Samstag, 14. Juli 2012

Ich maile mit ...

... meiner Waschmaschine und auch mit meiner Kaffeemaschine. Beide schicken mir herzzerreisende Geschichten rund um meine Schmutzwäsche und meinem Kaffee. 

Meine Kaffeemaschine beschwert sich laufend darüber, dass sie so altmodisch sei. Sie wollte sich so gern in eine Pad-Maschine verwandeln, stößt aber bei mir auf heftigem Widerstand. Ich will meinen Kaffee so, wie er gerade ist.

Meine Waschmaschine dagegen mosert, weil ich sie manches Mal zu sehr belaste, über die vorgegebene Kilozahl gehe. Das rührt mich nicht im Geringsten. Ich will auch mal Ausbeuter spielen. Sie muss das machen, was ich will und nicht umgedreht. An irgendeiner Stelle muss auch ich mal das absolute Sagen haben!

Wenn niemand mit mir spricht - meine Haushaltsgeräte machen es. Ich liebe den Internetzugang zu ihnen. Schließlich sind sie auch Menschen wie du und ich. Ich hoffe, dass ich eines Tages meine Waschmaschine ins Parlament wählen kann (Lems Sternentagebücher berichten schließlich davon, dass es woanders auch schon so wäre). Endlich wäre ich auch mal Lobby und das Parlament müsste dann nach meiner Pfeife tanzen. Aber, wird sich mein Waschmaschinenparlamentarier auch von mir beeinflussen lassen? Ich kann ihm keine tolle Anstellung nach dem Parlament anbieten. Nur das Waschen meiner Schmutzwäsche. Wird das meiner Waschmaschine genügen? 

Oder sitzen vielleicht schon Waschmaschinen im Bundestag und ich habe das noch nicht bemerkt? Irgendwie finde ich den Gedanken richtig. Es werden sicherlich Waschmaschinen schon dort sein. Wer würde sonst wichtige Gesetze in 5 Minuten verabschieden? Menschen? Nein. Richtige Menschen benötigen dazu mehr Zeit. Die müssten erst die Gesetze lesen, darüber nachdenken, ehe sie sich ein Urteil bilden könnten. Waschmaschinen werden per Knopfdruck - nein per Internetbefehl - angeworfen und ich habe in Nullkommanix das Ergebnis. Meine Waschmaschine ist dann leider vor der Tür und ich kann wieder nicht Lobby spielen. Immer komme ich zu spät.

PS: Diese Gedanken kamen mir, als ich hörte, dass bei der IFA wieder ganz tolle "Innovationen" ausgestellt werden. Haushaltgeräte, die ich per Internet steuern kann. Wirklich eine "tolle" Innovation. Ich befülle meine Waschmaschine, danach gehe ich ins Internet und programmiere sie. Bei mir geht das noch einfach. Mein Bad ist gegenüber des Zimmers, wo mein PC steht. Hätte ich ein Haus, dann müsste ich sicherlich vom Keller in irgendeinen Stock steigen, um über das Internet meine Waschmaschine zu steuern. DAS ist Neuerung! Sonst würde ich nur den Deckel oben zumachen, den Programmknopf drehen und das Powerknöpfchen drücken. Aber warum einfach wenn es auch umständlich geht. Der neuen Technik muss man schon etwas opfern. 

Mir will auch nicht einleuchten, warum ich meine Kaffeemaschine per Internet steuern sollte. Ich muss sie ja per Hand befüllen, da kann ich auch gleich den Knopf drücken. Und wenn ich das Zeitversetzt haben möchte, solche Maschinen gibt es schon. Auf der anderen Seite, was macht es, ob ich meinen Kaffee nun 5 Minuten eher oder später trinke? In dieser kurzen Zeit wird die Welt nicht untergehen. Vielleicht befürchten gerade das die "Entwickler". Anders kann ich mir das nicht vorstellen. Früh die Kaffeemaschine vorbereitet, am späten Nachmittag kurz vor der Haustür per Smartphone (obwohl ich keines habe) den Befehl geben, Kaffee zu kochen, damit ich vor dem Untergang der Welt noch meine Tasse Kaffee trinken kann. Na, wenn das nicht toll ist. Solch ein smarter Gedanke verdient es natürlich in die Tat umgesetzt zu werden. Und wenn dann nach 5 Minuten die Welt untergegangen ist, müssen wir uns auch keine Gedanken mehr über rausgeschmissenen Naturressourcen machen. Schöne neue Welt!

I love it!