Montag, 2. April 2012

Was sind die Grünen?

Sie kommen mir immer mehr wie die modernere FDP vor - eine FDP mit grünem Anstrich. Leipzig bereitet sich auf die OB-Wahl vor. Auch ein Grüner will neuer OB werden. Ich mag unseren jetzigen Theologen mit SPD-Mitgliederausweis zwar nicht, aber besser der, als grün. Die Grünen sind in meinen Augen diejenigen, die sich nicht vorstellen können - vor lauter Ideologie - mit welchen finanziellen Problemen sich Lieschen Müller herumschlagen muss und sicherlich auch ihr Pendant Hans Jedermann. Sie sind für die Gut- und Besserverdiener da, nicht für die anderen.

Richtig: Die Energieversorgung sollte hin zu erneuerbaren Energien. Das will der grüne Kandidat erreichen. Das klingt gut. Wer wollte nicht, dass gerade hier in der Gegend die Kohleabbaulöcher sich nicht vergrößern. 

Nur, woher kommen die erneuerbaren Energien? Auch aus Pflanzen? Und woher kommen die Pflanzen? Und wer produziert dann Nahrungsmittel? Okay, Gut- und Bestverdienern ist das egal, die können sich ein Brot immer leisten, aber die anderen?

Richtig: Der Öffentliche Nahverkehr soll ausgebaut werden. Das unterstreiche ich ganz dick. 

Nur, Straßenbahnen reichen nicht aus. Wie sollen Arbeitnehmer zu ihren 5-Euro-Jobs an den Stadtrand auf die grüne Wiese kommen? Die fahren nicht freiwillig jeden Tag mit ihrem Auto zur Arbeit. Mit welchem Geld sollen die dann das Benzin kaufen?

Richtig: Er will, dass die Menschen nur noch in seltenen Fällen Fernreisen unternehmen. Er will, dass das Fliegen sauteuer gemacht wird, wegen des Klimaschutzes. Sicherlich muss man nicht inländisch unbedingt fliegen. Das unterstreiche ich.

Nur, ich habe den leisen Verdacht, dass er die Flieger vom Pöbel säubern will. Ich hatte mal einen Chef, der eigentlich ein guter Chef war, der regte sich total darüber auf, dass er überall, wo er auch im Ausland hinkäme, Ostdeutsche anträfe. Hat der OB-Kandidat vielleicht die gleiche Intention? Dass er nicht überall Lieschen Müller treffen wolle? Denn er könnte sich ja leicht Fernreisen leisten. Und, was sind dringende Fernreisen? Politikerreisen? Ich finde auch, dass durch das Reisen in fremde Länder, Haltungen verändert werden können. Nicht bei allen. Manche reisen in Deutschlandblasen. Aber es gibt auch viele Menschen, die ihren Horizont erweitern, wenn sie andere Kulturen erfahren. Will er das Lieschen Müller wieder haben, was wir aus der DDR kennen? Schön eingesperrt. Dieses Mal mangels Geld? Wie hat er sich dann die Tourismusindustrie in anderen Ländern vorgestellt. Viele Familien in aller Welt sind davon abhängig, dass Menschen ihre Länder besuchen und Geld da lassen - nicht nur Hotels. Und meint er allen Ernstes, den Klimawandel stoppen zu können, nur wenn Lieschen Müller keine Fernreisen mehr machte? Weiß er denn überhaupt, warum es Klimawandel gibt? Hat er schon mitbekommen, dass Klimawandel auf der Erde völlig normal ist? Dass das Klima auf der Erde schon immer instabil war, mal dorthin ausschlug und dann wieder zurückpendelte?

Richtig: Er will die unter ihrer Last brechenden Fleischbuffets bei Veranstaltungen im Rathaus kappen. Die müssen nicht unbedingt sich kostenlos den Bauch vollschlagen. Was heißt kostenlos - auf Kosten der Steuerzahler.

