Sonntag, 22. Juli 2012

Die SPD und die Arbeitslosen

»Die SPD war nie die Partei der Arbeitslosen“. Leistung solle gefördert werden, nicht dauerhafte Abhängigkeit vom Staat.«

Das sagte Sigmar Gabriel!

Mit dieser Einstellung, die nicht erst seit heute bei der SPD herrscht, hat er Tausende aus der Partei sozusagen gemobbt. Viele, die die SPD verlassen haben nachdem die Agenda 2010 zeigte, was sie eigentlich bezweckte, wussten, dass die Arbeitslosen die Verlierer der Agenda sein werden. 

Leistung solle gefördert werden, meinte Sigmar Gabriel. Welche Leistungen will er gefördert sehen? Leistungen in Minijobs, in berufsfremden Feldern?  Sieht er Förderung darin, dass studierte Leute und Menschen mit Fachausbildungen irgendwie irgendetwas jobben? Hauptsache Leistung? Hat nicht die Ausbildung dieser Menschen dem Staat viel Geld gekostet? Und nun sollen diese Menschen irgendetwas machen fernab ihrer eigentlichen beruflichen Abschlüsse, man könnte sagen, außerhalb ihrer eigentlichen Leistungsfähigkeit? Hauptsache Leistung?

Ist Leistung ein Wert an sich? Sollte nicht ein Leistungserbringer auch in seinem Beruf, den er erlernt oder studiert hat, Anerkennung finden und damit auch Freude? Macht nicht gerade das eine positive Leistung aus? Eine Leistung die Freude bringt und dem Arbeit"geber" auch Qualität? Ist nicht erbrachte Qualität das Ergebnis von Qualifikation, Freude und Anerkennung? Sollte sich Sigmar Gabriel nicht dafür einsetzen? Wäre das nicht das Ziel einer Arbeiterpartei, was die SPD einmal war?

Ist sinnentleerte Leistung das Ziel der Dinge? Sitzen wir nicht gerade jetzt allesamt im Schlamassel, weil sinnentleerte Leistung die Finanz"wirtschaft" aufblähte und die Blase dann geplatzt ist? 

Setzt sich ein Herr Gabriel dafür ein - schon jetzt - dass diese sinnentleerte Leistung der Banken endlich beendet wird und dort sinnvolle Leistungen erbracht werden, jenseits von Spekulation? Also ich habe bis jetzt nicht davon bemerkt. Die SPD kotzt immer große Worte aus, um danach kriecherisch die Hände bei jeder Abstimmung im Bundestag zu heben, die für sinnentleerte Leistungen plädieren.

Wieso sieht ein Herr Gabriel die Arbeitslosen nicht als seine Klientel? Sie waren oft Arbeitnehmer und sollen nach Lesart Gabriels ja wieder Arbeitnehmer werden. Wie meint er denn das: Sagt er damit, nur wer arbeitet, hat unsere Unterstützung (wenn man überhaupt davon sprechen kann, aber sagen wir das einfach mal) - dann lassen wir den Arbeitnehmer fallen - um ihn, wenn er dann wieder arbeitet, in unsere Arme zu schließen? Ist das nicht Schizo? Wie soll sich ein Arbeitnehmer fühlen, der zwischendurch fallengelassen wird wie eine heiße Kartoffel, nur weil er arbeitslos geworden ist? Meint Herr Gabriel ernsthaft, dass dieser Fallengelassenen je wieder zur SPD zurückkommt? Braucht er diese Arbeitslose als Wähler nicht? Oder weiß Herr Gabriel, dass die Agenda 2010 seiner Partei überhaupt nicht das Ziel hat, Menschen zurück in Arbeit zu bringen. In welche denn? In sinnentleerte Leistung? Leistung um der Leistung willen? In erzwungene Leistung, die nur Frust und Krankheit produziert, aber keine Qualität? Gut, Qualität - wer will heute noch qualitativ hochwertige Arbeit? Arbeit"geber" jedenfalls nicht. Die schwadronieren nur darüber. Die wollen Hauptsache billig.

Anders gefragt: Was will Herr Gabriel? Ist ihm nicht bewusst, dass gedemütigte Menschen ganz schnell in die rechte Ecke zu irgendwelchen Heilsbringern schlüpfen, nur weil die den Frust der vielen arbeitslosen und unterbezahlten Menschen für sich ausnutzen? Merkt er nicht, dass auch er mit dieser Aussage ein Zündeler an der Demokratie und des sozialen Zusammenhalts einer Gesellschaft ist? Will er, dass im Laufe der immer stärker werdenden Demütigung von Menschen ein starker Mann an die Macht kommt? Einer von der SPD wird das nie und nimmer sein. Ist er nicht fähig, aus der Vergangenheit zu lernen? Ist er überhaupt fähig, zu lernen oder nur ein Opportunist?