Montag, 30. April 2012

Von Toren und Eigentoren

Ich weiß nicht wirklich, was in der Ukraine passiert. Den Medien kann man nicht trauen, eine objektive Berichterstattung gibt es in Deutschland nicht. Ich erinnere an Cholodkowski, da konnte Deutschland absolut nicht verstehen, dass auch dieser Herr Steuern in seinem Land zahlen muss. Zurück zu Ukraine.

Die Politiker übertreffen sich mit ihren Boykotterklärungen bis hin, dass man den Fußballern nicht gestatten wollte, an der EM teilzunehmen. Das ist mir im Grunde genommen egal. Als die Olympischen Spiele in Los Angeles und in Moskau von der jeweils anderen Seite boykottiert wurde, haben nur die Sportler der jeweiligen Seite darunter gelitten. Kein Mensch sagt heute noch: Eigentlich hast du die Goldmedaille in Moskau gar nicht verdient, weil der oder die nicht dabei waren. Olympiasieger ist Olympiasieger. Großes Getöse und nichts war hinterher anders.

Was Frau Timoschenko gemacht hat oder nicht, kann ich nicht sagen. Aber diese Gewese um eine einzige Frau, die sicherlich auch nicht unbedingt sauber ist, kann ich nun schon gar nicht verstehen. 

Ein Neurologe aus Deutschland weiß z.B. ganz genau, als er die sich zurückbildenden winzigen blauen Flecke sah, dass Frau Timeschenko misshandelt worden ist. Ein Neurologe! Wenn es danach geht, bin ich eine immer und ewig, fast alltäglich misshandelte Frau. Ich weiß manches Mal gar nicht, wo ich mich gestoßen habe, wenn ich wieder mal einen blauen Fleck an mir entdecke.

Nun hat sie auch noch einen Bandscheibenvorfall. Und jetzt wird es lebensgefährlich. Sie hat für sich entschieden, in den Hungerstreik zu treten. Hungerstreik und Bandscheibenvorfall, der nicht behandelt wird, auch, weil Frau Timoschenko - das muss ja auch mal dazusagen - ukrainische Ärzte ablehnt.

Okay - apropos Bandscheibenvorfall. Ich habe äußerste Mühe gehabt eine Orthopädietermin in Deutschland zu erhalten. Meine kaputte Wirbelsäule interessiert nur am Rande. Meine täglichen Schmerzen überhaupt niemanden. Oft muss ich auf Betteltour wegen Medikamenten gehen.

Aber Deutschland setzt sich aufs hohe Ross. Typisch Deutschland - großes Maul, nix dahinter. Man kann keine Fußball EM in einem Land abhalten, welches es nicht mit den Menschenrechten so genau nimmt, meint man.

Dass ich nicht lache. Wir waren zu den Olympischen Spielen in China. Hat das jemanden interessiert, dass dort Menschenrechte mit Füßen getreten werden, dass Tibet besetztes Gebiet ist, gegen den Willen der Tibeter, dass Minderheiten in China untergebuttert werden?

Wir sind dick befreundet mit Saudi Arabien, mit Israel - Länder, die das Wort Menschenrecht nur insoweit kennen, dass sie es fänden, wenn sie im Wörterbuch nachschlagen würden, aber sie machen nicht mal das.

Es gab Freundschaften mit Pinochet und allen anderen damaligen Diktaturen in Lateinamerika.

Und wie sieht es mit den Menschenrechten in Gottes eigenem Land aus? Menschenrechte in den USA sind weiß und gut betucht. 

Und in Deutschland? In Deutschland existieren die Menschenrechte nur für Menschen, die eine nicht schlecht bezahlte Arbeit bis sagenhaft bezahlte ihr eigen nennen, alle anderen sind unter staatliche Kuratel gestellt. Und "Deutsch" muss man in Deutschland sein und christlich. Für Menschen, die im Koran lesen, wird es in Deutschland mit den Menschenrechten schon eng. Flüchtling darf man auch nicht sein, dann ist man ganz unten - total rechtlos - bedroht im Abschiebeknast zu landen und misshandelt zu werden.

Man sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt.