Donnerstag, 24. Mai 2012

Links? Oder wie?

Ich bin Wählerin der LINKS-Partei. Gewesen. Ich sehe einfach keine Linke mehr. Wo sind sie? Es reicht nicht, wenn ein Herr Gysi oder eine Frau Wagenknecht mir aus dem Herzen sprechen. Zwei Personen machen noch lange keine Partei aus. 

Ja, ich mag Lafontaine nicht. Eigentlich nicht. Aber, und das ist nicht von Liebhaben abhängig, er spricht fundiert und zukunftsweisend. Was er sagte, ist bisher immer eingetreten. Ihn würde ich sofort wählen, neben einer Frau Wagenknecht oder einem Herrn Gysi. 

Nun hat man Lafontaine verprellt. Nichts gegen Ostlinke, aber sie haben auch nach 20 Jahren Westen nicht wirklich Erfahrungen, wie man Wahlkämpfe gestaltet. Sie haben noch nie ins  ganz Innere des Politiklebens schauen dürfen und wenn, nur flüchtig. Wir im Osten haben nicht so gelernt zu schauspielern und sind nicht so rhetorisch geschult, so dass der Redengegner immer sofort an der Wand steht. 

Linke Politik sieht für mich auch etwas anders aus, als sie sich in den Ländern darstellt, zumindest in Sachsen - hier aus Anschauung - und in anderen Ländern aus Berichten.

Linke Stadträte waren beteiligt am Verkauf der Dresdner Wohnungen an eine Heuschrecke. Ein Linker hätte wissen müssen, dass Heuschrecken keine Verträge einhalten, dass sie gewieft sind und nur ihren eigenen Vorteil im Auge haben. Das weiß ein richtiger Linker, aber anscheinend einer aus der Stadt Dresden nicht.

Linke Minister. Auch so etwas, was ich nicht verstehen kann. In einer Republik, die von einer handvoll Menschen als Graue Eminenzen regiert wird, wo die Länder nur sehr bedingt über einen Handlungsspielraum verfügen, in so einer Republik linke Politik in einer Regierungsbeteiligung durchsetzen zu wollen, ist Spinne, Selbstüberschätzung oder man ist nicht wirklich links, sondern ein Anschmeichler an die herrschende Politik und Ideologie. Die Medien nennen dann so etwas Realo, was nichts anderes ist, als nicht über den aufrechten Gang zu verfügen. 

Ein Linker kann es der herrschenden Klasse nie recht machen, auch wenn er Kopf stehen würde, mit den Füßen wackelte oder was auch immer für Künste vorführen würde, es geht nicht. Links sein heißt, die Eigentumsverhältnisse in Frage zu stellen. Mit Verlaub, dass kann ich mir nicht bei einem Herrn Bartsch vorstellen. 

Linke Minister haben sich beim Sozialabbau in den Ländern beteiligt, sind gegen Migranten vorgegangen, haben privatisiert ... Es gibt sicher auch Gegenbeispiele, die mir aber nicht einfallen. Ich denke es nur, da es immer Menschen gibt, die ein Rückgrat haben und ihre Aufgabe wirklich ernst nehmen. 

Nur, was halte ich von einer Linken, die in Leipzig 40 TEUR aus dem Konjunkturpaket II für Trümmer verjubelt hat. Gut es waren ideologisierte Trümmer, Trümmer einer in der DDR gesprengten Kirche. Gesprengt mit den daran anhängenden Ruinen der alten Leipziger Universität. 40 TEUR, um ein Mahnmal mit Park für diese Trümmer zu schaffen. Gut, wenn es in Leipzig Geld en masse gäbe, wäre das völlig egal, aber das Geld für wirklich wichtige Projekte fehlt, Schulen verkommen, Kindertagesstätten, Kulturstätten werden geschlossen, weil man sie nicht mehr renovieren kann, wie z.B. das Naturkundemuseum, aber wir haben 40 TEUR für Trümmer und die Linke hat zugestimmt. Bei Nachfrage: Es war ein Kungelgeschäft. Meine Stimme gegen Geld für Sportstätten. Aber für mich ist das indiskutabel. Die Sportstätte hat Geld erhalten (wirklich?) und alles andere verfällt, Hauptsache es wurde ein Zeichen gegen die DDR gesetzt, die schon gut 20 Jahre tot ist. Fein! Oder auch nicht.

