Freitag, 20. Juli 2012

Hitlerattentat

Nun haben wir wieder den 20.Juli. Heute Morgen habe ich gehört, dass an diesem Tag des deutschen Widerstandes gegen den Hitlerfaschismus gedacht werde. Stopp! Nein, so hat man das nicht gesagt. Es wird nur der Widerstand einiger adliger Offiziere gedacht, die ein Attentat auf Hitler schlampig ausführten. 

Nein, sie waren nicht gegen den Krieg an sich. Sie wollten nur die besten Bedingungen für eine Kapitulation Deutschlands aushandeln. Nur das sahen sie in Gefahr. 

Nein, sie nutzten nicht ihren Einfluss, um eine bedingungslose Kapitulation Deutschland in diesen Tagen zu erreichen, wo eigentlich der Krieg schon gelaufen war. 

Sicherlich waren die Offiziere kaum Freunde von Hitler. Aber den Krieg gegen die Sowjetunion war auch ihr Krieg. Sie wollten nur mit den Westalliierten verhandeln.

Und nein, ich will diese Offiziere nicht herabsetzen. Auch sie besaßen Mut, sich gegen Hitler aufzulehen. Sie machten dies sehr spät, zu spät. Zu einer Zeit, als sie es nur noch hieß: Rette sich wer kann. Sie hätten auch früher handeln können. 

Es gab viele Widerstandsgruppen in Deutschland, bürgerliche und aus der Arbeiterklasse. Es gab die Menschen, die die "Weiße Rose" repräsentierten, die nicht gewartet haben, bis der Krieg in den letzten Zügen lag. Es gab der Widerstand der Kommunisten, Christen und vieler anderer, der oft in den KZs endete. 

Sicherlich sollte man auch den Offiziere um Staufenberg gedenken. Ohne Zweifel. 

Warum gedenkt man dann aber nicht solcher Menschen wie Ernst Thälmann, Theodor Neubauer, Magnus Poser, Anton Saefkow, Bernhard Bästlein usw. usf. und  an meinem Onkel, der im KZ Börgermoor gequält wurde. 

Wieso verleugnet man, dass viele Kommunisten gegen Hitler gekämpft haben?

Wo wird von den vielen Christen gesprochen, die in den KZs landeten.

Wer spricht von den vielen Gewerkschaftern, die aktiv gegen Hitler gekämpft haben? Wer?

Wer nennt die Namen der Deutschen, die in der Antihitlerkoalition in den verschiedenen Armeen dienten, kämpften und starben? Es waren nicht wenige.

Wir hören nur vom "edlen" Widerstand preußischer Offiziere (okay es waren nicht alle Preußen). 

Und die Bundeswehr leistet ihren Eid im Bendlerblock, dort wo u.a. Stauffenberg hingerichtet wurde. Die Bundeswehr, so sagt man, würde damit das Andenken an Stauffenberg und Freunde ehren und in der direkten Nachfolge des bewaffneten Widerstandes/Verteidigung stehen.

Wirklich? 

In Ex-Jugoslawien oder in Afghanistan sehe ich keine Verteidigung Deutschlands und auch keinen Widerstand gegen einen Feind, der unser Land einnehmen wollte. 

Was will dort die Bundeswehr verteidigen? Deutschland doch wohl nicht.

Und als Angehöriger der Familien, deren Söhne um Stauffenberg Blutzoll geleistet haben, würde ich mir den Missbrauch der Namen verbitten. Die Gruppe der Offiziere um Stauffenberg mögen gedacht haben, was sie wollten. Ihr Ziel war, Deutschland vor der Zerstörung zu bewahren und nicht zuzulassen, das immer mehr Soldaten für einen verlorenen Krieg bluten mussten. 

Das ist ihr Vermächtnis, egal, wie man sonst über sie denkt. 

Das Attentat am 20. Juli reiht sich ein in die Taten anderer Widerstandskämpfer gegen den Krieg. Wir sollten nicht eine Gruppe gegen die andere ausspielen. Es gab viele, die aus den unterschiedlichsten Klassen und Schichten kamen, die eins - über alle ideologischen Unterschiede hinweg - einte: Sie wollten den Hitlerfaschismus besiegen.