Dienstag, 10. April 2012

Jetzt drehen se völlig durch

Tja, wenn mal jemand nicht so will, wie Israel, dann ist es halt schlimm. Dann ist er der Antichrist. Schlimmer als ein Antichrist: ein Antisemit. Ich weiß jetzt zwar nicht, was Antisemitismus mit Israel zu tun hat, da ja Israel ein Staat ist mit gemischter Bevölkerung. Sie wollen zwar gern ein jüdischer Staat sein, aber sie sind es nicht. Sie gehen den weg zu einem jüdisch-orthodoxen Staat und könnten sich dann die Hand mit muslimischen Gottesstaaten reichen. Dann wären sie genauso.

Israel hat auch ein gestörtes Verhältnis zur Meinungsfreiheit. Und nicht nur Israel, auch unsere Politiker und diejenigen, die gern eine Rolle spielen wollen. Über den künstlerischen Gehalt des Gedichtes von Grass kann man geteilter Meinung sein. Ich finde es von diesem Gesichtspunkt her auch gräßlich. Aber es ging Grass ja nicht darum, künstlerisch höchst wertvolle Verse zu schmieden, nein, er wollte Stellung beziehen. 

Stellung beziehen! Das gehört zu einem Staat, der demokratisch sein will und Meinungsfreiheit achtet. Meinungsfreiheit für das Griechenbashing oder Islambashing ist ja auch immer gegeben. Und keiner wird dafür gescholten - auch hier in Deutschland nicht - dass man ein Antimuslim sei. Hompages dieser Art werden niemals öffentlich gescholten und Bücher werden Bestseller, Hauptsache sie ziehen andere in den Dreck. 

Grass darf nun nicht mehr nach Israel einreisen. Okay, das wird ihn sicherlich nicht treffen, denke ich mal. Ich würde auch nie wieder nach Israel reisen wollen. Mir reichte das eine Mal, was - hinterher betrachtet - wohl einmal zuviel war. Man soll eigentlich keine rassistische Staaten mit seiner Anwesenheit beehren. Den Vogel schießt nun Israel ab, indem es fordert, dass Grass seinen Literaturnobelpreis wieder abgeben solle, bzw. dass man den ihn wieder wegnehmen solle.

Das heißt im Umkehrschluss: Nur der- oder diejenige, der oder die freundlich zur militaristischen Israelpolitik stehen, darf noch einen Literaturnobelpreis erhalten. Vielleicht will Israel auch vorher gefragt werden. Man weiß ja nie.

Ich trauere um jedes jüdische und arabische Kind, um jede Frau, jeden Mann, die durch den Wahnsinn in dieser Region umkommen. Ich traure darum, dass es den Menschen dort nicht möglich ist, sich miteinander zu verständigen. Beide Völker - Araber und Juden - sind aus der Wüste gekommen. Beide Völker waren Nomaden und wurden dann sesshaft. Beide Völker haben die gleichen Speisen. Beide Völker essen das gleiche nicht. Beide Völker sind Geschwister im Glauben. Beide Religionen beruhen auf dem Alten Testament. Man muss sich als Geschwisterkinder nicht lieben, aber vernünftig miteinander umgehen, sollte man schon können. Beide Seiten!

Bei meiner Reise nach Israel habe ich die Ansichten unseres Reiseleiters erlebt. Er war nicht irgendein Reiseleiter. Er war hoher Militär, jetzt pensioniert, der vor der Bundeswehrakademie gesprochen hatte, Verhandlungen mit Jordanien mit geführt hatte, in der NATO kein Unbekannter war und in meinen Augen war er vielleicht sogar ein inoffizieller MA des Mossad. Aber Letzteres ist nur eine Vermutung, so als gelernter DDR-Bürger, denn wieso tingelt so ein Militär mit Touris durchs Land. Dieser Reiseleiter hat seine arabischen Mitbürger auf der Straße wie den letzten Dreck behandelt und auch gesagt, dass DIE nur die Sprache der Gewalt verstehen.

Das zu dieser offiziellen Poltik, die auch von vielen Bürgern Israels mit getragen wird. Von Demokratie ist da nicht die geringste Spur zu finden. Und ich denke, genau das muss ihnen auch gesagt werden. Dieses kuschen ... dieses herumschleimen ... Das hat nichts mehr mit dem Holocaust zu tun, dass ist einfach nur mieß. Grenzen müssen in dieser Region ALLEN aufgezeigt werden und - oder gerade auch - Freunden. Und eine Freundschaft ist nur eine Freundschaft, wenn sich beide auf Augenhöhe begegnen und Kritik vertragen können, auch und vor allem Israel.