Montag, 13. August 2012

Sport gestern und heute

Eigentlich wollte ich kein Wort über die Olympischen Spiele verlieren. Sie sind es nicht wert. Ich habe schon immer das Nationalistische solcher Spiele nicht gemocht. Meinem damaligen Trainer sagte ich immer, dass ich es verlogen fände, zu behaupten, dass man für sein Land siegen würde. Man siegt zu allerst für sich selbst, wie man sich selbst schindet.

Es wundert mich auch nicht, dass Deutschland mittelmäßig bei diesen Olympischen Spielen war. Wie üblich kommt nun Hinz und Kunz aus den Loch gekrochen und lässt an den Sportlern und an der Sportförderung kein gutes Haar. Dabei frage ich mich immer: Sportförderung?

Geld in den Spitzensport zu geben ist einfach, zu einfach. Wir sind ein Land mit wenig Menschen in Bezug z.B. zu China. Wir müssen also wesentlich mehr tun, um Talente aufzuspüren. 

Wenn es in den Ohren dieser Republik nicht so schändlich sich anhören würde, könnten sie doch mal in die DDR-Sportförderung schauen.

Die Talente für den Spitzensport wurden schon in der Schule gesichtet. Dazu errichtete man das System: Kinder- und Jugendspartakiade. In den Schulen gab es die Schulspartakiaden, in den Berufsschulen auch. Dort überall wurden Talente gesichtet. Die Besten der Schulspartakiaden kamen zu den Stadt-, Kreis-, Bezirks- und endlich dann zur DDR-Spartakiade. Die Talente wurden in die Betriebssportgemeinschaften eingegliedert oder kamen gleich in die Sportklubs. Diejenigen, die Außergewöhnliches in den Betriebssportgemeinschaften leisteten wechselten nach Sichtungswettkämpfen in die Sportklubs über. 

Viele Mädchen und Jungen, die talentiert waren, gingen in die Kinder- und Jugendsportschulen und dort wurde Unterricht und Training aufeinander abgestimmt. Man musste nicht unbedingt in einer Kinder- und Jugendsportschule sein. Wenn man leistungsstark war, wurden Fördervereinbarungen mit einem abgeschlossen. 

Das Wichtigste war: Keiner der Leistungssportler musste sich um seine Zukunft sorgen. Er konnte sich voll und ganz dem Sport widmen. Es stand nie die Frage in Raum: Job oder Sport.

Mit mir wurde z.B. eine Fördervereinbarung abgeschlossen. Daran beteiligt natürlich der Sportklub, aber auch der Betrieb, in dem ich meine Lehre begonnen hatte. Ich arbeitete nur noch halbtags und wurde natürlich voll bezahlt und hatte außerdem eine bestimmte Anzahl von Wochen, die ich in Trainingslagern, wie z.B. Kienbaum, verbringen konnte. Dabei war ich nur 2. Reihe - B-Kader/Nachwuchs Olympia. Ich musste mir überhaupt keine Sorge um meinen sozialen Platz innerhalb der Gesellschaft machen. Mir standen alle Tore offen. 

Solch eine Talentsuche bringt dann natürlich Spitzensportler hervor. Von nichts kommt nichts. 

Des Weiteren gab es kontinuierliche Vorbereitungen auf sportliche Höhepunkte. Kein Athlet musste z.B. weit vor einem sportlichen Höhepunkt in Höchstform sein, um eine Fahrkarte zu diesen Wettkämpfen zu erringen. Ein Athlet kann in der Regel nicht zweimal oder mehr in besonderer Hochform sein. Solch einen Ausnahmeathleten gibt es nicht wie Sand am Meer. Und es wäre undenkbar gewesen, dass ein Athlet erst durch die Medien erfährt, dass er nicht mit zu den Olympischen Spielen fahren darf und die Sportförderung zurückgefahren wird.

Sicherlich gab es Doping. Wie es in allen Staaten der Erde Doping im Sport gab und gibt. Nur, eine lahme Ente wird kein toller Schwan und gäbe man ihm noch soviel Doping. Auch bei den jetzigen Olympischen Spielen zeigt manche Leistung, dass sie mit legalen Mitteln nicht machbar ist, nur sind heute die Dopingpräparate besser und bei den meisten nicht nachweisbar. 

Ich will damit sagen: In dem man heutzutage schon in der Schule den Sportunterricht vernachlässigt, legt man den Grundstein zur Mittelmäßigkeit im Leistungssport. Immer wenn ein Sportler wählen muss, ob er lieber doch heute auf Arbeit geht oder zum Training, immer dann muss man sich über Mittelmäßigkeit im Leistungssport nicht wundern. Des Weiteren gibt es hier in Deutschland kein richtiges Sportfördersystem, was mit den Kinder- und Jugendspartakiaden vergleichbar wäre, also gibt es auch keine umfassende Talenteauswahl. Folge: Mittelmäßigkeit im Sport.

Das wäre aber alles nicht schlimm, denn Mittelmäßigkeit im Leistungssport ist nix Schlimmes. Sport ist eine Nebensächlichkeit, die Lust macht oder auch nicht. Man muss sich nur dazu bekennen, welchen Stellenwert man Hochleistungssport in dieser Gesellschaft einräumt. Ist er etwa, wie er es z.B. in der DDR war, das Schaufenster, um zu zeigen: Seht mal her, wie gut wir sind? Wenn es so ist, sollte man nicht rummeckern, sondern im frühen Kindesalter beginnen, Talente zu sichten und deren soziales Fortkommen vor, während und nach dem Sport zu sichern. Falls Medaillenspiegel ein Vehikel sein sollen, um Größe zu zeigen, kommt man nicht darum herum oder man halte den Mund.

Mittelmäßigkeit im Leistungssport ist nix Schlimmes. Man muss dem Leistungssport nur seinen wirklichem Platz im Leben geben und ihn nicht überhöhen zur Schicksalsfrage einer Nation.

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PS: Nein, ich bin nicht bekannt gewesen. Ich gab den Sport wegen Gesundheitsproblemen auf.