Mittwoch, 25. Juli 2012

FDP - geistige Umnachtung

Man muss schon an den Verstand eines deutschen Wirtschaftsministers zweifeln, wenn er die griechische Misere derart zu erklären versucht. Rösler sagte in einem Interview sinngemäß, dass, wenn die Familie Rösler ein Haus baue und sie nicht die Raten zahlen könne, wohl ein Herr Trittin nicht die Schulden übernähme.

Das will nun ein Wirtschaftsminister sein und einem Jüngelchen Rösler, bar jeder Erfahrungen im wirklichen Leben, kaufe ich diese Denkungsart sogar ab. Ein deutscher Wirtschaftminister, der die europäischen Volkswirtschaften mit einem privaten Hauskauf vergleicht. Provinzieller und dämlicher geht es doch wohl nicht mehr. Oder?

Nunja ein gewisser Herr Brüderle, der doch lieber wieder in sein Weingut zurückgehen sollte, hat auch so etwas drauf. Er beschimpft die Griechen, dass sie doch endlich ihre Sparvorhaben durchdrücken sollten, damit die Wirtschaft wieder auf die Beine käme. Hat dieser Mensch noch alle Tassen im Schrank? Sparen bei den kleinen Bürgern heißt kein Konsum, heißt kein Wirtschaftsfortschritt, keine Investitionen, heißt keine Arbeitsplätze, heißt keine Steuereinnahmen

Dass Griechenland grundsätzlich seine Finanzämter reformieren müsste, dass Griechenland außerdem endlich seine Reichen steuerpflichtig machen und deren Steuerhinterziehungen bestrafen sollte, das steht außer Zweifel. Davon sprach aber Herr Brüderle nicht außer von der Reformierung der Finanzämter. Also meint er Sparen und Finanzamt reformieren reiche und dann gehe es Griechenland wieder besser. Er solle wirklich wieder besser zurückgehen in sein Weingut und sich eine rote Nase ansaufen, dann kann er wenigstens keine Unsinn mehr reden.

Ich bin immer wieder entsetzt, dass die Regierung und viele Bürger das kapitalistische System nicht begreifen. Man muss nicht jede Einzelheit wissen, nicht jedes bisschen begreifen, aber man muss wissen, Kapitalismus heißt: Maximalprofit. Das ist sein Grundgesetz. Um Profit überhaupt zu erreichen, benötigt der Kapitalist Konsumenten. Wenn die ihm in irgendeinem Land abhanden kommen, geht der Kapitalist in ein anderes Land, wo er noch Konsumenten findet. Er braucht Konsumenten, um seine Taschen zu füllen. Ohne Konsumenten - kein Profit. Und er will keine Maschinenhersteller usw. als Konsumenten, da auch die nur ihre Maschinen erfolgreich produzieren können, wenn es Konsumenten wie du und ich gibt, die das Zeugs, was die Maschinen herstellen auch kaufen können. Und er wird den Teufel tun ehe er investiert. Warum auch. Ohne Konsumente geht nichts! 

Erzeugt etwa Arbeitslosigkeit, sparen an den Normalos, Senkung derer Einkommen, Erhöhung derer Ausgaben Konsum? Diese Frage kann sich jeder selbst beantworten. Ein Herr Brüderle begreift diese Binsenweisheit nicht - oder will sie nicht begreifen. Und - haben sich schon mal deutsche Stammtische diese Frage gestellt?