Samstag, 16. Juni 2012

Wer im Glashaus sitzt ...

... sollte nicht mit Steinen werfen, heißt es treffender Weise.

Jeder weiß, dass ich Heide bin und glücklich dabei, keine Kinder ermorde, sie nicht in Blumentöpfe stecke, sie nicht brate oder esse.

Jeder, der diesen Blog liest, weiß, dass ich diejenigen achte, die an Gott glauben, egal wie sie ihn benennen, und dass ich diejenigen verachte, die nur so tun, als ob sie an Gott glaubten und seinen Namen nur im Munde führen, wenn es ihnen gerade passt.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Wir als sogenanntes christliches Abendland fühlen uns soviel besser und zivilisierter als es andere Länder sind. Unsere Vorstellung - nun nicht meiner, aber das versteht sich ja von selbst - ist, die bösen Muslime zur Räson zu bringen. Nein, nicht die bösen Muslime, sondern deren Religion, den Islam. Wir Verfechter des christlichen Abendlandes bringen es ja fertig, den Gläubigen inhaltlich von seiner Religion zu trennen. Unlogisch, aber was macht das schon. Unlogik ist unsere stärkste Waffe.

Wir werfen dem Islam vor, dass er keine Reformation gehabt hat. Okay, die katholische und orthodoxe christliche Kirche hatte das auch nie. Müssen wir aber nicht erwähnen, verschweigen wir lieber, wenn es denn opportun ist.

Wir werfen dem Islam vor, dass er keine Aufklärung gehabt hat. Ist das so?

Zu Zeiten von El Andalus, hatte der Islam wirklich eine Zeit der Aufklärung. Als El Andalus fiel, fiel auch diese fruchtbare Zeit. Der Islam kam in die Hände orthodoxer Verbreiter des Glaubens. Nicht ganzheitlich. Es gab und gibt immer Ausnahmen und Inseln unorhodoxen islamischen Denkens.

Wir sitzen auf den hohen Ross. Wir sind die Guten, diejenigen, die an die Wissenschaft glauben, diejenigen, die aufgeklärt in die Welt schauen.

Wirklich?

In Deutschland gibt es immer mehr private, christliche Schulen, deren Mittelpunkt die Bibel ist. Man tut so, als ob man den staatlichen Lehrplänen folgt, lehnt aber die Evolutionstheorie ab und andere wissenschaftliche Erkenntnisse, die mit der Bibel kollidieren. Kohle ist z.B. nicht so entstanden, wie wissenschaftlich nachgewiesen, sondern wahrscheinlich durch eine Katastrophe innerhalb der 6000 Jahre Erdgeschichte, die die Bibel vorgibt. Es gibt den Teufel, der die radiocarbon-Methode anwendet usw. usf. 

Das Rad der Geschichte wird zurückgedreht - vor die Aufklärung. 

Unterstützung erhalten diese Schulen aus den USA. Gelehrt wird die Genesis, aber sicherlich nur die von Adam und Eva und nicht von Lilith und Adam (Sie war diesem völlig gleichberechtigt und ebenbürtig, daher verstand sie sich als ein freies Wesen, dem Unterordnung völlig fremd war.) und nicht, dass wir Säugetiere sind, etwas merkwürdige Säugetiere zwar, aber dennoch welche. Man erwähnt es zwar, um unsere Steuergelder abfassen zu können, aber bezweifelt es dann im nächsten Atemzug.

Was für mich aber der wirkliche Skandal an der Geschichte ist. Das JEDER Steuerzahler sein Geld für diese Schulen mit ausgibt. 

Ich muss mein Geld denen in den Rachen werfen, die die Bibel als das Nonplusultra, das einzig wahre Buch, neben dem nichts Anderes gilt, auffassen. 

Diese Schulen bilden auch Parallelwelten, die wir immer den Muslimen unterstellen, heraus. 

Was ist anders an dogmatischen Christen? Wieso geben wir denen Steuergelder? Wenn sie meinen, dass sie das lehren müssen, so sollen sie das, aber mit eigenem Geld und nicht mit meinem!

Wieso regen wir uns künstlich über zwei Hände voll Salafisten auf und nicht über fundamentalistische Christen?

Beide sind von Übel auf dieser Welt. Jeder dogmatische Gedanke ist von Übel in dieser Welt. Dogmatiker teilen die Menschen ein und verbinden uns nicht als das wir wirklich sind: die einheitliche Spezies Mensch in allen ihren Schattierungen.

Was für ein Glück für die herrschenden sogenannten Eliten. Menschen, die nicht wissen, dass sie zusammenstehen müssten, gegen diejenigen, die es ganz genau wissen und tun - gegen uns.