Die Linkspartei. Ich kann mich einfach nicht daran erinnern, sie in den letzten Monaten oder auch Jahren aktiv gesehen zu haben. 5 Minuten von mir entfernt ist das Wahlkreisbüro der Linkspartei. Ruhe sanft. Wo blieben die Diskussionsrunden? Wo blieb die Aufklärungsarbeit? Wo blieben die Einladungen an die Bevölkerung? Und Aufklärungsarbeit wäre wahrlich nötig, wenn man sich die verlogenen Medien ansieht. Wenn man die gefälschten Statistiken durchpflügt. Wenn man dieses Schönreden der Regierung nicht mehr hören kann. Wenn man aufbereitete Fakten erfahren möchte. Nicht jeder surft im Internet und informiert sich dort. Wo ist die Linkspartei?

Wieviele Personen wollen nun den Vorsitz übernehmen? Fünf? Zehn? Weniger? Mehr? Nichts gegen das Wollen, eine Partei zu führen, aber können die das auch? Ich kenne von den Frauen nur eine: Katja Kipping. Diese Dame ist mir des Öfteren nicht gerade angenehm aufgefallen. Sie will keine Israelkritik und setzt diese mit Antisemitismus gleich. Ein Totschlagargument. Sie ist gegen die "Junge Welt". Gut, ich mag diese Zeitung auch nicht immer und denke auch oft anders, aber diese Zeitung ist die einzige, die mal andere, tiefgründigere Artikel schreibt, als die unternehmergesteuerten anderen Medien. Was hat eine Frau Kipping zu bieten? An Programmatik z.B.? Was wöllte sie erreichen, wenn sie Vorsitzende wäre? Die anderen Frauen sind unbeschriebene Blätter, wo nicht ersichtlich ist, welche Qualitäten sie mitbringen und wofür sie stehen. Frau sein und guten Willen zu haben ist kein Wert an sich. Ein Herr Bartsch will das "Erfurter Programm" auf den Prüfstand stellen. Will er die Linke zur SPD führen?

Die LINKE. Wie ich jetzt las, wurde auf der linken Buchmesse ein Buch des Laika-Verlages über die Solidaritätsfahrt nach Palästina, lauter Erlebnisberichte, abgelehnt. War nicht auch die LINKE gegen diese Solidaritätsfahrt?

Wozu braucht es noch die LINKE? Mir fällt zur Zeit keine Antwort auf diese Frage ein. Schade. Denn eine wirkliche und aktive Linke ist mehr denn je notwendig, auch und vor allem wenn sie keine Regierungsbeteiligung anstrebt. Eine Frage hinter der Tür: Welches Bundesland ist sozialer geworden mit einer linken Regierungsbeteiligung?

Ich denke, dass eine linke Politik klein anfangen muss. Wichtig wäre, die Aufklärung der Menschen. Wichtig wäre, in der Praxis, auf der Straße etwas zu tun, damit wir nicht immer weiter in das "Teile und Herrsche" hineingetrieben werden. Das wäre eine Knochenarbeit für die LINKE. Sie würde auch nicht ein Hurra ernten. Sie würde Misserfolge wegstecken müssen. Zu tief sitzt die Verblendung vieler Menschen. Sie müsste den Menschen auf der Straße erzählen, weshalb z.B. Griechenland in der Kacke sitzt. Sie müsste den Menschen auf der Straße erzählen, dass nicht Deutschland der Zahlmeister Europas ist, sondern dass die Unternehmen und Banken uns alle einheitlich ausplündern. Dafür würde sie Anfeindungen der Menschen auf der Straße einstecken müssen, weil die Menschen nicht gewohnt sind, so zu denken. Sie müsste auch die Paragraphen der Europaverträge publik machen, die zeigen, dass Deutschland durch seine Dumpingpolitik die Verträge verletzt hat und den wirtschaftlich schwächeren die Luft dadurch abgegraben hat. Alles das ist nicht leicht jemanden zu erzählen und Gehör zu finden, aber genau das müsste sie machen. Es reicht nicht, wenn ein Herr Gysi das im Bundestag sagt. Wie viele Menschen hören das? Schwere, anstrengende und wenig werbewirksame Basisarbeit - das wäre für die Linkspartei angesagt. Und Vorsitzende mit Charisma. Ohne geht nicht!