Mittwoch, 29. August 2012

Die berühmten Ratten

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Diese Meinung muss man erhalten, wenn man hört, dass verschiedene (wieviele?) große Unternehmen mit ihrem Geld aus dem Euro fliehen. Sie flüchten in den Dollar z.B., obwohl die Wirtschaft in den USA auch nicht so glänzend da steht. Nur die Politik in den USA hat einen anderen Weg eingeschlagen, wie Europa. Andere wiederum flüchten mit ihren Geld ins "Mutter"haus, wie z.B. Großbritannien. Sie wollen auf den großen Eurocrash vorbereitet sein und so wenig Geld wie möglich verlieren. Einige fliehen nur aus Griechenland. Sind das vielleicht die Optimisten im Pessimismus?

Unternehmensprecher der Flüchter aus dem Euro sagen, dass sie das Vertrauen in den Euro verloren haben. Wohlgemerkt, es sind Unternehmen, die wirklich etwas produzieren, die auf Käufer angewiesen sind.

Das kann ich nachvollziehen. Eine von Deutschland und von Deutschlands unfähigen Ökonomen dominierte EU hat es fertiggebracht, Europa an die Wand zu fahren, zumindest sind wir dabei in voller Fahrt auf die Wand zuzubrausen, ohne dass jemand auf die Bremse tritt. Die Deutschen meinen, dass sie durch eine transparente Wand sausen. Aber alle, die 3 plus 3 zusammenzählen können, wissen, dass diese Wand aus Beton ist und jeder daran zerschellen wird. Die vorderen Plätze, wo der europäische Süden Platz genommen hat, sind als erste kaputt und die hinteren Plätze, wo auch Deutschland sitzt, werden eine kleine Zeitspanne später zersplittern. Aber: kaputt ist kaputt!

Die Wirtschaft der Südländer ist mehr oder weniger tot je nach Region. Besser wird's nicht werden, da die Bevölkerung dieser Länder ausgehungert wird, dank Merkel. Wer kein Geld hat, kann nichts kaufen, dessen Wirtschaft wird nichts produzieren. Salopp gesagt: Ohne Moos nichts los. 

Wir die Tollen, Innovativsten wo gibt, die, die alles richtig machen, die, welche die tollsten Produkte der Welt haben (O-Ton eines Börsenmenschen im Morgenmagazin), lehnen sich zurück und lassen ihren Mob sprechen. 

Nur, man kann einen Porsche oder einen Mercedes auch einen VW nicht in kleinere Verpackungen abfüllen. Die Menschen benötigen, wenn es hart auf hart kommt, keine Autos. Sie müssen essen und trinken und sich möglichst billig einkleiden. Alle drei Sachen sind weder innovativ noch deutsch, noch sonstwas. 

Und fragen wir doch mal, was denn so innovativ an deutschen Produkten ist? Wenn ich auf den Konsumgütermarkt schaue, gibt es kaum noch deutsche Produkte. Die, die vorgeben deutsch zu sein, sind es in der Regel im strengen Sinne nicht. Und innovativ? Wirklich innovative Dinge gibt es zur Zeit auf der Welt gar nicht. Weiterentwicklungen vorhandener Dinge kommen aus Asien. Dort wird die Musik gespielt, in Korea, z.B., in China nur bedingt. Dort wird z.Z. meist noch Billigkram hergestellt. Kram für die verarmte Masse der Europäer, manche ärmer, manche mit Riesenschritten auf den Weg dorthin.

Was ist nun so innovativ an deutschen Produkten? Der Preis. Dumpingpreise, dem keiner standhalten konnte. Unser Niedriglohnsektor hat Europa übernommen und vernichtet Europa. Ein unfähiges EU-System, was unterschiedliche Entwicklungsstufen der Länder nicht ausgleichen will. Fein gemacht. Das hat alles nichts mit unseren ach so tollen Produkten zu tun.

Viele der mittelschichtigen Menschen haben das noch nicht bemerkt und schütteln nur den Kopf über Unilever, die auf kleinkalibrige Produkte umstellen. Da fragt doch ein Moderator im Morgenmagazin, was es bringen soll, wenn man jeden Tag wäscht und dann statt der großen Packung nur noch kleine kauft. Ja, was bringt das? Er kann sich das nicht vorstellen. Er muss nicht sparen um jeden Preis.

Wenn ich das höre, frage ich mich, ob so ein Moderator noch nie im Ausland war und zwar mit offenen Augen. In vielen Ländern, wie in Mexiko, Indien oder Albanien z.B. (die Reihe ließe sich fortsetzen) gibt es z.B. Zigaretten auch stückweise zu verkaufen. Da werden eben keine 20 Stück am Tag geraucht. Geht nicht! Wenn man kein Geld hat, kann man eben nicht täglich seine Waschmaschine anwerfen oder täglich die Haare waschen. Wenn das Geld vielleicht wöchentlich ausgezahlt wird, wie in manchen Ländern, muss man eben mit den Minipackungen von Woche zu Woche reichen. Da macht es sich schon bemerkbar, dass man weniger auf den Ladentisch legt. Eine große Packung ist dann außerhalb der monitären Möglichkeiten.

Statt Kopfschütteln über die Unternehmen - es betrifft nicht nur Unilever - wäre ein Kopfschütteln über den europäischen Weg angesagt. Man muss sich schon fragen, wohin triften wir? Die Unternehmen wie Unilever haben nur ihre Nase im Wind. Sie erspüren die um sich greifende Armut. Sie erspüren, dass Europa den Bach runtergeht und wollen nur gewappnet sein. Sie sind nicht daran schuld. Das Wesen eines Unternehmens ist es, zu produzieren und zu verkaufen mit gutem Profit. Mildtätigkeit ist da nicht inbegriffen. Die Wirtschaft ist die Wirtschaft. Korrektiv müsste der Staat sein. Der ist dafür da, den Unternehmen Grenzen zu setzen, die Sozialstaatlichkeit zu wahren, Ausplünderungen der Bürger zu unterbinden. Weil dieses Korrektiv ausfällt, weil die Mafia das Sagen hat, stellt sich u.a. Unilever darauf ein, sich trotzdem  noch eine goldene Nase zu verdienen. Es stellt sich auf eine immer ärmere Kundschaft ein. Das wird bis zu einem gewissen Grad gehen, dann werden die Unternehmen abwandern und ihre Produkte anderswo verkaufen. Ich sehe schon wieder die DDR-Exquisit-Läden und -Delikat-Läden auferstehen. Dort wird der noch verbliebene Rest des Mittelstandes einkaufen können und alle anderen werden mit irgendwelchen Dreck abgespeist werden. Die Anfänge gibt es schon.