Mittwoch, 2. Mai 2012

Namen sind verräterisch

Gestern haben wir den "Tag der Arbeit" gefeiert, zelebriert oder wie auch immer. Was heißt das denn "Tag der Arbeit". Zelebrieren wir damit, dass Loblied auf die Arbeit? Ist es vielleicht das Hohelied auf "Pflichterfüllung" beim Niedrigjob, bei der Leiharbeit oder beim Minijob? Feiern wir "Arbeit  ist Kraft mal Weg"? Oder die philosophische Arbeit: das bewusste schöpferische Handeln des Menschen? Doch vielleicht besser für unsere ökonomisierte Zeit: Arbeit ist eine Komponente der Produkterzeugung? 

Feiern wir am 1. Mai den Tag einer Komponente der Produkterzeugung?

Sprache ist verräterisch. Aus dem Kampftag der Arbeiterklasse wurde ein Wischiwaschi-Tag. 

Der 1. Mai wurde das 1. Mal 1890 gefeiert. Zu diesem Datum wurde er als Kampftag der Arbeiterklasse ausgerufen.  Anlass war das Gedenken an einen Generalstreik begonnen am 1. Mai 1886 zur Durchsetzung des 8-Stunden-Tages. Viele Streikende starben an diesem Tag durch Polizeiwillkür.

Er wurde in seiner Geschichte ein Tag zwischen Blüten und Blut.

Erinnert sei nur an den 1. Mai 1929 in Berlin. Er wurde der Blutmai. Die Weimaer Republik verbot im trauten Zusammenspiel mit der SPD die öffentlichen Demonstrationen zu diesem Tag. Viele Arbeiter, aus dem linken Spektrum, auch aus der SPD und andere Arbeiter wollten sich diesen Tag nicht nehmen lassen. Männer, Frauen und Kinder ... sie wurden schon von der Polizei erwartet und zusammengeschossen.

Unter Hitler wurde der Kampftag der Arbeiterklasse zum "Tag der nationalen Arbeit". Die Bundesrepublik Deutschland ließ in der Folge nur das "national" weg. 

Aus dem Kampftag wurde ein Tag wo Pappi sein Bier trinken geht und die Gewerkschaften hohle Phrasen dreschen. Mittlerweile sollten wir wieder wenigstens um einen 8-Stunden-Tag kämpfen.

Der 1. Mai 2012 gab sich den Anstrich, kämpferisch zu sein. Die Gewerkschaften forderten vehement einen Mindestlohn von 8,50 EUR, wo jeder weiß, dass 8,50 nicht zum leben reicht. Wo jeder weiß, der es wissen möchte, dass ein Mindestlohn mindestens 10 EUR betragen muss. So haben sich die Gewerkschaften schon wieder selbst amputiert. Und, was es heißt, wenn die Gewerkschaften von Betongrenze sprechen (bei 8,50), weiß jeder, der das Tun der Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen beobachtet. Aus Beton wird ganz schnell Sand. 

Ein gewisser Herr Gabriel gab sich kämpferisch und verlangte gute Löhne für gute Arbeit. Leider vergaß er dazuzusagen, dass seine Partei den Grundstein dafür legte, dass es heute fast nur noch Hungerlöhne gibt. Seine Partei ist  - gemeinsam mit den Grünen zusammen - der Verursacher des größten Niedriglohnsektors in Europa. Er ist im Verein mit den Grünen daran schuld, dass die Menschen bis 67  offiziell arbeiten müssen, was sie nicht schaffen können. Das wusste die damalige rot-grüne Regierung auch. Sie wusste, dass sie en masse arme Menschen generiert. Sie haben sich, wie die SPD schon immer in ihrer Geschichte, der Klasse der Besitzenden kriecherisch ausgeliefert, um gut bezahlte Pöstchen erhalten zu können. 

Was interessieren Herrn Gabriel die Leiharbeiter? Was interessieren Herrn Sommer die Menschen auf H4?

Es gibt keinen "Kampftag der Arbeiterklasse" mehr. Es gibt nur noch den Tag einer Komponente der Produkterzeugung. Mehr nicht!

Wann wird der 1. Mai endlich wieder ein Kampftag derjenigen, die die Werte schaffen? Im Selbstlauf wird das nicht so einfach über uns kommen. Ich sehe aber weit und breit niemanden, den das interessieren könnte. Auch auf der Website der Linken ist nirgendwo von einem Kampftag die Rede (wenn ich es nicht überlesen haben sollte).