Donnerstag, 28. Juni 2012

Ich denk, mich tritt ein Pferd

Alle Welt soll sich an Deutschland orientieren, meint - ja, was ist sie eigentlich? - das Subjekt, was sich Kanzlerin schimpft. 

Spielen wir das mal durch.

Die meint, dass nur Sparen Wachstum hervorrufen könne. Sparen könnte man ja schon. Kriege kosten eine Unmenge Euros. Eine Armee kostet eine Unmenge Euros. Kriegsgerät kostet eine Unmenge Euros, was mit Steuermitteln gekauft wird.

So, nun wird alle Welt - nun zumindest Europa - das deutsche Modell übernehmen. Was heißt das?

Überall in Europa werden gute Arbeitsplätze geteilt und daraus werden Miniarbeitsplätze, die man außerdem schlecht bezahlen kann. Ein Miniarbeitsplatzarbeiter kann nicht für sich in Anspruch nehmen, viel Verantwortung zu tragen, die auch belohnt werden sollte. Dann transformieren wir fast den ganzen Rest in Leiharbeitsplätze. Es bleiben nur ein paar Arbeitnehmer auf guten Arbeitsstellen, auf die wir nun wirklich nicht verzichten können. Wir haben aber diese paar Arbeitnehmer ganz schön in der Zange. Wenn die nicht spuren, können wir die ins soziale Abseits schicken. Gibt ja genügend, die den Platz gern einnehmen würden. Ergo, kann ich die Lohnforderung dieser paar Arbeitskräfte drücken. Ich sage einfach, dass ich deren Arbeitsplatz auf den Mond oder wohin auch immer verlegen könnte, wenn er nicht spure und nicht das mache, was ich allein wollte. Dann schmeiße ich diejenigen ganz aus den Arbeitsprozess, die ich nun absolut nicht mehr unterbringen kann. Das sind solche Leute, die durchaus Fachkräfte sind oder auch nutzlose humanistische Studienrichtungen unbedingt studieren wollten. Diejenigen, die keine Fachkräfte sind, kann ich immer noch irgendwo als Leiharbeitshandlanger unterbringen und wenn sie auch "nur" Rasen pflegen. Außerdem bin ich aus dem Unternehmerverband, zumindest proforma, ausgetreten, damit mir keine Gewerkschaft mehr in meine Lohndrückerei herumfunkt. Den Betriebsrat - falls ich den habe - bekomme ich ganz leicht auf meine Seite. Die wollen schließlich weiter bei mir arbeiten.

Was habe ich nun geschafft? Ich habe mir eine riesige, stille Reservearbeitsarmee geschaffen, mit denen ich alle im Arbeitsprozess irgendwie befindlichen Normalos erpressen kann. Ich habe das allgemeine Lohnniveau der arbeitenden Bevölkerung um ein Vielfaches gedrückt. Meine Arbeitsproduktivität ist in die Höhe geschnellt und meine Lohnstückkosten dafür in den Keller gerauscht. Ich bin sowas von wettbewerbsfähig geworden. Und was nützt mir nun mein Wachstum?

Was habe ich nicht?

Es gibt kaum noch jemanden, der meine Produkte auch nur ansatzweise kaufen kann. Ein paar Dumme kann man noch überreden, ihren Konsum finanzieren zu lassen. Ich lass da mit mir reden und erzähle ihnen, dass keine Zinsen anfallen. Die paar Dummen glauben das auch. Sie vergessen: Ich verschenke nichts! Die Zinsen sind direkt im Preis schon eingerechnet.

Aber, die paar reißen natürlich noch lange nicht raus, was ich eigentlich absetzen könnte. Nun stecke ich in der Klemme. Ich wachse und wachse - und wofür? Ist mein Wachstum nicht dafür gedacht, dass andere meine Produktausbeute schmelzen lassen? Müssen die nicht meinen Produktionsausstoß kaufen? Ist das nicht Sinn meines Wirtschaftens: Produktion + Verkauf = Gewinn?

Verdammt noch mal, wo finde ich jemanden, der mein Produkt kaufen will. Hier in Europa finde ich niemanden mehr, weil ganz Europa verarmt ist. Okay, das hätte ich wissen können. In den USA sieht es auch nicht viel besser aus. Verdammt noch mal. Die Rettung - China. Okay, das hätte ich auch wissen können. Die produzieren nach meinen Blaupausen das gleiche Produkt nur viel billiger. Ganz so schlecht kann ich meine Kulis denn doch nicht bezahlen, schließlich darf das Pack mir nicht unter den Händen verhungern. Was mache ich nun?

Ich beschließe, meine Produktion zurückzufahren. Wozu Wachstum, wenn's mir sowieso niemand abkaufen kann. Investieren? Wozu? Ich habe kaum noch jemanden, der mein Produkt abkauft. Wozu dann investieren, damit ich noch schneller, immer mehr produzieren kann? Am besten, ich nehme meine Millionen und schließe das ganze Werk. Ist doch sowieso für nicht mehr nütze und meine Schäfchen habe ich im trockenen.

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Leider liest Frau Merkel nicht meinen Blog. Und selbst kommt sie wohl sicherlich nicht auf die Idee, so oder ähnlich zu denken, sonst würde sie nicht solch einen Müll von sich geben.Warum denkt Sie Ihre Ideen nicht nur ein einziges Mal zu Ende? Sie muss ja gar keine Lösungen parat haben, es gibt aber genügend Fachleute. Ich würde mir mal endlich ein paar andere nehmen, als diejenigen, die mir diesen Mist bis jetzt eingeblasen haben.