Sonntag, 1. Juli 2012

Ich bin Europäerin

Ich bekenne mich zu Europa. Ich bin Europäerin und nichts anderes - eine deutsch sprechende Europäerin. Ich gehöre nicht dem Adelsgeschlecht an, deshalb kann ich meine Wurzeln nicht bis in was weiß ich nicht welches Jahrhundert zurückverfolgen.

Ich weiß, dass Europa in seiner Geschichte immer ein Konglomerat von Völkern war. Vor hunderten von Jahren wanderten die Völker von Ost nach West von Süd nach Nord und wurden dort heimisch, wo sie überleben konnten. Vielleicht blieben sie, vielleicht zogen sie dann nach einer bestimmten Zeit auch weiter. Niemand in Europa kann von sich behaupten irgendetwas Reinrassiges zu sein.

Europa ging es immer am besten, wenn die Menschen einen europäischen Raum hatten, zum handeln und wandeln. 

Europas Blüte war immer dann, wenn sich Europa eins fühlte und zwar mit einem Kaiser/König - war damals eben so - an der Spitze, der die Künste und die Kultur im Allgemeinen förderte und auf Letzteres kommt es mir dabei an.

Ich spreche deutsch. Das ist purer Zufall. Meine Vorfahren hätten auch woanders siedeln können. Meine Heimat, in der ich aufgewachsen bin und heute noch lebe, war einmal slawisch. Sie hätte es noch heute sein können. Alles Zufall. Ich wäre dann keine Deutsche im Laufe der Geschichte gewesen, eine Tschechin vielleicht oder eine Polin oder Piastin, Kaschubin oder was auch immer. 

Es gibt kein deutsches Blut, kein französisches Blut, südländisches oder nordländisches Blut - es gibt nur rotes Blut. 

Wir sind alle Europäer. 

Unsere Vorfahren gehörten mal zu diesem, mal zu jenem Königreich, Fürstentum oder Kaiserreich. Die Grenzen waren nicht eng definiert, sie zogen sich oft über mehrere spätere Nationalstaaten hinweg. So gesehen, waren wir Deutschen auch alle ein kleines bisschen Franzosen oder Italiener. Wir Deutsche sind so gesehen auch ein kleines bisschen Nachfahren des Römischen Reiches.

Ich finde es unsäglich albern, auf irgendwelche nationalen Egoismen zu pochen und irgendwie zu konstruieren, dass diese oder jene Staatsbürgerschaft besser als eine andere wäre. 

Wir sind Europäer.

Die selbsternannten Eliten und die Grauen Eminenzen hinter jeder Regierung wissen das ganz genau. Sie haben es verinnerlicht, deshalb beherrschen sie uns, weil sie uns mit Nationalismen vollspamen. Nur deshalb können sie, wie sie wollen, in Europa schalten und walten. 

Wir kleinen Leute lassen uns nur deshalb beherrschen, weil wir vergessen haben, dass wir vorrangig Europäer sind. Wir wissen nicht woher unsere Vorfahren gerade in diese Stadt, in dieses Land gewandert sind. Wir wissen nicht, wer unsere Vorfahren waren. Es könnten auch Spartaner oder Athener gewesen sein, da wir nicht alle blond und blauäugig sind. Genausogut könnten unsere Vorfahren Wikinger gewesen sein, die auf heutigem deutschen Staatsgebiet hängen geblieben sind.

Wir sind Europäer.

Handeln wir kleinen Leute endlich danach und sehen unseren Bruder im italienischen Mechaniker, der griechischen Verkäuferin und NICHT in dem Aufsichtsratvorsitzenden des Unternehmens, das uns gerade mal Arbeit gegeben hat. Mit dem haben wir absolut nichts gemein - wir kleinen Leute.

Lassen wir uns endlich Europa nicht von denen wegnehmen. Es ist unser Europa! Nur müssen wir das endlich erkennen!