Dienstag, 12. Juni 2012

Will man das wirklich - als Familie - als Mutter - als Vater

Die ersten Schritte eines Kindes. Noch unbeholfen und tapsig läuft es einen mit erhobenen Händen entgegen, fällt einen in die Arme. Ein glücklicher Moment für Mütter und Väter. Unser Kind kann laufen. Noch krabbelt es lieber, weil das schneller geht und noch einfacher ist, aber ... bald ist es geschafft. Das erste Haschen über die Wiese, das erste Versteckspielen hinter der Kinderzimmertür.

Im Gleichklang dazu die ersten Worte: Mama, Papa ... Mütter und Väter lauschen andächtig. Und die Oma wartet auf das erste "Oma", wo dann vielleicht "Opa" gesagt wird. Unser Kind kann sprechen! Dann hören wir vielleicht "Auto" oder "Wauwau" und die Mieze - etwas später.  Das Kind erlernt langsam seine Muttersprache, welche das auch immer sein wird. Und es muss diese erlernen, um nicht seiner Kultur entfremdet zu werden. Auch das gehört zum Menschwerden dazu. Unser Kind soll ein ganzer Mensch werden, mit seiner Kultur, seiner Muttersprache, auch wenn es dann später die Verkehrssprache lernen wird.

Das Kind sitzt auf dem Schoß von Mutter oder Vater: Schacke, schacke Reiter, wenn er fällt dann schreit er ... Kreischend lacht das Kind, wenn es dann "fällt". Es beginnt das erste Mal etwas nachzusingen. Unser Kind kann singen! Nur ein paar Töne, ein paar Worte, unbeholfen, aber es ist ein Stückchen Kinderlied. 

Wir sind stolz wie Bolle auf unser Kind. Die ersten 3 Jahre haben wir geschafft. Was hat unser Kind nicht alles gelernt: Es kann laufen, singen, sprechen, zwar für nicht alle verständlich, aber für Mutter und Vater schon. Unser Kind hat die ersten Schritte zum Menschwerden geschafft.

Nach den Willen der Wirtschaftsbosse, vieler in Regierung und Opposition sollen diese Glücksmomente, diese ersten Ansätze zum Menschwerden, outgesourct werden. 

Das Kind wird nicht seine Hände das erste Mal, wenn es tappsig läuft, nach Mutter und Vater ausstrecken, sondern nach einer Erzieherin. Diese wird die ersten Worte mit dem Kind üben, die ersten Lieder mit ihm singen. Die Erzieherin wird das Menschwerden, das immer alles als ein erstes Mal uns erleben lässt, begleiten. Nicht die Mutter. Nicht der Vater.

Vielen ist es wichtiger, dass Mutter zu dieser Zeit lieber an einer Supermarktkasse sitzt, anderen irgendwelche Frisuren auf den Kopf zaubert, in einer Leiharbeitsfirma Pillen für eine Pharmafirma einpackt und ... und ... und ...

Wollen wir wirklich ein Leben, wo alles outgesourct werden kann? Ich kann das nicht entscheiden. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Entscheiden, was wichtig für sein Leben ist.

Nur, bedenken wir dabei, irgendwann, wenn die Verhältnisse so weiter fortschreiten, sind wir dran, outgesourct zu werden. Was ich mache, schlägt irgendwann immer wieder auf mich zurück.