Sonntag, 5. August 2012

Raus mit dem Pack

Raus mit dem faulen Pack! Verbrecher müssen abgeurteilt werden - ein Exempel muss statuiert werden! Ein Exempel - damit sich niemand anderes mehr muckst, nicht mehr rührt, ja und amen zur deutschen Vorherrschaft sagt. Und wehe die anderen spuren dann nicht so, wie wir das wollen.

Söder will Griechenland nun endgültig aus der Eurozone werfen. Irgendwann muss jeder bei Mama ausziehen, nun sind es die Griechen. 

Wer ist der nächste?

Wieso wohnen die Griechen bei Mama? 

Wer ist Mama? Merkel? Die Deutschen?

Und wieso sind nur die Griechen an der Misere dran schuld? Haltet den Dieb, schreit der Dieb - oder besser gesagt ein gewisser Herr Söder aus dem Fränkischen.

Hat die deutsche Industrie nun alles das, was sie wollte, aus Griechenland rausgeschleppt? Gibt es statt Tafelsilber nur noch Tontöppe? Haben sich die deutschen Banken nun genug gesund gestoßen an unseren Steuern? Ist ihr Gewinn hoch genug gewesen? Wenn es einen "hoch-genug-Gewinn" überhaupt gibt. Haben sie alle Griechenlandpapiere an die EZB verhökert, damit es ihnen egal sein kann, was nun geschieht?

Und wieder dieses rassistische "die Griechen sind ganz allein dran schuld". 

Ich war zweimal in Griechenland - KEIN Strandurlaub. Ich habe dort nur fleißig arbeitende Menschen gesehen. In den kleinen Orten arbeiteten die Menschen auf ihren Feldern, in ihren Walnusshainen hart und lang. Sicherlich, bei 40 Grad im Schatten, muss eine Mittagssiesta sein. Nur dumme deutsche Touristen sind zu dieser Zeit mit dem Rennrad unterwegs. Nach der Mittagsruhe ging es bis in die 8./9. manches Mal 10. Stunde abends weiter. Die Läden hatten nicht für uns Touristen geöffnet, weil gar nicht soviele da waren. Es waren die Läden für die Einheimischen. Die Handwerker werkelten immer noch, auch als es dunkel war. Der Pope besuchte die Händler und Handwerker in den Abendstunden, plauschte kurz mit ihnen und gab ihnen den Segen. Keiner lag auf der faulen Haut. Wer saß den tagsüber in den Cafés? Alte Männer, die schon längst Rentner waren. Ihre Frauen stickten, strickten oder häkelten, um diese kleinen handwerklichen Kunststücke verkaufen zu können, um die Familienkasse ein bisschen aufzubessern.  Im Fischereihafen wurde der Nachtfang ans Ufer gebracht. Die Tintenfische wurden in zäher Arbeit weich geklopft. Also ich würde das nicht machen wollen. 

Wieso sagt jetzt ein Herr Söder, dass diese Fischer, Handwerker, Bauern selbst schuld an der Misere wären? Weiß ein Herr Söder überhaupt, wie hart man arbeiten muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Er war ja selbst zu faul dazu, den handwerklichen Baubetrieb seines Vaters zu übernehmen. Das hätte ja Arbeit gemacht und zwar harte Arbeit. Oder hat er es als Kind selbst erlebt, wie hart sein Vater arbeiten musste, um alles dann umso mehr zu verleugnen? Auch ein Bauhandwerker heute in Deutschland kann nichts für seine idiotische Regierung, die nur das Wohl einiger weniger im Sinne hat. Der arbeitet auch für seinen Lebensunterhalt und hofft, dass der reichen wird, genau wie ein griechischer Bauhandwerker. 

Man hat ein Volk an den Rand des Existenzminimus getrieben, ausgeplündert. Nun soll es sehen, wie es damit fertig wird. Nun ist es Herrn Söder egal, was mit den Menschen dort wird? Okay, das hat ihn ja noch nie interessiert. Geld war nur sein Interesse.

Was kann ein kleiner griechischer Bürger dafür, dass seine Regierung korrupt ist? Was kann ein kleiner deutscher Bürger dafür, dass die seinige es ebenso ist. Kann der griechische Handwerker es ändern? Oder kann es der deutsche Leiharbeiter?

Ich gebe Herrn Söder mal Folgendes zu bedenken. Wenn z.B. die Amerikaner nach dem 2. Weltkrieg genauso gedacht hätten, wie Herr Söder heute, dann wäre Deutschland nicht an der Stelle, wo es heute ist. Wenn die Amerikaner nur - und ausschließlich nur - alle anderen europäischen Staaten in den Marshallplan genommen hätte, wo wären dann die Westdeutschen geblieben? Wie stünden wir alle heute da? Man bedenke, wenn - ich weiß nicht mehr wer das war und bin zu faul das nachzuschlagen - einer der Westeuropäer der Antihitlerkoalition mit seinem Vorschlag durchgekommen wäre, Deutschland zu deindustrialisieren und einen Agrarstaat aus ihm zu machen. Was wäre dann gewesen? Nur waren die damals nicht so dumm und beschränkt.

Und noch weiter gedacht. Wenn alle Länder, deren Städte und Dörfer von den Deutschen in Schutt und Asche gelegt worden sind, Reparationen gefordert hätten? Wenn z.B. Griechenland seinen Anspruch durchgesetzt hätte. Auch arabische Länder hätten mit Ansprüchen kommen können. Was wäre dann mit den Westdeutschen geschehen? Hätten sie genauso ihr Wirtschaftswunder feiern können? Ist die BRD nicht auch dank des amerikanischen Planes zu dem geworden, was sie heute ist? Fleiß allein ist unwirksam, wenn nicht finanzielle Mittel dahinter stehen, der aus Fleiß etwas macht. Und man solle mir mit der lächerlichen Legende, dass alle mit 40 DM angefangen haben, nicht kommen. Bei dieser Legende wurde ganz bewusst der Besitz von Grund und Boden übergangen, der Besitz von kleinen Handwerksbetrieben u.ä. Ich hatte einen Chef, der mir diese Legende auch auftischte, aber dabei seine Autowerkstatt und seine Tankstelle vergaß mit dazuzuzählen. Der Rest der westdeutschen Bevölkerung war auch nicht "nur" fleißig. Er wurde auch gut entlohnt, damit er das kaufen konnte, was er produzierte. Wo wäre sie sonst hingekommen? Das überlege sich mal ein gewisser Klugschnacker S. Wir Ostdeutschen haben Reparationen gezahlt. Wir wissen, wie das ist. 

Sicherlich, nur Geld bereitzustellen, ist nicht die Lösung. Die griechische Bevölkerung ausbluten zu lassen - ebenso wenig. Hilfe zur Selbsthilfe muss aber ganz selbstlos daherkommen, ohne nationalistische Töne, ohne Besserwisserei. Okay. Das kann ich mir bei den Deutschen nun so gar nicht vorstellen. Ohne Besserwisserei geht es bei ihnen nicht. Ich weiß das aus eigener schmerzlicher ostdeutscher Erfahrung.