht gern gesehen. Alles Land, was jetzt dort durch die jüdischen Einwohner okkupiert war, gehörte früher den Arabern. Sie haben es einfach diesen Menschen gestohlen. Nun saß er in einem Auto vor seinem Haus mit feuchten Augen. Nein nicht so einfach mit feuchten Augen, man sah die innere Bewegung des alten Mannes in seinem Gesicht und litt mit ihm.

Und an dieser Stelle versteht man auch die Bombenanschläge. Ein verzweifeltes Volk schlägt zurück, aber wahllos. Schuldige und Unschuldige werden verstümmelt und getötet. Menschen, die für den Frieden mit Palästina eintreten und Zionisten. Nur, aus der Sicht von Palästinensern gibt es wohl keine Unschuldigen, da sich irgendwann in ihren Augen jeder jüdische Einwanderer schuldig gemacht hat. 

Man verstehe mich nicht falsch. Ich lehne jegliche Art von Gewalt gegen andere Menschen ab. Terroranschläge und staatsterroristische Gegenschläge bringen niemals Frieden, gebieren nur immer wieder neue Gewalt. 

Ich fand auch eine wahrscheinlich grundlegende Einstellung der Israelis in diesem Film wieder. So erklärte ein israelischer Freund von Erin, dass seine Eltern ihn an eine Stelle geführt hätten, wo man israelisches und arabisches Siedlungsgebiet sah. Das israelische grün, das arabische sandig. Ihm wurde dann vor Augen gehalten, welche Wohltat die jüdischen Siedlern diesem Land gebracht hätten, was sie mit den Boden angefangen hätten im Gegensatz zu den Arabern.

Bei meinem kurzen Aufenthalt in Israel wurde unserer Reisegruppe Ähnliches verklickert. Unser zionistischer Reiseleiter zeigte uns israelische Siedlungen und im Gegensatz dazu arabische. Er meinte, man sähe doch wohl den Unterschied: hier ordentliche Häuser, Straßen die rechtwinklig zueinander verlaufen, ein ordentliches sauberes Bild. Die arabische Siedlung dagegen, ein chaotisches Bauen. Seine Verachtung dafür war unüberhörbar. Er verstand nicht mal, dass seine jüdische Siedlung der prallen Sonne ohne Schatten ausgesetzt war und im Gegensatz dazu die arabische Siedlung schattenspendend gebaut wurde. 

Sicherlich, man könnte sagen, dass die jüdischen Siedler Großartiges aus dem Land gemacht haben, dass sie es haben Ergrünen lassen. Nur darf man dabei nicht vergessen, dass sie damals aus Hochtechnologieländern nach Israel kamen, mit einem ganz anderen Wissen und ganz anderem Know-How. Was hatte der kleine arabische Bauer oder der Nomade dagegen schon für Chancen? Und es stellt sich natürlich auch die Frage, wem haben sie das Wasser weggenommen, um wasserlose Gebiete in grüne Oasen verwandeln zu können. Der Kibbuz Lavi z.B. war bei seiner Gründung völlig wasserlos und ist heute eine grüne Oase. Sie haben einfach Wasser, was sie etwas entfernt gefunden haben, 100% auf ihren trockenen Hügel geleitet. Und was machten die anderen, denen sie das Wasser wegnahmen? Großartig wäre das alles immer noch gewesen, wenn sie es nicht nur für sich gemacht hätten, sondern für alle und auch ihre arabischen Nachbarn einbezogen hätten und sie nicht nur als billige Arbeitskräfte missbraucht oder sie von deren Land verjagt hätten. Frieden ist so nicht erreichbar.

Der Film fördert das Nachdenken über Nahost. Er zeigt an Beispielen, wie die arabischen Einwohner schikaniert werden, auch wenn sie einen israelischen Pass besitzen. Der Film zeigt, das große Gefängnis "Autonomiegebiete" und hat in mir die Erinnerung an Bethlehem wieder gebracht, an den kleinen stillen, arabischen Christen, der uns sein Leid Nahe brachte, unspektakulär, nur für die, die zuhören wollten. 

Ich kann allen nur empfehlen sich die letzten beiden Teile des Films bei arte anzuschauen. Sie kommen nächsten Freitag. 

Wer hören will - kann hören.
Wer sehen will - wird sehen.