Samstag, 11. August 2012

Deutschland ist reif für die Anstalt

Deutschland ist reif für die Psychatrie und zwar für die Abteilung dissoziative Störung. Dieser Gedanke kam mir zwingend, als ich heute Morgen zufälligerweise Plus-Minus in der Wiederholung teilweise geschaut habe. Eigentlich kann man das heutzutage ja nicht mehr einschalten, da dort nichts anderes erzählt wird, als das, was die Medien uns jeden Tag einzureden versuchen. Plus-Minus ist die BILD der Mittelschicht; und ich ärgere mich immer wieder, dass ich für das Öffentlich-Rechtlich zwangsgebührenpflichtig bin, obwohl hier nur die zu Wort kommen, die von der Finanzoligarchie bezahlt werden.

Krokodilstränen weinte da ein sogenannter Professor, der bitteschön, ja nicht mal tiefer blickt. Alternativlos wird die Verarmung Südeuropas dargestellt, verschleiert durch das zum Hasswort gewordenen Begriffes "Reformen". Er kann absolut nicht verstehen, dass die südeuropäische Bevölkerung gegen diese Reformen massiv demonstriert. Ihre Länder müssen schließlich wieder auf die Beine kommen. Dieses Gelabere ist einfach nur widerlich.

Schizo - Schizo - Schizo!

Der nächste Beitrag bejammert wiederum etwas. Dieses Mal sind es nicht die Banken, die armen, die nur ihre Pflicht tun. Nein, dieses Mal jammert man um eine Spedition in Bayern. 

Man stelle sich vor, die südeuropäischen Ländern bestellen viel, viel weniger Konsumgüter.

Überraschung!

Man beginnt zu begreifen, dass die - sagen wir mal - Konsumschwäche der südeuropäischen Länder, unsere Konsumschwäche wird und nicht nur unsere Konsumindustrieschwäche, sondern unsere Investitionsindustrieschwäche, was noch viel schlimmer ist.

Beginnt man wirklich den Zusammenhang der sogenannten Reformen mit deren Auswirkungen zu begreifen?

Das wäre wohl für deutsche Medien und für die deutsche Denkungsart nicht möglich. Wir nehmen lieber Depressionen in Kauf als ein paar Prozente Inflation, wo es doch sowieso eine unterschwellige gibt, die der Warenkorb nicht abbildet. Wir lügen uns lieber selbst in die Tasche, als versuchen zu begreifen, was wirklich geändert werden müsste. 

Unsere lieben Medien - hier Plus-Minus - faseln von der immer noch währenden deutschen Kauflaune. Fragen wir lieber nicht nach dem Zusammenhang von Kauflaune und wirklichem Kauf, sonst müssten wir alle Journalisten und Moderatoren in die Arbeitslosigkeit wegen Unfähigkeit schicken und zugeben, dass der Binnenmarkt in Deutschland nicht wirklich funktioniert.

Mit großen überraschten Augen und weinerlicher Stimme entdeckt der Plus-Minus-Beitrag, dass deutsche Arbeitsplätze gefährdet sind, wenn Südeuropa nicht mehr kauft oder sehr viel weniger kauft. Dass die deutsche Investitionsgüterindustrie gefährdet wäre, das stellt man ebenso fest.

Überraschung! Oder besser: Schizo - Schizo - Schizo!

Warum nahm man dann den Redeausfluss des Professors nicht aufs Korn? Warum sagte man dem nicht, dass es auch die deutsche Industrie treffen wird, wenn die normalen, kleinen Leute auf der Straße in Griechenland z.B. auf die Straße gesetzt werden oder in Spanien, in Italien, in Portugal, in Irland und ... und ... und ... Der Herr Professor will vehement die Staatsbediensteten dieser Länder rausschmeißen. Und wer soll dann nach Meinung des deutschen Professors deutsche Waren kaufen?  Wieso stellte man keinen Zusammenhang zwischen dem einen Beitrag und dem anderen her?

Der Öffentliche Dienst in den südeuropäischen Ländern mag nicht gut sein. Unserer ist es auch nicht. Die paar Männeken, die noch im Öffentlichen Dienst bei uns arbeiten dürfen, können keinen Service mehr bieten, weil sie schlichtweg zu wenige sind, die Dienst am Bürger leisten. Das kann überhaupt kein Vorbild sein.

Die Reform des Öffentlichen Dienstes in diesen Ländern, darf einfach nicht auf die Anzahl des beschäftigten Personals reduziert werden, sondern muss zwingend nach Qualität und Bürgernähe sowie Nichtkorrumpierbarkeit ausgerichtet werden. Wieso müssen immer und ewig Menschen, die im öffentlichen Dienst arbeiten, über die Klinge springen? Besser wird dadurch nichts, weder die Qualität noch sonst etwas. Im Gegenteil, die rausgeschmissenen Menschen kaufen keine deutschen Waren, weil sie kein Geld mehr dafür haben.

Und die mittelständige Industrie dieser Länder kauft keine deutschen Ausrüstungsgüter, da deren Kundschaft nicht mehr oder nur noch sehr selten zu ihnen kommt.

Schizo - Schizo - Schizo!

Ein leicht zu verstehender Kreislauf, wenn man denn seinen Kopf einschalten wollte, was viele Deutschen partout nicht machen wollen. Wenn sogar Plus-Minus seinem Professor nicht widerspricht, muss es ja wahr sein, was der sagt, muss es wahr sein, auch wenn er allein mit seiner Ansicht im Weltgeschehen steht. Schließlich ist das ÖR eine Instanz an Seriösität. Und wenn der Professor kein Wort zur Brechung der Vorherrschaft der Finanzoligarchie sagt, da ist das wohl auch richtig. Oder? Selbst denken ist nicht angesagt.

Plus-Minus bangt um deutsche Arbeitsplätze. Plus-Minus sollte nicht bangen, sondern die verfehlte Sparpolitik, die nur die kleinen Leute verarmt, anprangern. Nicht zaghaft fragen, wie es weiter gehen solle, sondern fordern, dass ein Umdenken in Deutschland von statten geht. 

Nein, Deutschland hat Maastrich nicht eingehalten, wie die Fama immer behauptet. Es geht in Maastrich nicht nur um Verschuldungsgrenzen. Es geht auch um Einhaltung von Inflationszielen und um Lohnstückkosten im weitesten Sinne des Wortes. Bei letzterem verstößt Deutschland permanent gegen den Vertrag und ist mit schuldig am ökonomischen Ungleichgewicht in Europa. 

Ein ökonomischer und politischer Verbund von Staat kann nicht funktionieren, wenn ein Land die absolute Vorherrschaft erringen will. Ein Verbund kann nur funktionieren, wenn man Regularien des Ausgleiches untereinander schafft und die auch einhält. Wenn eine Währung in ungleichen Wirtschafträumen nicht mehr auf- oder abgewertet werden kann, fällt dieser Wirtschaftsraum unweigerlich auseinander. Verschärft wird das noch dadurch, dass Zockern freie Hand gewährt wird und man ihnen die Füße küsst und staatliche Handlungen nur an den Interessen der Spielbanken, die sich z.B. u.a. Deutsche Bank nennt, ausrichtet.

Der bayerische Spediteur muss sich wohl auf noch weniger Fuhren einrichten. Die Politik wollte es so und will es auch weiterhin! Alternativlos! Wirklich?