Montag, 4. Juni 2012

Das kann man doch uns nicht zum Vorwurf machen

Oder? Wir waschen unsere Hände in Unschuld. Waffengerät für Saudi-Arabien. Wer kann denn wissen, dass diese zur Niederwerfung von Demonstrationen anderswo verwendet werden? Na wer denn?

U-Boote für Israel. Na macht es doch halb so. Können wir etwas dafür, wenn die Israelis diese mit irgendwelchen Marschflugkörpern oder welchen Sprengkörpern auch immer bestücken? Deutschland liefert schließlich NUR die Hülle, die tauchen kann. Und solche Spekulationen von wegen atomare Sprengköpfe. Hat überhaupt Israel die Atombombe? Atomare Sprengköpfe? Gerüchte ... Gerüchte ... Gerüchte ... Schließlich muss sich Gottes eigenes Volks schützen. Jeder will ihm etwas Böses antun. 

Jeder ist gleich der Iran. Tja, wenn der von uns U-Boote bekäme, dann würde ich die Aufregung verstehen. Schließlich bedroht der Iran auch Deutschland. Irgendwie. Der Raketenabwehrschirm ist schließlich nicht installiert worden, nur damit Rüstungskonzerne Geld verdienen können. Oder? Er soll uns vor dem Iran UND vor Nordkorea schützen. Die lauern schließlich nur darauf unsere tolle freiheitliche Ordnung zu zerdeppern. 

Aber, so stehen wir fest an Israels Seite. Wer an Waffenlieferungen, welcher Art auch immer, in eine spannungsgeladene Region zweifelt ist antisemitisch. Das muss schon mal festgestellt werden. Wir verteidigen dort unsere jüdisch-christliche Tradition gegen die jüdisch-islamische Tradition. 

 - Stoße sich jetzt niemand an dem Wort "jüdisch-islamisch". Da wir neuerdings immer von einer jüdisch-christlichen Tradition sprechen, müsste eigentlich auch über eine "jüdisch-islamische" Tradition gesprochen werden. Beide Religionen sind die jüngeren Geschwister des alten abrahamitischen Glaubens und erzählen die religiösen Märchen in etwa gleich mit kleinen Unterschieden, manches Mal größeren, je nach Ansicht. Das aber nur nebenbei. -

Nach Deutschlands Lesart sind Waffenverkäufe nicht viel anders als der Verkauf von Brot. Es besteht nur der kleine Unterschied, dass Waffen töten und Brot lebensnotwenig ist. Aber, nach Deutschlands Lesart, können wir als Produzenten schließlich niemanden vorschreiben, wofür oder besser wogegen er Waffen einsetzt. Wir sind da völlig unschuldig, wenn unschuldige Menschen damit ermordet werden. Auch wenn sie schuldig sein sollten. Nur, wer bestimmt, ob jemand schuldig oder unschuldig ist? Der Sieger des Gemetzels?

Waffen in Krisenregionen! Stopp. Ein U-Boot ist keine Waffe! Es ist ein Schiff, was unter Wasser schwimmen kann. Waffe? Also habe wir unsere eigenen Leitlinien damit nicht verletzt. Wirklich nicht? Sind U-Boote also Ausflugsdampfer, die rumschippern, um die Unterwasserwelt zu bewundern?

Oder beugen wir uns entgegen unserer gesetzlichen Grundlagen wieder mal der Waffenlobby? Deren Produkte gehören schließlich zum Exportvolumen von Deutschland und die Produkte werden gern gekauft. Die Arbeitnehmer leben auch nicht schlecht davon. Wer wollte deren Babys die Pampers streitig machen?

Wovon man lebt, kann gut oder schlecht sein. Ich für mein Teil wollte keine Toten auf mein Gewissen haben. Das ist halt Ansichtssache. Ich könnte nicht gut damit leben, wenn ich wüsste, dass mein Abendbrot blutig eingefärbt ist. Ich wollte nicht vielleicht atomar verseuchte Kinder zu verantworten haben, die von meinem U-Boot aus getötet oder verletzt werden. Denn ich hätte die Waffen produziert. Der Manager/Unternehmer nicht. Der ist nämlich zu doof dafür. Der steckt nur das Geld für meine Arbeit ein, ohne Riskio, da wir uns leider nur zu gern selbst umbringen für Ideen, die andere reich machen.

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PS: Ist es lächerlich oder zweitrangig zu fragen, ob man U-Boote mit Atomraketen bestücken kann, wie das eine deutsche Zeitung meint? Dann frage man mal z.B. die Iraner oder andere Menschen in den arabischen Ländern, ob sie es lächerlich oder zweitrangig finden, wenn sie mit Atomraketen bedroht werden.