Nur, ich glaube, dass sich dahinter der Zeigefinger versteckt, den wir in letzter Zeit jeden Tag sehen. Iss kein Fleisch, werde Vegetarier, sei kein Tiermörder (im schlimmsten Fall). Gut, ich sehe Vegetarismus auch nicht als psychische Krankheit an. Jeder möge das für sich selbst entscheiden. Nur, Menschen wurden zu Menschen auch durch Fleischverzehr. Wir waren Jäger und Sammler und haben nur Gesammeltes gegessen, wenn die Jäger erfolglos waren. Im Mittelalter sind die Adligen alt geworden und die haben sich nicht nur von Hirsebrei ernährt, wie die einfachen Schichten. Will er Fleisch wieder zu einer Speise der Gut- und Bestverdiener machen? Und soll für uns der Hirsebrei übrig bleiben? Vielfach wird das ja mit Tierliebe verbrämt - eine typisch städtische Einstellung. Auch ich bin dafür, dass Haustiere ordentlich gehalten und ordentlich geschlachtet werden sollen. Das hat die Menschheit schon seit Tausenden von Jahren so gehandhabt. Ich glaube aber, solange der Mensch bestialisch gegenüber seiner Art ist, wird er auch kein Herz für Tiere haben. Schauen wir uns das Arbeitsleben heutzutage an. Arbeitnehmer werden drangsaliert, so dass immer mehr psychisch krank werden. In so einer Zeit, wo der Arbeitnehmer nur "VERWENDUNG" findet, bei Kündigung sich um "ANSCHLUSSVERWENDUNG" kümmern soll, in so einer Zeit, werden Tiere auch nur VERWENDET. Und, was die Vegetarier und insbesondere die Veganer nicht bedenken: Keine Fleischproduktion - keine Haustiere. So einfach ist das. Die Vegetarier werden noch ein paar Hühner dulden, Milchkühe, dann ist Schluss. Was machen sie dann mit den Bullen und Hähnen? Kommen die dann in den Zoo? Ach, ich vergas, den mögen die ja auch nicht.

Richtig: Die Wachstumsorgien sollte es nicht mehr geben.

Nur, ich glaube, dass man Wirtschaftswachstum - was man darunter versteht - definieren muss. Wir werden in der Welt immer mehr Menschen, also muss es auch Wirtschaftswachstum geben. Was wir nicht benötigen, sind jedes Jahr neue Automodelle, Handymodelle, aller halben Jahre eine neue Modelinie, die auch immer wieder nur von früher abgeguckt wird. Was wir nicht benötigen, sind Statussymbole, zu einer Markengemeinschaft dazuzugehören. Verschiedene Konsumgüter sollten hinterfragt werden, wie Anti-Aging-Produkte (Palmöl), sowas wie PC-Pads (seltene Erden), sind sowieso keine vollwertigen PC's, immer neue Spielekonsolen, überbordende Produkte ein und derselben Machart, wie z.B. die xMal produzierten immer wieder dieselben Waschmittel, die nur eine Markengemeinschaft suggerieren, aber keinen Extranutzen haben. Lifestyle-Medikamente - wer braucht die schon wirklich? 

Wirtschaftswachstum bringt auch Innovationen, wirkliche Innovationen, hervor. Wollen wir das verhindern? Dann käme es zum Stillstand und zum Rückschritt. Sicherlich könnten wir eine bestimmte Schritte rückwärts ohne Weiteres verkraften. Nur, wenn erst einmal der erste Schritt in diese Richtung gegangen wird, dann wird es keine untere Auffanglinie mehr geben. Ich bin froh, dass es heutzutage Waschmaschinen und Kühlschränke gibt. In diesem Zusammenhang müsste auch die Frage geklärt werden, wovon die Menschen dann mehrheitlich ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen.  Neue Arbeitsmodelle müssten entwickelt werden. Und das alles geht nur jenseits unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, so wie sie heute funkioniert, eher nicht funktioniert.

Ich denke, dass sind viele Fragen, die ernsthaft diskutiert werden sollten. Fragen, wo man keine einfache Antwort in Kürze zur Hand hat. Fragen, die ein Für und ein Wider haben. Fragen, die in kein Wahlprogramm passen, da es ernsthafte Fragen sind, die das Wohl aller Menschen beeinflussen. 

Ich z.B. möchte in keiner Ökodiktatur leben. Ich möchte nicht vorgeschrieben bekommen, was für mich gesund ist und was mich krank machen könnte. Letztendlich weiß das niemand wirklich so genau. Und - was ich nun überhaupt nicht haben kann - dass mir jemand vorschreibt, was ich zu essen und zu trinken habe und was nicht. Das z.B. gehört für mich zur Eigenverantwortung. 

Also lieber den jetzigen OB, als diesen Grünen, aber noch lieber Frau Höll von den Linken.