Freitag, 4. Mai 2012

Ein Ball wurde mal wieder in die Luft gespielt

Und der wird solange gespielt bis alle müde sind, ihn empört ins "Aus" zu werfen.

Die FDP mal wieder. Es sollen wieder mal die Alten ins Abseits gestellt werden. Unser sogenannter Gesundheitsminister Bahr sprach wieder einmal an - es ist ja nicht das erste Mal -, dass man den Rentnern keine neuen Knie- und keine neuen Hüftgelenkt gönnen sollte. Ist ja einfach: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht schmerzfrei und beweglich sein. Wer nicht arbeitet, der wird aus der Solidargemeinschaft ausgeschlossen. Okay, Krankenkassenbeiträge dürfen diese ökonomisch Nutzlosen noch zahlen, sonst haben se eben Pech gehabt.

Kauder beruhigt anscheinend, tönt, dass notwendige Leistungen natürlich erbracht werden.

Beruhigend klingt das aber überhaupt nicht. Wenn der Gesetzesgeber "notwendig" so arg einschränkt, dass im Grunde genommen fast nichts mehr als notwendig erachtet wird, dann kommt es eben dazu, dass ein großer Teil der Bevölkerung keine Krankenkassenleistungen mehr erhält. Zahlen darf er freilich noch.

Ob alle OPs wirklich notwendig sind, kann ein Herr Bahr oder ein Herr Kauder wohl nicht einschätzen. Auf der anderen Seite finde ich den Vorwurf der unnötigen OPs sehr scheinheilig. Wer will denn am laufenden Band aus dem Gesundheitswesen eine Gesundheitsindustrie machen? Wer dringt darauf, dass Krankenhäuser Gewinn erwirtschaften? Genau die gleichen Leute. Und wenn jetzt den Krankenhäusern Teile des Geldes für diese OPs gestrichen werden (Die Fraktionen von Union und FDP hatten sich mit FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr am Mittwoch auf dauerhafte Abschläge für sogenannte Mehrleistungen der Kliniken geeinigt.), ist es das Gleiche, als wenn man diese OPs für einen bestimmten Teil der Bevölkerung streicht. Es hört sich nur eleganter an. 

Schönstes Beispiel für diese Scheinheiligkeit habe ich heute erlebt. Ich habe eine sogenannte Zusatzleistung bezahlen müssen. Auf der Rechnung steht, dass ich doch wüsste, dass meine Krankenkasse alle notwendigen medizinischen Leistungen lt. Gesetz mir angedeihen ließe. Und es wird festgestellt, dass ich dennoch diese Leistung haben möchte und sie deshalb gefälligst selbst zahlen müsse. Als ob ich aus Jux und Tollerei mich ein paar Stunden zum Arzt gesetzt hätte und Untersuchungen über mich ergehen lassen würde. Das macht man doch nur, wenn man wirklich ernsthafte Probleme hat. Das schönste an der Sache ist, dass die Krankenkasse die Leistung bezahlt, wenn meine Wirbel gebrochen wären. Dann wäre aber die Kacke wirklich am Dampfen, dann wäre es 5 vor 12 und die Krankenkasse müsste ein Vielfaches an Leistungen berappen. Vorsorge gilt eben nicht. Oder mal nachschauen, ob nicht die andauernden Schmerzen gerade da herkommen.

Wir hören hier das Vorgeklingel dessen, was die Griechen und Spanier schon tagtäglich erleben müssen. Nur, wir schlucken das eben und gehen nicht auf die Barrikaden. Das wird solange gehen, bis es zu spät ist. Obwohl, zum Wehren ist es nie zu spät! Man muss sich eben nur trauen und da liegt doch wohl in Deutschland der Hase im Pfeffer.